Sturm am Turnfest
Sturm: Aargauer Damenriege will ein Panache trinken – Zelt fliegt davon

Dramatische Szenen am Eidgenössischen Turnfest in Ipsach bei Biel - mittendrin die Damenriege Hendschiken: Als das grosse Festzelt wegfliegt, bangen die Turnerinnen um ihr Leben.

Robert Benz
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Der Sturm am Turnfest zerstörte auch einen Hotdog-Stand.

Der Sturm am Turnfest zerstörte auch einen Hotdog-Stand.

Ernst Baumann

Schönstes Wetter den ganzen Turnfest-Tag und dann das: Leichter Regen setzt ein, die Damenriege Hendschiken flüchtet vor dem Regen ins grosse Festzelt - ein Fehler, denn wenig später bricht orkanartiger Wind aus und reisst das Festzelt mit.

Festbänke und Tische fliegen durch die Luft und treffen eine Hendschiker Turnerin. Die anderen müssen sich erst selbst aus den Trümmern befreien, bevor sie der verletzten Kollegin helfen können.

«Erst hat es das Zelt an einer Ecke gelupft, dann wurde es mitgerissen. Eine Kollegin hat mich auf den Boden gedrückt. So seien wir am sichersten, sagte sie», so die technische Wettkampfleiterin Rahel Zobrist. «Wir hatten so gut geturnt, da wollten wir uns im Festzelt ein Panache gönnen», erzählt Zobrist.

Eine andere Kollegin wollte kurz vor den heftigsten Böen weggehen, die Turnerinnen hielten sie aber zurück. Trotzdem wurde sie von den Trümmerteilen getroffen. «Ich habe sie schreien gehört, am Bein hatte sie eine grosse Fleischwunde. Wir haben sie auf einen Tisch gelegt, der noch ganz war und haben sie betreut, so gut es ging.»

Kein Durchkommen

Zum Notruf kommen die Hendschikerinnen nicht durch, das Netz ist kurzzeitig überlastet oder zusammengebrochen. «Nebenan hielten ein paar Männer ein anderes Zelt fest, so dass es nicht wegfliegen konnte. Wir brachten unsere Kollegin dahin, auch andere Verletzte waren da», berichtet Zobrist.

Die Turner helfen sich sofort gegenseitig. Einige haben noch Schlafsäcke, um die Verletzten zu wärmen, andere sind selbst Ärzte und können die erste Versorgung übernehmen.

«Unsere Kollegin war immer ansprechbar. Trotzdem war es schlimm auf die Notärzte zu warten, es hiess immer sie kommen bald. In dieser Zeit konnten wir gar nichts tun», so Zobrist. Als die Ambulanzen eintreffen, versehen die Helfer mit orangen Zetteln, um zu bestimmen, wer zuerst ins Spital gebracht wird.

Als die Hendschikerin an der Reihe war, war das Spital in Biel bereits voll belegt. Die Hendschikerin wirde schliesslich nach Solothurn gebracht. «Das war so gegen 20.50 Uhr», erinnert sich Zobrist.

Noch in der Nacht wird die verletzte Turnerin wieder aus dem Spital entlassen. Sie erlitt eine Gehirnerschütterung, ihre Wunde am Bein wurde ebenfalls versorgt. «Es geht ihr den Umständen entsprechen gut. Wir alle haben sehr viel Glück gehabt, dass nicht mehr passiert ist», resümiert Zobrist.

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