Regierungsratswahlkampf
SVP-Kandidatin Franziska Roth fordert mehr Disziplin an der Schule – und das versteht sie darunter

Mit «Meine Meinung» stellte die Regierungsrats-Kandidatin der SVP klar, wie sie ihre Aussage bezüglich einer «Schule wie vor 40 Jahren» gemeint hatte. Dass sie ihre stark diskutierte Aussage als erstes Thema behandelt, ist bewusst so gewählt.

Matthias Hug
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«Schule wie vor 40 Jahren» – Regierungsratskandidatin Franziska Roth.

«Schule wie vor 40 Jahren» – Regierungsratskandidatin Franziska Roth.

Alex Spichale

Mit den Forderungen nach dem «Erlernen der Grundfertigkeiten» und dass «Disziplin wieder höher gewichtet» sein soll, zementierte die Aargauer SVP-Regierungsratskandidatin Franziska Roth ihre Forderungen nach einer «Schule wie vor 40 Jahren». Auch korrigiert sie ihre Aussage bezüglich den Klassengrössen: Diese sollen nicht etwa auf 35 Schüler oder mehr angehoben werden. Viel mehr sollen die kleinen Klassen zum heutigen Durchschnitt von etwa 24 Schülerinnen und Schüler aufgestockt werden.

Dass Franziska Roth als erstes gleich wieder das kontrovers diskutierte Thema aufgreift, ist kein Zufall: «Es war mir wichtig, hier einiges klar zu stellen. Ich habe an besagtem Abend vieles gesagt und wurde immer wieder auf diesen einen Satz reduziert. Dabei geht es hauptsächlich darum, dass in der Volksschule alle Kinder gute Grundlagen erhalten, um später selbständig lernen zu können. Dazu ist Sicherheit in den Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen unabdingbare Voraussetzung.»

Keine Haselrute

Neben einem grösseren Fokus auf die sogenannten Grundfertigkeiten wie Rechnen, Lesen und Schreiben, fordert die Regierungsratskandidatin auch mehr Disziplin in der Schule. Auf Anfrage der az präzisiert sie dies: «Heutzutage wird mit den Kindern an der Schule zu lange diskutiert. Dabei sollten jedoch vermehrt die Grundregeln wie Pünktlichkeit, Rücksichtnahme auf andere und Ordnung halten gefördert werden.»

«Natürlich kann man den Lehrpersonen nicht alleine die Verantwortung zuschieben», so Roth. Die Hauptverantwortung dafür, dass die Kinder pünktlich, sauber angezogen und mit ihren sieben Sachen in der Schule erscheinen, liegt bis zu einem gewissen Alter bei den Eltern. Wenn das aber nicht klappt, sollte die Lehrperson eingreifen.

Dabei wünscht sich Franziska Roth allerdings nicht, wie man bei der Aussage «Schule wie vor vierzig Jahren» vielleicht denken könnte, die Haselrute zurück ins Klassenzimmer – das Gegenteil sei der Fall: «Körperliche Züchtigung ist immer der falsche Weg.»

Auch Grüssen ist wichtig

Der Präsident der SVP Aargau, Thomas Burgherr, steht hinter den Aussagen seiner Regierungsratskandidatin: Auch er findet, dass die Schülerzahlen kleinere Klassen angehoben werden sollten. Jedoch nur so lange es «noch verantwortbar» sei. Konkrete Zahlen möchte er aber nicht nennen.

Betreffend der Disziplin ist für Burgherr wichtig, dass die Schulen vermitteln, was auch im Berufsleben relevant ist, darunter zählt für den Geschäftsführer und Zimmermeister ebenfalls Pünktlichkeit oder auch dass man die Lehrperson grüsst, wenn man am Morgen im Unterricht erscheint. Auch er findet, dass «zuerst die Eltern dafür verantwortlich sind und erst danach die Lehrperson nachhelfen muss».

