Wahlen Aargau 2017
Studie zeigt: So können Junge für ein Gemeinderatsamt gewonnen werden

Die Hochschule Chur untersucht, wie man Junge für ein Gemeinderatsamt gewinnt.

Mathias Küng
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Wie bringt man mehr Junge in den Gemeinderat?

Wie bringt man mehr Junge in den Gemeinderat?

Keystone

In den Schweizer Gemeinderäten sitzen kaum unter 35-Jährige, und auch die 35- bis 45-Jährigen sind untervertreten. Dies zeigt eine Untersuchung von 2011 (siehe Grafik rechts). Forscherinnen und Forscher der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur wollen jetzt wissen, wie die Situation aktuell ist. Laut Curdin Derungs, stellvertretender Leiter des Zentrums für Verwaltungsmanagement an der HTW Chur, geht man mangels aktuellerer Daten und aufgrund eigener Erfahrungen nach wie vor von einem geringen Anteil an jungen Erwachsenen in den Gemeindeexekutiven aus. Derungs: «Zudem verringert sich dieser Anteil mit zunehmender Gemeindegrösse. Dies hat mit dem Übergang von reinen Miliz- zu (Teil-)Profiexekutiven zu tun, wenn Gemeinden grösser werden.»

    

   

Eine Vorstudie in Graubünden zeige, dass junge Erwachsene systematisch seltener für solche Ämter angefragt werden. Die Vermutung liege nahe, dass Parteien entweder nur schlecht Zugang zu jungen Erwachsenen finden oder aber diesen solche Ämter nicht zugetraut werden. Tatsächlich interessieren sich viele Junge in dieser Lebensphase für anderes, etwa für Reisen, die Gründung einer Familie, den Aufbau einer Karriere. Das bestätige die Vorstudie stark, sagt Derungs.

Wie kann man Jüngere motivieren? Derungs schlägt vor, digitale Arbeits- und Kommunikationsformen aufzunehmen. «Etwa indem nicht alle physisch an der Gemeinderatssitzung dabei sein müssen, sondern einer oder zwei via Videoschaltung dabei sind.» Kommt dazu, dass Junge weniger durch ideologische Debatten als über konkrete Anliegen aktiv werden: «Zum Beispiel für einen Spielplatz, eine Strasse oder ein tieferes Tempolimit im Quartier.» Wenn man junge Leute für Kommunalpolitik gewinnen wolle, müsse man sie ansprechen. Derungs: «Darauf zu warten, dass sich jemand selbst meldet – vergessen Sie es!» Sehr wichtig sei auch, ob der Arbeitgeber mitmache: «Wenn er akzeptiert, dass jemand einmal pro Woche wegen der Gemeinderatssitzung um 16 Uhr gehen muss, oder auch mal untertags einige Stunden fehlt und später nacharbeitet, geht es. Wenn der Arbeitgeber nicht mitmacht, wird es sehr schwierig, überhaupt zu kandidieren.» Mehr kann Derungs zur Studie «Promo 35» der HTW Chur noch nicht sagen. Die Daten müssen erst ausgewertet werden. Die Ergebnisse liegen 2018 vor.

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