Fall Rupperswil

SVP-Grossrätin will keine Schülerfotos im Internet

Schüler sollen besser vor Pädophilen geschützt werden

Der Beitrag von Tele M1 zum Thema.

Nicole Müller-Boder fordert mehr Datenschutz in Schulen: Sie reicht am Dienstag einen Vorstoss ein, der sich gegen Schülerfotos, Stundenpläne und Namen auf Schulwebsites richtet. Hintergrund ist der Fall Rupperswil – der verurteilte Mörder hatte im Internet nach weiteren Opfern gesucht.

Thomas N., der Vierfachmörder von Rupperswil, hat nach der Tat im Internet weitere Opfer gesucht. Gemäss der Anklageschrift hatte er zwei Familien in den Kantonen Solothurn und Bern im Visier. Die Informationen über die möglichen Opfer, Buben im Alter zwischen 11 und 16 Jahren, fand er dabei offenbar auch auf Schulwebsites.

Nicole Müller-Boder, SVP-Grossrätin aus Buttwil, hat selber zwei Töchter im Alter von 5 und 9 Jahren. Für sie steht fest: «Natürlich ist der Fall Rupperswil ein extremes und seltenes Ereignis, dennoch sollten wir aus meiner Sicht alles tun, um Kinder vor Pädophilen zu schützen.» Dass ein möglicher Täter auf Websites von Schulen detaillierte Angaben über Kinder und Jugendliche finde, dürfe einfach nicht sein.

«Ich sehe nicht ein, warum eine Schule Klassenfotos, Stundenpläne und Namen der Schüler ins Internet stellen muss, manchmal sogar alle Angaben zusammen auf der gleichen Seite», kritisiert Müller-Boder. Schon vor drei Wochen habe eine Kollegin sie auf diese Problematik aufmerksam gemacht, sagt die SVP-Politikern «Ich wollte das Thema ursprünglich in einer Interpellation aufnehmen, nach den Medienberichten vom Sonntag und Montag ist aber klar, dass der Regierungsrat offenbar keinen Handlungsbedarf sieht.»

«Kinder öffentlich ausgestellt»

Deshalb will Müller-Boder nun heute Dienstag eine Motion einzureichen, die für Aargauer Schulen ähnliche Datenschutzregeln verlangt, wie sie andere Kantone schon kennen. «Ich finde es völlig falsch, wenn Kinder und Jugendliche derart öffentliche ausgestellt werden, wie dies hier passiert», argumentiert sie. Und sie betont: «Wenn ich ein Klassenfoto meiner Kinder möchte, kann ich das bei der Schule bestellen, die Stundenpläne bringen meine Kinder nach Hause, die müssen absolut nicht öffentlich einsehbar sein.»

In speziellen Kursen lernten Schülerinnen und Schüler einen möglichst gefahrlosen Umgang mit dem Internet. «Dort wird ihnen zu recht gesagt, sie sollten auf sozialen Medien und in Chats vorsichtig sein mit persönlichen Angaben und Fotos – an diesen Grundsatz sollten sich auch die Schulen halten», findet Müller-Boder.

Sie lobt die Behörden in Buttwil «Hier sind die Verantwortlichen vorbildlich: Es gibt keine Klassenfotos und auch keine Stundenpläne im Internet, an dieser Praxis könnten sich andere Schulen ein Vorbild nehmen». Müller-Boder kann sich vorstellen, dass Bilder nur mit Passwort abrufbar sind. Prinzipiell sollten Schulen nur Klassenfotos publizieren, wenn die Eltern ihr Einverständnis gegeben haben. «Wenn wir nur ein Kind vor einem Übergriff schützen können, lohnen sich neue Datenschutzrichtlinien für die Schulen auf jeden Fall, auch wenn damit ein gewisser Aufwand verbunden ist.»

Solche Fotos sollen Schulen nicht mehr online stellen, findet Nicole Müller-Boder. (Symbolbild)

Solche Fotos sollen Schulen nicht mehr online stellen, findet Nicole Müller-Boder. (Symbolbild)

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