Als Franziska Roth am Mittwochnachmittag um 15 Uhr ihre Rücktrittsmitteilung verschickte, empfing SVP-Kantonalpräsident Thomas Burgherr eine Gruppe aus dem Aargau im Bundeshaus. Zufällig waren Leserinnen und Leser des "Zofinger Tagblatts" genau an jenem Tag nach Bern gereist, als die ehemalige SVP-Regierungsrätin ihre Demission bekannt gab.

Begleitet wurde die Gruppe von "Landanzeiger"-Chefredaktor Raphael Nadler - er beobachtete, wie Burgherr und sein Nationalratskollege Hansjörg Knecht zusammenstanden und diskutierten (siehe Foto oben).

Sprachen der Parteipräsident und der Ständeratskandidat im Bundeshaus über den Rücktritt von Franziska Roth und die Folgen für die SVP? Burgherr sagt am Donnerstagmorgen auf Anfrage, die Partei werde sich derzeit nicht zur Demission ihrer ehemaligen Regierungsrätin äussern. Dies habe die Parteileitung so beschlossen, zuerst müssten intern Gespräche geführt und Analysen angestellt werden.

Wer bekommt den Platz von Franziska Roth?

Wer bekommt den Platz von Franziska Roth?

Nach dem grossen Knall, dem gestrigen Rücktritt der Aargauer Regierungsrätin, ist das die grosse Frage: Wer will ihren Job?

Besucher stellten Fragen zu Roth-Rücktritt

Aus der Zofinger Besuchergruppe wurde laut AZ-Informationen die Frage an Burgherr gestellt, ob der Mittwoch, an dem Franziska Roth ihren Rücktritt bekannt gab, nun ein Freudentag für ihn sei. Der Parteipräsident antwortete, es sei kein Freudentag, Roth sei im Jahr 2016 von einer Findungskommission ausgewählt worden und die SVP habe ihr immer wieder Hilfe angeboten.

Auch am Parteitag der SVP Aargau am Freitag - der schon länger angesetzt ist und dazu dient, einen Kandidaten für einen freien Platz auf der Nationalratsliste zu nominieren - ist der Roth-Rücktritt offiziell kein Thema. "Ich werde bei der Begrüssung kurz etwas dazu sagen, unter Verschiedenes sind natürlich Wortmeldungen möglich, ein eigenes Traktandum dafür gibt es aber nicht", sagt Burgherr.

Wermuth attackiert die SVP

Derweil kritisiert SP-Nationalrat Cédric Wermuth, der wie Burgherr im Bezirk Zofingen wohnt und beim Empfang der Besuchergruppe am Mittwoch im Bundeshaus auch dabei war, die SVP und deren Umgang mit Roth auf Twitter scharf.

"Die eigene Regierungsrätin fertig gemacht, bis es nicht mehr geht. Schämt euch", schreibt er an die Adresse von Thomas Burgherr. Und legt gleich nach: "Jetzt ist es amtlich: Die aktuelle SVP Aargau ist die verantwortungsloseste Partei in der Geschichte des Kantons Aargau." Burgherr will sich auch zu dieser Kritik nicht äussern, wie er auf Anfrage sagt.

Die AZ weiss, dass Wermuth den SVP-Präsidenten auch beim Gespräch mit der Besuchergruppe aus Zofingen im Bundeshaus attackierte. Demnach sagte der SP-Nationalrat, die SVP habe ihre Chancen verspielt und solle bei der Ersatzwahl am 20. Oktober gar nicht mehr antreten. Burgherr liess Wermuths Angriff, den dieser auf Facebook wiederholt, in Bern unkommentiert.

Jauslin nimmt SVP in die Pflicht

Ganz anders sieht dies der freisinnige Nationalrat Matthias Jauslin, der auf Twitter schreibt, die SVP habe Roth im Regen stehen gelassen. Der frühere FDP-Aargau-Präsident nimmt in seinem Tweet die Volkspartei in die Pflicht. «Nun ist es an dieser Partei, Verantwortung zu übernehmen und eine wählbare Kandidatin zu präsentieren.» Jauslins Position ist pikant, weil die FDP 2016 offiziell Franziska Roth unterstützte und auf eine zweite Kandidatur neben dem bisherigen Stephan Attiger verzichtete. Zwar waren viele Freisinnige nicht von Roth überzeugt. Doch man müsse «diese Kröte schlucken», weil die SVP wegen ihres grossen Wähleranteils Anrecht auf einen zweiten Sitz habe. Später zählten die Freisinnigen zu jenen Parteien, die Roth scharf kritisierten.

Folgt die SVP der Aufforderung von Jauslin, müsste sie für die Nachfolge von Franziska Roth eine Frau nominieren. Infrage käme etwa Grossrätin Martina Bircher, die sich in den letzten Jahren national als Asyl- und Sozialpolitikerin strikt auf Parteilinie profiliert hat. Neben der Gemeinderätin aus Aarburg wird ein Mann, der im benachbarten Rothrist wohnt, als möglicher SVP-Kandidat gehandelt. Benjamin Giezendanner, der einen bekannten Nachnamen mitbringt und letztes Jahr als Grossratspräsident im Aargau sehr präsent war, hat sich jedoch schon selber aus dem Rennen genommen. Er möchte «mit 50 oder 55 Jahren Regierungsrat werden», sagte der 37-jährige Unternehmer im Januar in einem Interview mit dem «Zofinger Tagblatt».

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