Mit am Tisch des Gemeinderates in Rothrist sitzt neu der Parteilose Stefan Schmitter. Der 50-jährige ICT-Techniker und zweifache Familienvater hat mit 535 Stimmen den zweiten Wahlgang der Ersatzwahl klar für sich ausgemacht. 379 Stimmen erhielt Marianne Kamber (SVP), 365 Stimmen erreichte Martin Bossert (EDU).

Wie im ersten Wahlgang am 19. Mai vereinte Stefan Schmitter am meisten Stimmen auf sich. Diesmal ging der Parteilose als Sieger hervor, weil er mit seinem Resultat das relative Mehr gewann. Im Gegensatz zum absoluten Mehr im ersten Wahlgang war es nun nicht notwendig, mehr als die Hälfte der Stimmen zu erhalten. Von den 5694 Stimmberechtigten fielen 1279 Wahlzettel in Betracht. 15 waren ungültig oder leer. Die Wahlbeteiligung lag bei 22,7 Prozent.

«Abbild des ersten Wahlgangs»

«Ich bin froh und sehr erleichtert, dass mein Ergebnis so eindeutig ausgefallen ist», sagte Stefan Schmitter und betonte: «Es ist ein Abbild des ersten Wahlgangs.» Der parteilose Sieger sieht sich den Rothristern verpflichtet: «Ich bin für alle Anliegen offen, ob sie umsetzbar sind, entscheide aber nicht ich alleine.» Das Miteinander liege ihm am Herzen. «Es gilt, über die Parteigrenzen hinweg gemeinsam mit Gewerbetreibenden, Vereinen und anderen Interessierten gute Lösungen für die Gemeinde zu finden.»

Der Wahlsieg von Stefan Schmitter bedeutet einen empfindlichen Verlust für die SVP, die nicht mehr im fünfköpfigen Gremium vertreten ist. Dieses setzt sich während der laufenden Amtsperiode 2018–2021 aus Ammann Ralph Ehrismann (FDP), Frau Vizeammann Daniela Weber (parteilos), Hans Rudolf Sägesser (FDP), Philipp Steffen (EVP) und dem neu gewählten Stefan Schmitter (parteilos) zusammen.

Die SVP konnte den Sitz des im Januar aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Vizeammanns und Gemeinderates Adrian Schmitter mit Kandidatin Marianne Kamber nicht verteidigen. Dies, obwohl kurz vor dem zweiten Wahlgang die SVP die beiden anderen Kandidaten torpediert hatte. Unter anderem wurde Stefan Schmitter vorgeworfen, dass er Ende des letzten Jahres aus der SVP ausgetreten und als Parteiloser angetreten ist. In einem internen Schreiben an Parteimitglieder und Sympathisanten der SVP Rothrist gab es Angriffe auf die fünfköpfige Schulpflege – der Stefan Schmitter (parteilos) und Martin Bossert (EDU) angehören.

«Für die SVP wie auch persönlich bedauere ich es, dass es nicht geklappt hat», sagte Marianne Kamber. Als Vorstandsmitglied der SVP versichert die Inhaberin eines Coiffeurgeschäfts in Rothrist, dass sich ihre Partei auch weiterhin für die Gemeinde engagieren werde. Den im Endspurt entbrannten Hickhack sieht Kamber nicht als solchen, sondern als Klarstellung.

«Was war, ist abgeschlossen – mein Blick ist nach vorne ausgerichtet», betont der parteilose Wahlsieger Stefan Schmitter. So sieht es auch EDU-Kandidat Martin Bossert, der den dritten Platz belegt. «Zwischen der SVP-Kandidatin und mir war es erneut ein Kopf-an-Kopf-Rennen», sagt der 47-jährige IT-Manager und Abteilungsleiter. Als Vorstandsmitglied der EDU Rothrist hofft Martin Bossert, dass künftige Wahlen wieder friedlich verlaufen. «Ungeachtet des Wahlkampfes haben die Rothrister erneut bestätigt, welchen der drei Kandidaten sie im Gemeinderat wollen.»