Budget 2018
SVP-Gallati will Lohn des Staatspersonals kürzen – Unverständnis bei Lehrerpräsidentin Abbassi

Die Aargauer Regierung beantragt eine Lohnerhöhung, die SVP derweil eine Senkung. Mit seiner Forderung stösst Gallati bei Elisabeth Abbassi, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (alv), auf schieres Unverständnis.

Mathias Küng
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Gallati glaubt, der Staat zahle einen höheren Lohn als die Privatwirtschaft.

Gallati glaubt, der Staat zahle einen höheren Lohn als die Privatwirtschaft.

Annika Bluetschi

Dem Kanton Aargau steht ein heisser Herbst bevor. Mit dem Budget für 2018 beantragt die Kantonsregierung eine Lohnerhöhung von einem Prozent für das Staatspersonal. Die SVP hält nichts davon, sie will Löhne über 100'000 Franken senken. Fraktionschef Jean-Pierre Gallati fordert gegenüber der AZ gar, «schnellstmöglich, realistischerweise wohl per Anfang 2019 alle Löhne beim Staatspersonal inklusive Regierungsräte und bei der Lehrerschaft um fünf bis zehn Prozent zu kürzen. Bei den höchsten Löhnen denke ich an 10, bei den tiefsten an 5 Prozent». Vorbild ist ihm der Kanton Basel-Landschaft, der die Löhne seiner Staatsangestellten – allerdings deutlich weniger – pauschal gekürzt hat.

Gallati: Staat zahlt höhere Löhne

Wie kommt Gallati nach drei Lohnnullrunden für das Staatspersonal auf eine derart drastische Forderung? Gallati: «Es wird ständig behauptet, die Privatwirtschaft zahle höhere Löhne als der Staat. Das stimmt überhaupt nicht. Ich habe das für mehrere Branchen verglichen und komme zum gegenteiligen Schluss: Der Kanton bezahlt höhere Löhne als die Privatwirtschaft – auch für die weniger qualifizierten Tätigkeiten.»

Und wie sieht er die Konkurrenz zu Nachbarkantonen? Riskiert er nicht, dass zahllose gute Leute abwandern? Lehrer verdienen je nach Alter im Kanton Zürich ja heute schon ganz massiv mehr als im Aargau. Das lässt Gallati nicht gelten: «Dafür steigt ein Quereinsteiger, der neu Lehrer wird, im Aargau mit einem sehr hohen Lohn ein. Kantone wie Zürich haben zudem ein viel höheres Steueraufkommen als der Aargau. Unsere Kantonskasse ist ein Sanierungsfall, wir können nicht länger so hohe Löhne zahlen.» Erst recht dürfe man die Schere zwischen den knappen Mitteln des Kantons und den Löhnen nicht noch weiter vergrössern, «wie dies der Regierungsrat mit seiner gewerkschaftlichen Forderung nach Lohnerhöhung um 1 Prozent versucht», so Gallati. Erstaunlich sei auch der Ausblick auf die Folgejahre bis 2021, in welchen gemäss Aufgaben- und Finanzplan der Personalaufwand um 7,7 Prozent steigen soll.

Mit seiner Forderung stösst Gallati bei Elisabeth Abbassi, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (alv), auf schieres Unverständnis. Nach drei Lohnnullrunden sei die von der Regierung beantragte Lohnerhöhung um ein Prozent mehr als angebracht: «Wir sind inzwischen mit Lohnerhöhungen schon mehrere Prozentpunkte hintendrein. Hart betroffen sind dabei vor allem junge Lehrpersonen. Sie verdienen im Aargau nach sechs Berufsjahren 0,9 Prozent mehr. In den Nachbarkantonen steigt der Lohn im selben Zeitraum um 12,3 (Luzern) bis 22,6 (Baselland) Prozent.»

Wenn es so weitergehe, wechselten noch mehr Lehrkräfte in die Nachbarkantone. Viele wohnen zwar hier, arbeiten aber längst woanders, sagt Abbassi: «Es ist schon verrückt. Wir zahlen für eine Lehrerausbildung viel Geld, dann gehen unsere jungen Lehrkräfte in andere Kantone, weil ihr Lohn im Aargau so tief ist. Dafür kommen ältere Quereinsteiger aus den Nachbarkantonen zu uns, weil sie im Aargau nach dem Lebens- und nicht nach dem Dienstalter bezahlt werden. Doppelt verrückt ist dies, weil wir deswegen trotz tiefen Löhnen hohe Lohnkosten haben. Letztlich also kosten unsere tiefen Löhne die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler mehr!»

Abbassi: Vergleich völlig falsch

Man wisse nicht mehr, wo Lehrkräfte herholen. Abbassi: «Wir beschäftigen heute viele mit ungenügender Ausbildung, die bei weniger ausgetrocknetem Stellenmarkt nicht eingestellt würden.» Sie sorgt sich um die Qualität der Bildung. Das Bundesgericht habe eben erst bestätigt, dass die Lehrerlöhne im Aargau 10 Prozent unter denen des Verwaltungspersonals liegen. Die Aussage von Jean-Pierre Gallati zu staatlichen und privaten Löhnen weist sie zurück: «Der Blick ins Lohnbuch zeigt, dass seine Behauptung völlig falsch ist.»

Auch sein Verweis auf Basel-Landschaft gehe nicht. Dort seien nämlich die Löhne auch nach der Senkung vor allem für jüngere Lehrpersonen deutlich höher als im Aargau: «Der Lehrer-Lohnunterschied zwischen Aarau und Schönenwerd kann heute schon über 20'000 Franken im Jahr betragen!» Von den massiv höheren Zürcher Löhnen rede sie schon gar nicht mehr, seufzt Abbassi. Für sie ist deswegen klar: «Mit der Forderung von Jean-Pierre Gallati würde der Aargau sich und der Aargauer Schule massivstens selber schaden.»