Seit diesem Monat sind auch in Schweizer Läden erste Produkte mit der sogenannten Lebensmittelampel versehen. Der französische Lebensmittelkonzern Danone kennzeichnet Joghurts mit dem «Nutri-Score». Dieser soll Hersteller von Lebensmitteln dazu bewegen, den Gehalt von Zucker, Fett oder auch Salz in Fertigprodukten anzupassen. Frankreich hat den «Nutri-Score» bereits 2017 eingeführt.

Auch in der Schweiz wurde schon verschiedentlich eine Nährwertkennzeichung von Lebensmitteln gefordert. Unter anderem hat die Aargauer Nationalrätin Ruth Humbel (CVP) bereits 2004 den Bundesrat dazu aufgefordert, ein «Ampelsystem» für die Lebensmittelindustrie zu prüfen. Demnach sollten Lebensmittel je nach Kaloriengehalt auf der Verpackung mit Rot, Orange oder Grün gekennzeichnet sein. So ist der jetzt eingeführte «Nutri-Score» aufgebaut: Ein grünes A oder B stehen für gesunde Produkte, ist ein Lebensmittel mit einem orangen D oder einem roten E gekennzeichnet, enthält es vergleichsweise viel Zucker, Salz oder Fett. So sehen Konsumentinnen und Konsumenten auf den ersten Blick, ob das, was sie einkaufen, gesund ist.

Der Bundesrat hatte auf das Postulat von Humbel hin angekündigt, die Forderungen zu prüfen.

Anfrage von Flückiger

Mit Sylvia Flückiger (SVP) spricht sich jetzt eine andere Aargauer Nationalrätin klar dagegen aus, dass ein solches Kennzeichnungssystem gesetzlich geregelt würde. Flückiger hat beim Bundesrat angefragt, wie er inzwischen zu einer solchen Forderung stehe. «Ich wehre mich gegen immer mehr staatliche Eingriffe», sagt Flückiger, «es ist nicht die Aufgabe des Staates, mir vorzuschreiben, was auf meinen Teller kommt.»

Ruth Humbel hat ihre Forderung für eine Deklarationspflicht für übermässig kalorienreiche Nahrung damit begründet, dass so die Konsumentinnen und Konsumenten deutlich auf die gesundheitsgefährdende Wirkung einer energiereichen Ernährung aufmerksam gemacht würden. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sei die Tendenz zu Übergewicht alarmierend steigend. Die durch Übergewicht und Fettleibigkeit verursachten Gesundheitskosten betragen laut der Gesundheitspolitikerin gegen drei Milliarden Franken.

Höchstens freiwillig

Diese Problematik sei nicht wegzudiskutieren, sagt Sylvia Flückiger. Allerdings stünden den Konsumentinnen und Konsumenten bereits heute genügend Möglichkeiten zur Verfügung, um sich über gesunde Ernährung zu informieren: «Auch in der Schule ist sie ein Thema und in den Medien. Die Informationen stehen bereit», sagt die Nationalrätin. Ihrer Ansicht nach soll ein Ampelsystem höchstens auf freiwilliger Basis eingeführt werden.

So sieht das auch der Bundesrat. Er befürworte die Einführung eines freiwilligen Kennzeichnungssystems wie «Nutri-Score» durch die Lebensmittelwirtschaft, antwortet er auf die Frage von Sylvia Flückiger. Er sehe aber aktuell keine Notwendigkeit, die Verwendung rechtlich zwingend vorzuschreiben. Die Ernährungsstrategie des Bundes beruhe auf einer freiwilligen Zusammenarbeit mit der Lebensmittelwirtschaft. Damit die Konsumenten die Produkte vergleichen können und nicht durch eine Vielzahl von unterschiedlichen Systemen verwirrt werden, wäre es allerdings wichtig, dass sich die Wirtschaft auf ein Kennzeichnungssystem einigt.