Man erinnert sich an die Ständeratskandidatur von Hansjörg Knecht im letzten Jahr: Es standen noch die Weihnachtsbäume, als praktisch in allen Briefkästen im Aargau sein Dossier landete. «Knecht wählen – Könige hat es genug», lautete der Slogan, mit dem sich der SVP-Kandidat empfahl. Um den Bekanntheitsgrad zu steigern, könne man nicht warten, sagte damals Wahlkampfleiter Werner Laube.

Knecht sass immerhin schon seit drei Jahren im Nationalrat und war zuvor sechs Jahre Grossrat. Die Kandidatin, mit der die SVP nun einen zweiten Regierungssitz erobern will, amtete ein paar Jahre als Einwohnerrätin in Brugg, war ausserhalb ihres Heimatbezirks bis zur Bekanntgabe ihrer Kandidatur aber selbst für Insider der Aargauer Politik gänzlich unbekannt.

Man sei sich dieses Mankos bewusst und werde die Zeit für eine intensive Kampagne nutzen, hiess es bei der Präsentation der Regierungsratskandidatin. Das war Ende März. Seither hat man von Franziska Roth kaum mehr etwas gehört. Und nun macht der Wahlkampf Pause, bevor er richtig begonnen hat: In einem Monat sind Sommerferien, dann geht bis Mitte August gar nichts mehr.

«Hat nichts mit Hochuli zu tun»

Geht damit das Kalkül von Regierungsrätin Susanne Hochuli auf? Fährt die Wahllokomotive der SVP mit angezogener Bremse, weil man sich über die Ausgangslage nicht sicher ist? Dass die SVP mit ihrem Anspruch auf einen zweiten Sitz die grüne Regierungsrätin im Visier hat, ist offensichtlich, auch wenn die SVP es nicht aussprechen will.

Würde Susanne Hochuli nicht mehr antreten, hätte Franziska Roth mehr als gute Chancen. Will sie weitermachen, sind die Erfolgsaussichten mehr als ungewiss und die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Franziska Roth Bezirksgerichtspräsidentin bleibt. Und als der Neutralität und einzig dem Gesetz verpflichtete Richterin sollte man sich mit politischen Positionsbezügen vielleicht besser nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. SVP-Präsident Thomas Burgherr dementiert: Klar wäre es einfacher, wenn die Ausgangslage klar wäre, aber die Agenda der SVP habe mit Hochulis Entscheid nichts zu tun, der eigentliche Wahlkampf laufe jetzt erst an.

Grillplausch mit SVP-Freunden

Dass sie kaum präsent sei, stimme auch nicht ganz, sagt Franziska Roth. In der breiten Öffentlichkeit halte sie sich derzeit zwar tatsächlich noch zurück, innerhalb der Partei hingegen sei sie viel unterwegs – sowohl innerhalb als auch ausserhalb des eigenen Bezirks. «Mir ist es wichtig, dass ich meine Positionen und auch mich selbst bekannt machen kann», sagt Roth. Sie war zum Beispiel bei der SVP in Kölliken, Zurzach, Wohlen und Wölflinswil. Am 25. Juni stehen ein Besuch bei den SVP-Freunden Region Aarau in Meisterschwanden und der Grillplausch der SVP Murgenthal auf dem Programm. Als überparteilicher Anlass steht ein Podium mit CVP-Kandidat Markus Dieth am 5. Juli in Windisch in der Agenda. Thema: «Regierungsratswahlen – was braucht der Aargau?»

Während die Parteispitze bei FDP und CVP für einen bürgerlichen Schulterschluss weibelt, setzt ihre Kandidatin die Priorität also zunächst darauf, sich überhaupt erst bei der eigenen Parteibasis bekannt zu machen. Der eigentliche SVP-Wahlkampf und damit auch ihrer beginne erst so richtig nach der Sommerpause, ab dem 19. August, sagt Roth. «Da wird man mich auch vermehrt im direkten Kontakt mit der Bevölkerung sehen.» Diesen ziehe sie ohnehin vor, meint sie zum Umstand, dass sie «aufgrund meiner Position als Präsidentin des Bezirksgerichts Brugg» auf Social-Media-Kanälen nicht präsent ist und Facebook oder Twitter nicht für ihre Kampagne nutzt.