Betreuungskosten

Suche nach Lösungen gegen den Tarifwirrwarr in Pflegeheimen

Heimkehr aus dem Zentrum Wannental ins umgebaute Altersheim Eigenamt nach Lupfig.

Heimkehr aus dem Zentrum Wannental ins umgebaute Altersheim Eigenamt nach Lupfig.

Beim Betreuungsaufwand für die Bewohner von Pflegeheimen gibt es riesige Unterschiede. Sie reichen in einem Aarauer Heim von 28 bis zu 166 Franken pro Tag. Jetzt hat der Spital- und Heimverband dem Kanton ein Grundlagenpapier zur Lösung des Problems

Das neue Pflegeheimregister mit den 92 anerkannten Alters- und Pflegeheimen offenbart enorme Preisunterschiede (Ausgabe vom Mittwoch). Mit der seit 2011 neu geregelten Pflegefinanzierung sind die Kosten aufzuschlüsseln in Pflege (von Krankenkassen und Gemeinden mitfinanziert), Pension und Betreuung (von den Bewohnern vollständig selber zu bezahlen). Dass die Preise für die Hotellerie regional und je nach Zimmerstandard stark variieren können, ist nachvollziehbar. Erstaunlicher sind die scheinbar massiven Unterschiede von Heim zu Heim beim Betreuungsaufwand für die Bewohner:

In der Senevita-Residenz Gais in Aarau müssen die Bewohner für Betreuungsleistungen zwischen bescheidenen 28 und stolzen 166 Franken pro Tag bezahlen.

Im Alterszentrum Mittleres Wynental in Oberkulm ist es deutlich günstiger und auch die Preisspanne ist viel kleiner: 18 bis 40 Franken.

Im Alterszentrum Bärenmatt in Bremgarten gibt es für alle Bewohner nur einen Tarif: 40 Franken.

Im Wohn- und Pflegezentrum Stadelbach in Möhlin wiederum schwanken die verrechneten Betreuungsleistungen zwischen gar nichts und 60 Franken.

Schwierige Aufschlüsselung

Gar nichts oder weit über 100 Franken: Legt das Pflegeheimregister offen, dass die Senioren in manchen Heimen wie Paschas umsorgt und in anderen unbetreut ihrem Schicksal überlassen werden? Natürlich nicht. Aber es ist nicht so einfach, die nach Pflege, Betreuung und Hotellerie aufzuschlüsselnden Leistungen exakt voneinander abzugrenzen und zu berechnen. Der Gesetzgeber überlässt es den Heimen, wie sie das anstellen.

Wirrwarr fördert Verdacht

Das führt zur unbefriedigenden Situation mit einem schwer durchschaubaren Tarifwald und sorgt für Unmut. Mittlerweile habe sich die Situation zwar beruhigt, sagt Verena Enzler, Aargauer Ombudsfrau für Heim-, Spitex- und Altersfragen. Letztes Jahr seien aber oft Klagen von Heimbewohnern und Angehörigen gekommen. Sie hatten das Gefühl, andere Heimbewohner quersubventionieren und für etwas bezahlen zu müssen, das sie gar nicht beanspruchen. Diese Klagen seien zwar nicht berechtigt, aber es wäre wünschenswert, über einheitlichere Richtlinien zu verfügen.

Das Problem ist erkannt, der Kanton hat den Spital- und Heimverband Vaka angehalten, einen Lösungsvorschlag auszuarbeiten. Den hätte man eigentlich schon letztes Jahr erwartet, aber diese Woche unterbreitete man dem Departement Gesundheit und Soziales nun ein «Grundlagenpapier», gibt Vaka-Geschäftsführer Beat Huwiler bekannt.

180 Grad verschiedene Modelle

Bis man sich einig wird, dürfte aber noch einige Zeit verstreichen. Heute arbeiten manche Heime mit einem an die Pflegestufen gemäss KVG-Verordnung angelehnten System. Dabei gebe es aber sowohl progressive wie degressive Tarife, so Huwiler. Das heisst: Ein Heim geht davon aus, dass mit dem Pflegebedarf immer auch der Aufwand für die nicht nach KVG abrechenbare Unterstützung steigt. Ein anderes sieht es genau umgekehrt, weil ein vollständig pflegeabhängiger Bewohner ja Angebote wie zum Beispiel die Gymnastikstunde gar nicht nutzen kann. Man lehnt sich mit der Behauptung nicht weit aus dem Fenster: Es können kaum beide Ansätze zu einer Tarifstruktur führen, die tatsächlich die Kostenwahrheit abbildet.

Konflikte scheinen also programmiert. Beim Kanton sei man der Meinung, dass es durchaus möglich sein sollte, Menge, Preis und Inhalt der Betreuungsleistungen klar zu definieren, hatte Urs Niffeler vom Departement Gesundheit und Soziales in der az vom Mittwoch erklärt. Ob nun progressiv oder degressiv, das würde für ein mehrstufiges Modell sprechen. Bei der Vaka tendiert man nun aber zu einem Pauschalsystem: Da die Angebote nicht überall identisch sind, würde es weiter von Heim zu Heim unterschiedliche, aber nur noch eine Betreuungstaxe in jedem Heim geben. So wisse der Bewohner, woran er ist. Und die Heime könnten besser kalkulieren, sagt Beat Huwiler. Eine Analyse habe nämlich ergeben, dass der Betreuungsaufwand über alle Bewohner bzw. Pflegestufen unter dem Strich derselbe bleibt. Bei jemandem, der zum Beispiel gar nicht an einer Aktivierungstherapie teilnehmen und selbstständige Entscheidungen treffen kann, brauche es dafür mehr Beratung und Gespräche mit den Angehörigen.

Meistgesehen

Artboard 1