Möriken-Wildegg

SVP kritisiert Aargauer Regierung: «Die Antworten zum Prügelschüler sind ausweichend und beschönigend»

SVP-Grossrätin Doris Iten stellte der Regierung zum Fall des Möriker Prügelschülers kritische Fragen. Mit den Antworten ist sie nicht zufrieden.

SVP-Grossrätin Doris Iten stellte der Regierung zum Fall des Möriker Prügelschülers kritische Fragen. Mit den Antworten ist sie nicht zufrieden.

Der Fall des 14-jährigen Schülers in Möriken-Wildegg, der seine Lehrerin spitalreif schlug, wirft hohe Wellen. Die SVP ist doppelt unzufrieden: Sie kritisierte die Passivität der Regierung und interpellierte mit einem kritischen Fragekatalog. Nun beanstandet sie die Antworten.

Ein heute 14-jähriger Schüler aus Möriken-Wildegg schlug im Juli 2019 mehrmals auf seine Lehrerin ein, sodass diese mit einem Kieferbruch ins Spital musste. Daraufhin wurde ein Strafverfahren gegen den Jugendlichen eröffnet, die Ermittlungen laufen noch.

Um mehr Details zu erfahren, richtete die Aargauer SVP-Grossrätin Doris Iten eine Interpellation an die Regierung. Deren Antworten wurden am Freitagmorgen publik.

Grosse Unzufriedenheit bei der SVP

Doris Iten ist mit der Antwort des Regierungsrats gar nicht zufrieden, wie sie auf Anfrage erklärt. Iten stellte in ihrer Interpellation infrage, ob die Ermittlungen in diesem Fall genügend sorgfältig durchgeführt worden sind. Sie monierte, dass der Schüler nach einer zweitägigen Untersuchungshaft wieder auf freien Fuss gesetzt worden war, trotz seiner offensichtlichen Gewaltbereitschaft. Auch interessierte sie die genaue Aufschlüsselung der entstandenen Kosten

Grossrätin Iten: «Die Antworten der Regierung sind beschönigend und bringen nichts Neues.» So schreibt die Regierung, die Ermittlungen seien «gesetzeskonform und umfassend durchgeführt» worden. Iten entgegnet, sie sei durch persönliche Quellen bestens vertraut mit dem Fall. «So weiss ich beispielsweise, dass die Jugendanwaltschaft in ihren Ermittlungen die Meinung der Heilpädagogen und Lehrpersonen der ehemaligen Schule nie eingeholt hat.» 

Zu kurze Untersuchungshaft und fehlende Gefährdungsmeldung

Als Grund, wieso der 14-jährige Schüler nach zwei Tagen aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, schreibt der Regierungsrat, dass keine Gefahr herrschte, dass sich der Jugendliche dem Strafverfahren entziehen würde. Verdunkelungs- oder Fluchtgefahr hätte eine Verlängerung der Untersuchungshaft erlaubt.

Iten erwidert, dass das keine genügende Antwort sei. Ausserdem sei auch keine Gefährdungsmeldung an die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde KESB gemacht worden. «Dabei war zu diesem Zeitpunkt noch das Jugendfest. Ich weiss, dass Lehrpersonen Angst vor dem Jugendlichen hatten», führt die Aargauer Grossrätin aus.

Auch bei den Kosten seien nicht alle Posten aufgeführt, kritisiert Iten. Die Regierung selbst weist monatliche Kosten von 8000 Franken für das Sondersetting des Jugendlichen aus. Hinzu kämen die Kosten über 15'000 Franken für ein psychiatrisches Gutachten. Auch Dolmetscherkosten für vier Sitzungen im Rahmen des Strafverfahrens weist die Regierung aus: insgesamt 691.30 Franken.

Zu hohe Kosten

Iten kritisiert jedoch, dass darüber hinaus die Dolmetscherkosten für zahlreiche Elterngespräche in der Rechnung gar nicht vorkämen. Was die Familie des Jugendlichen die Gemeinde Möriken-Wildegg kostet, sei zudem eine Information, die den Steuerzahlern nicht vorenthalten werden dürfe.

Und weiter kritisiert Iten: «Unsere Gesetze sind zu lasch. Es geht nicht, dass Einwandererfamilien, die nicht arbeiten und nichts zum Gemeinwohl beitragen, Geld bekommen und der Sohn ein Sondersetting, während ein sonstiger Familienvater jeden Rappen zählen muss.»

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