Konjunkturforschung

Studie bestätigt: Aargau hinkt anderen Kantonen wirtschaftlich hinterher

Trotz gutem Standort klaffen Millionenlöcher in der Aargauer Staatskasse. (Symbolbild)

Trotz gutem Standort klaffen Millionenlöcher in der Aargauer Staatskasse. (Symbolbild)

Ginge es nach den Standort-Rankings, dürften in der Aargauer Staatskasse keine Millionenlöcher klaffen. Der Kanton zählt zu den attraktivsten Wirtschaftsstandorten, doch das schlägt sich nicht in den Steuereinnahmen nieder.

Ein Rückgang ist sowohl bei natürlichen als auch bei juristischen Personen zu verzeichnen. Stimmen die Prognosen, werden die Unternehmen dem Kanton 2018 sechs Prozent weniger Steuerertrag einbringen.

Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann sprach an der Medienkonferenz von «unterdurchschnittlichem Wirtschaftswachstum» und einer «enttäuschenden Entwicklung der Steuererträge». Die Gründe dafür liess der Regierungsrat durch das Konjunkturforschungsinstitut BAK Basel ermitteln. Die Ergebnisse des Kurzgutachtens zeichnen zumindest in Bezug auf die aktuelle Situation ein eher düsteres Bild.

Wenig Firmen, wenig Gewinn

Zwar wächst die Aargauer Bevölkerung überdurchschnittlich stark, doch die Entwicklung der Einkommen hält damit nicht Schritt. Die Löhne pro Kopf erreichen nur die Hälfte des Schweizer Durchschnitts. Der Aargau ist zwar als Wohnkanton beliebt, kann davon aber weniger profitieren als erwartet. Die Konjunkturforscher schreiben in ihrem Gutachten: «Der Kanton Aargau ist trotz der bereits ergriffenen spürbaren Entlastung noch immer zu wenig attraktiv für Beschäftigte aus oberen Einkommensklassen.» Und auch in Bezug auf das Vermögen pro Kopf liegt der Kanton zurück.

Dazu kommt die niedrige Dichte an Unternehmen, von denen im Vergleich mit anderen Kantonen weniger einen Gewinn erwirtschaften. Und auch die Zahl jener Firmen, die über eine Million Franken Reingewinn erzielen, ist deutlich tiefer als im landesweiten Durchschnitt. «Es fehlt vor allem an grossen, gewinnintensiven Unternehmen», heisst es in der Studie. Alles Faktoren, die sich negativ auf die Steuereinnahmen auswirken.

Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann betonte an der Medienkonferenz, die schlechte Finanzlage schränke den Handlungsspielraum in Bezug auf die Steuern ein. Andere Kantone wie Luzern seien bei der Senkung aggressiv vorgegangen. «Solche Experimente sind schwierig zu realisieren.» Es gehe vielmehr darum, im Steuerwettbewerb einigermassen konkurrenzfähig zu bleiben.

«Trumpfkarte» für den Aargau

Die Ergebnisse der Studie geben aber auch Anlass für Optimismus: «Ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial», sagen die Konjunkturforscher dem Aargau vorher. Die starke Industrie, die in den letzten Jahren mit den Auswirkungen des starken Frankens zu kämpfen hatte, werde künftig zur «Trumpfkarte» für den Wirtschaftsstandort. Denn die Industrie 4.0 – also die Digitalisierung der Produktion – führe zu hohem Investitionsbedarf und Produktivitätsgewinnen. Das Programm «Hightech Aargau», das Unternehmen und deren Innovationsstreben fördern soll, erhält ein gutes Zeugnis. Die Anstrengungen des Kantons zielten in die richtige Richtung, heisst es im Gutachten.

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