Sozialversicherungsanstalt
SVA-Chefin fällt zum zweiten Mal für Monate aus – Parlament wusste von nichts

Bergita Kayser, die Direktorin der öffentlich-rechtlichen Sozialversicherungsanstalt (SVA Aargau), ist seit zwei Monaten krankgeschrieben. Das Parlament wusste von nichts.

Urs Moser
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Bergita Kayser, Direktorin der Sozialversicherungsanstalt Aargau.

Bergita Kayser, Direktorin der Sozialversicherungsanstalt Aargau.

Annika Bütschi

Die SVA Aargau, die kantonale Sozialversicherungsanstalt, ist ein grosser Laden. Die selbstständige, öffentlich-rechtliche Anstalt beschäftigt über 400 Mitarbeiter und wickelt Sozialversicherungsleistungen in der Höhe von zwei Milliarden Franken für Zehntausende Bezüger ab.

Das tut sie nach einer längeren Absenz Anfang Jahr nun schon wieder seit zwei Monaten ohne ihre oberste Chefin.

Direktorin Bergita Kayser ist bereits seit Anfang Juli krankgeschrieben.

Über den Zeitpunkt ihrer Rückkehr lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt leider keine Aussage machen, sagt Elisabeth Meyerhans, die Präsidentin der Aufsichtskommission der SVA.

Was Bergita Kayser fehlt, darüber gibt es «aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes» keine Angaben.

Politiker waren ahnungslos

Die überaus zurückhaltende Informationspolitik irritiert trotz dieses Verweises auf den Persönlichkeitsschutz – insbesondere SVP-Grossrat Hans Dössegger.

Er präsidiert die Kommission Gesundheit und Sozialwesen, die sich für die Genehmigung des Jahresberichts der SVA durch den Grossen Rat ausdrücklich auch über die Situation bezüglich Absenzen und Fluktuationen im Kader informieren liess.

Dies, nachdem die az im Februar Folgendes publik gemacht hatte: Direktorin Kayser, die bis zum Amtsantritt des damals vorgestellten neuen Bereichsleiters Invalidenversicherung im Mai die IV-Stelle selbst führen sollte, war gar nicht auf dem Posten, sondern bis im März krankgeschrieben.

Und neben dem vorherigen Leiter der IV-Stelle, dessen Abgang bis zur Bekanntgabe seines Nachfolgers gar nie kommuniziert worden war, hatte die SVA im letzten Jahr drei weitere Abgänge im oberen Kader zu verzeichnen. Dazu kam: Nicht nur Kayser, auch der Bereichsleiter Ausgleichskasse war für längere Zeit krankheitshalber ausgefallen.

Man sei nun aber beruhigt und habe sich davon überzeugen lassen, dass die Situation im Griff sei, erklärte Dössegger am 20. August vor dem Parlament.

Eine Woche später halte sich seine Überzeugung in Grenzen, so Dössegger. Als er vor dem Parlament über den Geschäftsbericht der SVA referierte, hatten er und die übrigen Mitglieder der Kommission Gesundheit und Sozialwesen keine Ahnung, dass Direktorin Kayser schon wieder ausgefallen ist.

Und dies nicht seit gestern, sondern schon Wochen, bevor er den Ratskollegen versicherte, die Führung der Sozialversicherungsanstalt funktioniere reibungslos.

Er sei nicht gerade glücklich über die Informationspolitik, sagt Dössegger, und: «Nein, heute kann ich nicht mehr sagen, dass ich beruhigt bin über die Situation bei der SVA.»

Man werde das Thema nun erneut aufgreifen und Regierungsrätin Susanne Hochuli und Verwaltungskommissionspräsidentin Elisabeth Meyerhans auffordern, über die aktuelle Lage zu orientieren.

Bei einem zweiten Ausfall der Direktorin innert so kurzer Zeit müsse man genauer hinschauen, auf unbestimmte Zeit könne das ja nicht so gehen, meint Dössegger. «Wir haben hier eine Aufsichtsfunktion, und die wollen wir auch wahrnehmen.»

«Innert nützlicher Frist» zu klären

Wie schon Anfang Jahr sei die Führung der SVA auch jetzt jederzeit sichergestellt, versichert Elisabeth Meyerhans. Das operative Tagesgeschäft liege in der Verantwortung der Geschäftsleitung, die unter der Führung der stellvertretenden Direktorin Inge Hubacher steht.

Auch die Verwaltungskommission tage regelmässig und stelle sicher, dass die Funktionsfähigkeit der SVA «jederzeit gewährleistet» ist. So klingt es auch aus dem Departement Gesundheit und Soziales von Susanne Hochuli, wo man allerdings schon auch hellhörig geworden ist.

Man stehe mit der Verwaltungskommission bezüglich der personellen Situation an der operativen Führungsspitze in intensivem Kontakt, sagt Sprecher Balz Bruder.

Die einwandfreie Geschäftsführung sei gewährleistet, aber die aktuelle Situation müsse «innert nützlicher Frist» geklärt werden.

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