Sollten die Schüler der gelehrten Disziplin nicht folgen, legt Burgherr Wert auf Kommunikation: «Als erstes sollte man immer versuchen das Problem im Gespräch zu klären», so der kantonale Partei-Präsident. Erst, wenn auch das keinen Anklang findet, kann man auf Disziplinarstrafen zurückgreifen: «Dann muss der Schüler halt eine Stunde nachsitzen.»

Nicht gegen die Partei gestellt

Mit der Aussage, dass die Umstellung auf sechs Jahre Primarschule und drei Jahre Oberstufe das System für stärkere Schüler geschwächt hat, hat sich Roth nicht etwa gegen die Partei gestellt – obwohl gerade der Vorstoss für diese Änderung unter anderem von der SVP kam. Nationalrat Burgherr klärt auf: «Die Diskussion rund um 5/4 oder 6/3 war auch parteiintern sehr kontrovers. Damit hat sich Franziska Roth nicht gegen die Partei gestellt, sondern vertritt damit eine in der Partei geteilte Meinung.» Und Roth ergänzt: «Ich bin in der SVP, weil meine politischen Ansichten weitgehend mit denen der Partei übereinstimmen».

Franziska Roth (SVP)
22 Bilder
Regierungsratskandidatin Franziska Roth im Fokus Was bedeutet die Nomination der Brugger Bezirksgerichtspräsidentin und wie wird sie versuchen, ihren Bekanntheitsgrad zu verbessern? (April 2016)
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Der 49-jährige Wettinger sitzt seit 2009 im Grossrat und präsidierte diesen im Jahr 2015. 2006 wurde er in den Gemeinderat von Wettingen gewählt, wo er seit 2008 das Amt des Gemeindeammanns ausübt.
Alex Hürzeler (SVP)
Der 51-Jährige sitzt seit 2009 im Aargauer Regierungsrat und hat dort das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) inne. Der Fricktaler stellt sich diesen Oktober für eine weitere Amtsperiode zur Wahl.
Maya Bally: «Die Chancen stehen gut für eine Frauenkandidatur aus der Mitte» (8.8.2016)
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Stephan Attiger (FDP)
Der 49-Jährige steht im Regierungsrat seit 2013 dem Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) vor. Am 23. Oktober kandidiert er für seine Wiederwahl.
Urs Hofmann (SP)
Der 59-jährige Aarauer leitet im Regierungsrat seit 2009 das Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Im Oktober will er den SP-Sitz in der Aargauer Regierung verteidigen.
Mia Jenni, Ariane Müller und Mia Gujer: Dieses Trio zieht für die Juso in den Regierungsrats-Wahlkampf. Mia Jenni (21) ist Vorstandsmitglied der Juso Aargau und studiert Germanistik und Kunstgeschichte. Ariane Müller (23) studiert zurzeit Geschichte und Geologie und ist Präsidentin der Juso Freiamt. Mia Gujer (22) ist Präsidentin der JUSO Aargau und arbeitet als Kampagnen-Mitarbeiterin.
Robert Obrist (Grüne)
Der 58-jährige Schinznacher sitzt seit Januar 2014 im Grossen Rat. Als Agronom und Departementsleiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick (FiBL) sind Umwelt und Bildung die Themen, die Obrist am meisten umtreiben.
Ruth Jo. Scheier (GLP)
Die 40-Jährige wohnt seit 2005 in Wettingen. Sie ist alleinerziehende Mutter einer 17-jährigen Tochter. Sie arbeitet als kaufmännische Angestellte in einer Schmuck-Grosshandelsfirma. Die Grossrätin ist auch Vize-Präsidentin der GLP Aargau.
Die transsexuelle Jil Lüscher kandidiert als Parteilose.
Pius Lischer (IG-Grundeinkommen)
Der 53-jährige Pius Lischer wohnt in Oberrüti und ist schon bei mehreren Wahlen angetreten – jeweils ohne Erfolg.

Franziska Roth (SVP)

Alex Spichale