Ist der Aargau einer der tierfeindlichsten Kantone der Schweiz? Dieser Meinung sind verschiedene Tierschutzorganisationen. In einem offenen Brief haben sie sich an den Aargauer Regierungsrat und den Grossen Rat gewandt.

In dem Brief ärgern sich der Verein zum Schutz der bedrohten Wildtiere, der Wildtierschutz Schweiz, die Tierpartei Schweiz und die IG Wild beim Wild darüber, dass im Aargau bald der Jagddruck auf Wildschweine erhöht werden könnte.

In einem Vorstoss im März hatte der SVP-Grossrat und Landwirt Hansjörg Erne Sorgen darüber geäussert, dass Wildschweine die afrikanische Schweinepest einschleppen und diese auf Hausschwein übertragen könnten.

Erne forderte, dass für die Wildschweinjagd technische Hilfsmittel wie Drohnen oder Wärmebildkameras verwendet werden dürfen.  «So könnten Wildschweine effizienter bejagt werden», sagte Erne damals gegenüber der AZ.

«Menschen verbreiten Krankheiten»

Die Tierschützer zweifeln daran, dass die Jagd den Wildschweinbestand auf lange Sicht verkleinert. Im Gegenteil. «Wenn sie gejagt werden pflanzen sich Wildschweine einfach häufiger fort», so die Tierpartei.

Das hat zwei Gründe: Zum einen werden die Weibchen bei häufiger Jagd früher geschlechtsreif. Zum anderen sind zerschossene Rotten laut der Tierpartei führungslos und pflanzen sich das ganze Jahr über fort. «Das Gegenteil einer Regulation tritt somit ein», schliessen die Tierschützer ihren Brief.

Ihre Aussagen stützen sie auf eine Studie, die im Jahr 2009 veröffentlicht wurde. Für die Studie wurden über 20 Jahre lang zwei Wildschweinrotten begleitet. Eine Gruppe wurde in dieser Zeit gejagt, die andere nicht. 

Die Tierschützer sind über den Vorstoss von Hansjörg Erne empört. «In erster Linie übertragen nicht Wildtiere, sondern Menschen die Krankheiten», halten sie in dem Brief fest. Die Tierschutzpartei Schweiz ergänzt auf Anfrage: «Die Schweinepest breitet sich wegen Tiertransporten aus, nicht wegen den Wildtieren.»

Der internationale Handel mit Tieren, Nutztier-Ausstellungen, Futtereinkäufe aus dem Ausland und Viehschaureisen bieten laut den Tierschützern ein viel grösseres Gefahrenpotenzial als «alle Wildschweine zusammen».

Sie schlagen andere Mittel vor, um die Verbreitung der Schweinepest in der Schweiz zu verhindern. Zum Beispiel dass Agrarbetriebe besser auf die Hygiene achten und die Fahrzeuge für Tiertransporte regelmässig gereinigt und desinfiziert werden.

Wildschwein-Jagd mit Luftunterstützung

Wildschwein-Jagd mit Luftunterstützung

Ein Beitrag von TeleM1: Die Jagd auf Wildschweine soll mit mit unkonventionellen Mitteln vereinfacht werden.