Mit den Forderungen nach dem «Erlernen der Grundfertigkeiten» und dass «Disziplin wieder höher gewichtet» sein soll, zementierte die Aargauer SVP-Regierungsratskandidatin Franziska Roth ihre Forderungen nach einer «Schule wie vor 40 Jahren». Auch korrigiert sie ihre Aussage bezüglich den Klassengrössen: Diese sollen nicht etwa auf 35 Schüler oder mehr angehoben werden. Viel mehr sollen die kleinen Klassen zum heutigen Durchschnitt von etwa 24 Schülerinnen und Schüler aufgestockt werden.

Dass Franziska Roth als erstes gleich wieder das kontrovers diskutierte Thema aufgreift, ist kein Zufall: «Es war mir wichtig, hier einiges klar zu stellen. Ich habe an besagtem Abend vieles gesagt und wurde immer wieder auf diesen einen Satz reduziert. Dabei geht es hauptsächlich darum, dass in der Volksschule alle Kinder gute Grundlagen erhalten, um später selbständig lernen zu können. Dazu ist Sicherheit in den Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen unabdingbare Voraussetzung.»

Keine Haselrute

Neben einem grösseren Fokus auf die sogenannten Grundfertigkeiten wie Rechnen, Lesen und Schreiben, fordert die Regierungsratskandidatin auch mehr Disziplin in der Schule. Auf Anfrage der az präzisiert sie dies: «Heutzutage wird mit den Kindern an der Schule zu lange diskutiert. Dabei sollten jedoch vermehrt die Grundregeln wie Pünktlichkeit, Rücksichtnahme auf andere und Ordnung halten gefördert werden.»

«Natürlich kann man den Lehrpersonen nicht alleine die Verantwortung zuschieben», so Roth. Die Hauptverantwortung dafür, dass die Kinder pünktlich, sauber angezogen und mit ihren sieben Sachen in der Schule erscheinen, liegt bis zu einem gewissen Alter bei den Eltern. Wenn das aber nicht klappt, sollte die Lehrperson eingreifen.

Dabei wünscht sich Franziska Roth allerdings nicht, wie man bei der Aussage «Schule wie vor vierzig Jahren» vielleicht denken könnte, die Haselrute zurück ins Klassenzimmer – das Gegenteil sei der Fall: «Körperliche Züchtigung ist immer der falsche Weg.»

Auch Grüssen ist wichtig

Der Präsident der SVP Aargau, Thomas Burgherr, steht hinter den Aussagen seiner Regierungsratskandidatin: Auch er findet, dass die Schülerzahlen kleinere Klassen angehoben werden sollten. Jedoch nur so lange es «noch verantwortbar» sei. Konkrete Zahlen möchte er aber nicht nennen.

Betreffend der Disziplin ist für Burgherr wichtig, dass die Schulen vermitteln, was auch im Berufsleben relevant ist, darunter zählt für den Geschäftsführer und Zimmermeister ebenfalls Pünktlichkeit oder auch dass man die Lehrperson grüsst, wenn man am Morgen im Unterricht erscheint. Auch er findet, dass «zuerst die Eltern dafür verantwortlich sind und erst danach die Lehrperson nachhelfen muss».

Sollten die Schüler der gelehrten Disziplin nicht folgen, legt Burgherr Wert auf Kommunikation: «Als erstes sollte man immer versuchen das Problem im Gespräch zu klären», so der kantonale Partei-Präsident. Erst, wenn auch das keinen Anklang findet, kann man auf Disziplinarstrafen zurückgreifen: «Dann muss der Schüler halt eine Stunde nachsitzen.»

Regierungsratskandidatin Franziska Roth im Fokus

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Nicht gegen die Partei gestellt

Mit der Aussage, dass die Umstellung auf sechs Jahre Primarschule und drei Jahre Oberstufe das System für stärkere Schüler geschwächt hat, hat sich Roth nicht etwa gegen die Partei gestellt – obwohl gerade der Vorstoss für diese Änderung unter anderem von der SVP kam. Nationalrat Burgherr klärt auf: «Die Diskussion rund um 5/4 oder 6/3 war auch parteiintern sehr kontrovers. Damit hat sich Franziska Roth nicht gegen die Partei gestellt, sondern vertritt damit eine in der Partei geteilte Meinung.» Und Roth ergänzt: «Ich bin in der SVP, weil meine politischen Ansichten weitgehend mit denen der Partei übereinstimmen».