Glarner-Urteil
SVP-Knatsch: Füglistaller hätte Motiv zur Rache

SVP-Nationalratskandidat Andreas Glarner hat auf seiner Homepage ein Urteil gegen ihn veröffentlicht – da ein politischer Gegner versucht habe, den Fall auszuschlachten. Hat jemand aus den eigenen Reihen den SVP-Fraktionschef belastet?

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Sie haben alte Rechnungen offen: Andreas Glarner und Lieni Füglistaller, hier zu sehen, wie er nach dem Freispruch im Wucher-Prozess 2011 vor die Medien tritt.

Sie haben alte Rechnungen offen: Andreas Glarner und Lieni Füglistaller, hier zu sehen, wie er nach dem Freispruch im Wucher-Prozess 2011 vor die Medien tritt.

Emanuel Freudiger

«Einer meiner politischen Gegner versucht, den Fall auszuschlachten», schreibt SVP-Nationalratskandidat Andreas Glarner auf seiner Website. Deshalb habe er sich in Absprache mit Parteikollege und Rechtsanwalt Jean-Pierre Gallati entschieden, das Urteil wegen ungetreuer Geschäftsführung von 1996 offenzulegen. Gegenüber der az lässt Glarner durchblicken, dass er Lieni Füglistaller im Verdacht hat.

Andreas Glarner und alt Nationalrat Lieni Füglistaller sind zwar Parteifreunde, aber doch so etwas wie Erzfeinde. Acht Monate vor den Nationalratswahlen 2011 warf Füglistaller das Handtuch und gab bekannt, dass er nicht mehr antritt. Dem Entscheid war ein monatelanges Kesseltreiben vorausgegangen. Seine eigene, von Andreas Glarner präsidierte Bezirkspartei Bremgarten hatte ihm das Vertrauen entzogen und bei der Leitung der SVP Aargau beantragt, Füglistaller nicht mehr für die Nationalratswahlen aufzustellen.

Angefangen hatte der Streit, als die az Anfang 2010 über eine Auseinandersetzung Füglistallers mit einem Schuldner berichtete. Diese gipfelte in einem Prozess, in dem Füglistaller des versuchten Wuchers beschuldigt wurde: Er hatte einem Erfinder für die Verwirklichung einer Geschäftsidee 20 000 Franken geliehen und für die Erstreckung der Rückzahlungsfrist zusätzlich zum vereinbarten Zins einen «Bonus» von 50 000 Franken verlangt.

Im November 2011 sprach ihn das Bezirksgericht Bremgarten zwar frei, zwischenzeitlich wurden aber – grösstenteils anonym – weitere Vorwürfe wegen angeblich unmoralischen Geschäftsgebarens erhoben und Dokumente verbreitet, die das belegen sollten. Füglistaller sah sich als Opfer einer Rufmordkampagne und beschuldigte offen Exponenten der SVP Bremgarten, die Drahtzieher zu sein.

Enttäuscht zeigte sich Füglistaller damals auch über die Führung der Kantonalpartei: Sie hatte sich zwar nicht auf die Seite seiner Widersacher gestellt, bis er freiwillig das Handtuch warf, aber auch nicht explizit hinter Lieni Füglistaller und seine erneute Nationalratskandidatur. Nicht zuletzt deshalb stürzte sich Füglistaller danach in das Abenteuer einer «wilden» Ständeratskandidatur ohne Unterstützung der SVP.

Andreas Glarner wäre schon 2011 als Kandidat für die Nationalratswahlen gesetzt gewesen. Er verzichtete allerdings, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, den Streit mit Lieni Füglistaller angezettelt zu haben, um dessen Sitz zu erben. (mou)