Suzukii-Fliegen

Suzukii-Fliegen bedrohen die diesjährige Traubenernte

Rebbaukommissär Peter Rey mit einer Falle. Erst unter der Lupe lässt sich die Zahl der Kirschessigfliegen erkennen.

Rebbaukommissär Peter Rey mit einer Falle. Erst unter der Lupe lässt sich die Zahl der Kirschessigfliegen erkennen.

Neu sind auch Trauben von der winzigen Kirschessigfliege befallen. Bis jetzt waren grösstenteils nur Kirschen und Zwetschgen Opfer der «Suzukii-Fliege» geworden. Rebbaukommissär im Aargau, Peter Rey, spricht von einer «massenhaften Ausbreitung».

Was der Regensommer nicht schaffte, könnte ein 2 bis 3 Millimeter kleiner Schädling in den nächsten Wochen bewirken: Die erwartete Grossernte des Wein-Jahrgangs 2014 in einen durchschnittlichen oder kleinen Ertrag verwandeln. Die aus Asien via Südeuropa eingeschleppte Kirschessigfliege hat beim Steinobst Schäden angerichtet wie nie zuvor.

Wegen der Rekordmenge an Kirschen und Zwetschgen blieben grosse Mengen überreife Früchte auf den Bäumen zurück. Die Drosophila suzukii «konnte sich massenhaft ausbreiten und befällt jetzt erstmals die Trauben». Das sagt der Aargauer Rebbaukommissär Peter Rey. Frühreife Rebsorten seien schon heimgesucht worden.

Abklärung mit Fallen

Die Fachstelle für Weinbau im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg hat selber in allen Weinbauregionen des Kantons Fallen aufgestellt, um den Suzukii-Befall zu klären. Auch alle Rebbauern werden in einem Brief aufgefordert, kleine Petflaschen aufzuhängen, mit Löchern in der Mitte und zwei bis drei Zentimeter hoch mit Essig, Alkohol und Seife gefüllt. Im Remiger Rebberg nimmt Rey ein solches Fläschchen und hält es gegen das Licht: «In nur zwei Tagen haben sich etliche Kleinfliegen angesammelt», stellt er fest.

Aber es hat auch viele einheimische Essigfliegen dabei, die einem auch im Haushalt um den Kopf schwirren. Sie bringen ihre Eier nur in faulenden Früchten unter. Das Weibchen der Kirschessigfliege hat einen Stachel und kann 300 bis 600 Eier in reifende Früchte ablegen. «Ich möchte keineswegs auf Panik machen», schreibt Rey an die Produzenten. Es sei jedoch nötig, diesen Schädling genau zu überwachen und die Erfahrungen gegenseitig auszutauschen.

Bewilligung für Spritzmittel

Das Rebjahr hat die Profis schon bisher auf die Probe gestellt. «Zuerst war es zu warm und zu trocken, seit Juli ist es viel zu nass, genau umgekehrt wie im Vorjahr», betont Peter Rey. Mit einem sauberen Pflanzenschutz habe man die Pilzkrankheiten echter und falscher Mehltau sowie Botrytis eindämmen können. Durch den Regensommer ist der Vorsprung von drei Wochen eingebüsst worden. Der Farbumschlag findet jetzt wie in einem Normaljahr statt.

In der Regel gilt der 20. August als letzter Tag für den Einsatz von Spritzmitteln. «Bei einem Befall durch die Kirschessigfliegen kann ich eine schriftliche Ausnahmebewilligung erteilen», erklärt der Rebbaukommissär. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat die Grundlagen dazu geschaffen und für alle Beeren, Kirschen, Pflaumen und Trauben die erlaubte Behandlung mit chemischen Mitteln festgelegt.

Gut wirksam sind die erwähnten Fallen, die jedoch einen grossen Einsatz erfordern: Im Abstand von zwei Metern müssen die Petflaschen rund um das Rebstück aufgehängt und regelmässig kontrolliert werden.

Hoffen auf schönen Herbst

Abgesehen von den Minifliegen lässt die Zwischenbilanz für das Weinjahr 2014 kaum Wünsche offen: Der Behang mit Trauben ist überdurchschnittlich, die grünen Laubwände repräsentieren gesunde Rebstöcke. «Für uns sind September und Oktober die wichtigsten Monate. Wenn der Herbst mitspielt, ist der Jahrgang gerettet», versichert Peter Rey. Die Weinbauern wollen ihre Fässer heuer füllen – und wünschen die Suzukii-Fliegen zum Kuckuck.

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