Wahlkampf

SVP-Grossrat Andreas Glarner wirbt auf Plakat mit falscher Flagge

Widerspruch auf dem Wahlplakat: Die rot-weiss-schwarze Flagge links hat nichts mit dem Islamischen Staat zu tun.

Widerspruch auf dem Wahlplakat: Die rot-weiss-schwarze Flagge links hat nichts mit dem Islamischen Staat zu tun.

Islamwissenschaftler bezeichnet Plakatsujet als «vollkommen unsinnig», denn die Flagge, auf dem der Schatten eines Soldaten des Islamischen Staates abgebildet ist, zeigt diejenige, welche vom Irak verwendet wird.

Mit zwei neuen Plakat-Sujets provoziert SVP-Nationalratskandidat Andreas Glarner seit letzter Woche seine politischen Gegner. SP-Nationalrätin Yvonne Feri bezeichnete sie als «menschenverachtend», der Verband Aargauer Muslime kritisierte den Stil der Kampagne, weil so die Angst der Menschen geschürt werde.

Glarner IS-Wahlplakat

Inzwischen sind die beiden Sujets auf der Website des SVP-Hardliners aufgeschaltet. Unter dem Titel «Islamischer Staat – die echte Bedrohung» erläutert Glarner den Hintergrund seiner Kampagne. «Der Islam erobert still und fast unbemerkt Europa», schreibt der SVP-Fraktionschef dort.

Es sei eine Tatsache, dass sich «via Masseneinwanderung, Asylströmen und einer unheimlichen Geburtenentwicklung eine nicht zu ändernde Entwicklung abzeichnet: Europa wird muslimisch!»

Andreas Glarner provoziert mit blutigen Wahlplakaten – das sagen Parlamentarier in Bern dazu.

Andreas Glarner provoziert mit blutigen Wahlplakaten – das sagen Parlamentarier in Bern dazu.

Irak-Flagge neben IS-Signet

Dies soll wohl das Plakat mit dem Slogan «... sie sind unter uns» zeigen. Darauf ist oben rechts das IS-Signet zu sehen, links der Schatten eines offenbar islamistischen Kämpfers mit einer Kalaschnikow vor einer Flagge mit arabischen Schriftzeichen. Eine kurze Bildrecherche im Internet zeigt aber: Die Flagge hat überhaupt nichts mit der Terrormiliz zu tun, vor der Glarner warnt.

«Es handelt sich um die irakische Flagge, die von 2004 bis 2008 in Gebrauch war», bestätigt Reinhard Schulze, Professor am Institut für Islamwissenschaft der Universität Bern. «Der Text auf der Flagge wurde 1991 nach dem Golfkrieg vom Regime von Saddam Hussein hinzugefügt und lautet ‹Allahu akbar›, was heute zu verstehen ist als ‹Gott ist gross›», erläutert Schulze. Allerdings ist dies nur schlecht lesbar, denn das Bild der Flagge auf der Steinmauer wird auf dem Plakat seitenverkehrt verwendet.

Mit Blick auf die heutige Lage im Mittleren Osten zeigt sich rasch: Glarner wirbt mit einer falschen Flagge. «Das Plakat suggeriert eine Beziehung zwischen dieser Flagge und dem IS, was vollkommen unsinnig ist», erklärt der Islamwissenschaftler.

Tatsächlich repräsentiere die rot-weiss-schwarze Flagge mit den grünen Sternen und dem arabischen Text den heute noch existierenden irakischen Staat, «der in erbitterter Gegnerschaft zum sogenannten IS steht», wie Schulze sagt.

«IS-Kämpfer kommen von dort»

Mit diesen Aussagen konfrontiert, sagt Andreas Glarner: «Meine Abklärungen haben ergeben, dass diese Flagge sowohl von Syrien wie vom Irak verwendet wird.» Glarner sieht darin keinen Widerspruch zur Aussage seiner Kampagne.

«Genau aus diesen beiden Ländern kommen die meisten IS-Terroristen zu uns», begründet er. Das Sujet des Kämpfers vor der bemalten Wand habe er von einer Bildagentur genau in dieser Form bezogen.

«Es hätte auch eine Variante gegeben, bei der dieser Terrorist vor einer Schweizer Fahne steht, dabei wäre dann die Bedrohung unseres Landes noch stärker im Vordergrund gestanden», erläutert Glarner.

Wie hoch er diese einschätzt, zeigt eine konkrete Forderung auf seiner Website: «Unsere Armee ist wieder auf deutlich über 500 000 Mann hochzurüsten, damit einem möglichen Angreifer der Preis zu hoch erscheint.»

Noch hängen übrigens keine IS-Wahlplakate des SVP-Hardliners in den Aargauer Strassen. Die beiden angefragten Plakatgesellschaften seien noch daran, die Sujets zu prüfen, sagt Glarner. «Wild werde ich sie sicher nicht aufhängen, aber ich hoffe schon, dass meine Plakate an den offiziellen Stellen platziert werden können.»

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