Herr Glarner, Sie haben selber Flüchtlingslager besucht und die Umstände als «zum Teil menschenunwürdig» beschrieben. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie sehen, dass die Situation in der bosnischen Grenzregion noch immer sehr schlecht ist?

Tatsächlich haben mich die Zustände in diesen Lagern erschüttert – und die Gemeinde Oberwil-Lieli, zahlreiche Mitbewohner und auch meine Familie haben Geld gespendet, um diese Zustände zu verbessern. Es gilt, diesen Menschen zu helfen, gleichzeitig aber dürfen nicht weitere Migranten dazu ermuntert werden, Richtung Europa zu marschieren.

Wird Asyl-Hardliner zum Flüchtlingshelfer?

Wird Asyl-Hardliner zum Flüchtlingshelfer? (14. Juli 2016)

Andreas Glarner, der die Schweiz mit Stacheldraht abschotten will, besucht zwei Flüchtlingslager in Griechenland und zeigt eine ganz andere Seite.

Ist es Ihrer Meinung nach sinnvoll, vor Ort Hilfsgüter zu verteilen, wie dies «Help Now» tut? Wo sehen sie Probleme?

Falls tatsächlich Hunger und Not herrschen, ist es sinnvoll und auch menschliche Pflicht, zu helfen. Meines Wissens ist die Versorgungslage mit Essen in den Flüchtlingslagern nicht komfortabel, aber auch nicht bedrohlich. Es kann aber von Camp zu Camp Abweichungen geben.

Was für eine Lösung sehen Sie für Flüchtlinge, die in den Grenzregionen festsitzen?

Als Lösung sehe ich kurzfristig die Verbesserung der Wohnsituation, zum Beispiel den Ersatz von Zelten durch Wohnungen. Mittelfristig sollten die Menschen in ihr Heimatland zurückkehren, wenn sich die Zustände dort gebessert haben. Wir dürfen nicht vergessen, dass diese Leute gerade in Syrien auch dringend für den Wiederaufbau benötigt werden.