Bildungspolitik
SVP-Chef Gallati läuft bei Regierung auf: Ferienwoche für Lehrer wird nicht gestrichen

In der Spardebatte konterte SVP-Fraktionschef Jean-Pierre Gallati den Widerstand gegen Kürzungen bei der Bildung mit der Forderung, den Lehrern eine Ferienwoche über die Festtage zu streichen. Jetzt liegt die Motionsantwort des Regierungsrats vor.

Urs Moser
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SVP-Politiker Gallati wollte den Lehrern die Weihnachtsferien kürzen.

SVP-Politiker Gallati wollte den Lehrern die Weihnachtsferien kürzen.

AZ

Wenn sich die Lehrkräfte über einen angeblichen Bildungsabbau beklagen, dann sollte man auf die (auf Druck der Lehrerschaft eingeführte) zweite Weihnachtsferienwoche verzichten, findet SVP-Fraktionspräsident Jean-Pierre Gallati. Denn dadurch gingen jedem Kind während seiner Schulzeit 250 Lektionen Unterricht verloren.

Der Vorschlag ist keine blosse Provokation, Gallati fordert in einer Motion, den auf das Jahr 2005 mit der zweiten Weihnachtsferienwoche beschlossenen «Abbau von Schulstunden» wieder rückgängig zu machen.

Gar keine gute Idee, findet der Regierungsrat und beantragt Gallatis Vorstoss abzulehnen. Die Regierung erinnert an die Entstehungsgeschichte: Die zweite Weihnachtsferienwoche wurde mit der Einführung des Gesetzes über die Anstellung der Lehrpersonen beschlossen.

Lehrer-Demo am Dienstag vor dem Grossratsgebäude in Aarau.
22 Bilder
«Stopp der SPARschweinerei» – wütendes Ballon-Riesen-Sparschwein an der Demo in Aarau. vpod ist derSchweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste.
Ungefähr 4000 Lehrer demonstrierten: So auch Redner Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauischen Lehrerverbands.
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauischen Lehrerverbands.
Erwartet werden rund 4000 Demonstranten, es wird eng für die Lehrer.
Erwartet werden rund 4000 Demonstranten, also mehr als an der letzten Lehrerdemo vor zehn Jahren.
Erwartet werden rund 4000 Demonstranten, also mehr als an der letzten Lehrerdemo vor zehn Jahren.
Bildung, Bildung und nochmals Bildung.
Erwartet werden rund 4000 Demonstranten, also mehr als an der letzten Lehrerdemo vor zehn Jahren.
«Bildung statt Beton»
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
In Aarau versammelt - wird es die grösste Lehrerdemo im Aargau?
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
Ungefähr 4000 Lehrer demonstrierten: So auch Redner Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauischen Lehrerverbands.
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
Die Lehrer liessen sich was einfallen.jpg

Lehrer-Demo am Dienstag vor dem Grossratsgebäude in Aarau.

Anne-Käthi Kremer

Andere Kantone haben nicht mehr Schulwochen

Ursprünglich war vorgesehen, die Herbstferien auf drei Wochen zu verlängern, aber der Grosse Rat entschied sich, die Weihnachtsferien fix auf zwei Wochen festzulegen. Grund für die zusätzliche Ferienwoche war, dass die Unterrichtsverpflichtung der Aargauer Lehrer im interkantonalen Vergleich überdurchschnittlich hoch war.

Eine Reduktion der Lektionenverpflichtung sei aus finanziellen Gründen nicht in Frage gekommen, deshalb habe man eine Ausdehnung der «unterrichtsfreien Arbeitstage» beschlossen, so der Regierungsrat.

Gegen SVP-Grossrat Gallatis Begründung, den Schülern gehe damit wertvolle Unterrichtszeit verloren, führt der Regierungsrat ins Feld, dass andere Kantone auch nicht mehr Schulwochen haben als der Aargau. Wie der Aargau 39 Schulwochen haben Basel-Landschaft, Jura, Neuenburg, St. Gallen, Schaffhausen, Schwyz und Zürich. Mehr Schulwochen, nämlich 40, kennen nur Appenzell Ausserrhoden, Basel-Stadt und Thurgau. In zehn Kantonen ist das Schuljahr kürzer als im Aargau: Freiburg, Graubünden, Luzern, Obwalden, Solothurn, Uri, Waadt, Zug (38 Wochen), Wallis (37) und Tessin (36,5). In den übrigen Kantonen kann die Zahl der Schulwochen variieren.

Kein Unterricht ungleich Nicht-arbeiten

Der Regierungsrat nimmt die Lehrkräfte in Schutz: Kein Unterricht bedeute nicht, dass die Lehrpersonen nicht arbeiten. Die Tage nach Neujahr bis zum Ende der Woche seien ideale unterrichtsfreie Arbeitstage, in denen die Lehrpersonen zum Beispiel den Unterricht, Zwischenberichte oder Elterngespräche vorbereiten können. Die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte habe seit Einführung der zweiten Weihnachtsferienwoche nicht abgenommen. Die Unterrichtsverpflichtung zu erhöhen, würde sämtlichen Forschungsergebnissen widersprechen, die allesamt eine hohe Arbeitsbelastung von Lehrkräften ausweisen.

Es gibt noch ein anderes Argument, das gegen die Streichung der zweiten Weihnachtsferienwoche spricht: Der Regierungsrat geht davon aus, dass die Gesuche von Eltern um Beurlaubung ihrer Kinder sprunghaft steigen würden, weil viele Familien über die Feiertage verreisen: «Es müsste damit gerechnet werden, dass kaum eine Klasse komplett besetzt wäre.»