Die erste umfassende Studie zur Jugendkriminalität im Aargau zeigt: Cannabis wirkt bei Schülern noch stärker aggressionsfördernd als Rauschtrinken (wir berichteten).

Studienautor und Kriminologe Martin Killias hält fest, in vielen Fällen würden befragte Jugendliche, die gewalttätig werden, mehrere Suchtmittel miteinander konsumieren. Mit Blick auf die Prävention nennt Killias folgendes Rezept: «Erfolgversprechender als die Bekämpfung von Alkoholismus oder der Abhängigkeit von illegalen Substanzen je für sich erscheint ein Ansatz, der problematischen Konsum irgendwelcher Substanzen in den Vordergrund rückt.»

Hans Jürg Neuenschwander, Geschäftsführer der Suchthilfe Aargau, sagt dazu: «Wir richten uns nicht auf eine einzelne Substanz aus, sondern gehen Suchtverhalten ganzheitlich an.» Wichtig sei, dass Eltern, Schulen und Gemeinden den Umgang mit kiffenden Jugendlichen thematisieren und dazu eine Haltung entwickeln würden. Dazu gibt es Workshops der Suchthilfe, wichtige Inhalte seien dabei lösungsorientierte Kommunikation und Beziehungsarbeit.

Gesellschaft akzeptiert Cannabis

Er verweist zudem auf eine Studie aus Zürich, die zeigt: Je mehr präventive Massnahmen ein Kanton hat, um so weniger Jugendliche zeigen später ein risikoreiches Suchtverhalten. Neuenschwander betont: «Ein wirksamer Jugendschutz erfordert Früherkennung und Frühintervention, niederschwellige und wohnortnahe Beratungsangebote für Jugendliche, Eltern und Institutionen und die Durchsetzung von entsprechenden Jugendschutzmassnahmen.»

Der kantonale Suchtexperte stellt fest: «Die Akzeptanz der Gesellschaft gegenüber Cannabiskonsumierenden in der Öffentlichkeit hat sich erhöht.» Die Ressourcen bei Polizei und Justiz würden durch Sparmassnahmen immer knapper. Dies führe dazu, dass Cannabiskonsum unterschiedlich stark verfolgt werde.

«Weniger gekifft wird hingegen gemäss den uns bekannten Statistiken nicht», sagt Neuenschwander. Die Suchtberatung Aargau hatte von Anfang Jahr bis heute 340 Personen wegen Cannabiskonsum in Beratung oder Behandlung, davon sind 175 Jugendliche unter 18 Jahren.

Deutlich weniger junge Straftäter

Ein Blick in die Kriminalstatistiken der letzten fünf Jahre zeigt: Die Zahl der Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren, die bei Betäubungsmitteldelikten erwischt wurden, steigt tendenziell. 2010 waren es noch 343 Personen, im letzten Jahr bereits 373. Der höchste Stand mit 400 Jugendlichen, die gegen das Betäubungsmittelgesetz verstiessen, wurde im Jahr 2012 verzeichnet.

Wie hat sich die Jugendkriminalität im Aargau im selben Zeitraum entwickelt? Immerhin wurde im Dezember 2009 ein Massnahmenplan «gegen Jugenddelinquenz und Gewalt im öffentlichen Raum» verabschiedet. Der zuständige Regierungsrat Urs Hofmann kündigte damals eine verstärkte Kontrolltätigkeit an neuralgischen Treffpunkten sowie den Einsatz von Jugendpatrouillen an. Dies hat offensichtlich gewirkt: Die Zahl der ermittelten Straftäter im Alter zwischen 10 und 17 Jahren hat sich seit 2010 von 976 auf 614 Personen reduziert.