Strom und Wärme aus 100 Prozent erneuerbaren Energien decken

Strom nur noch aus Sonne, Wind und Wasser. Solaranlage bei Ferro-Wohlen.

Strom nur noch aus Sonne, Wind und Wasser. Solaranlage bei Ferro-Wohlen.

Eine Volksinitiative von SP, Grünen, GLP und Umweltverbänden will im Aargau nur noch erneuerbare Energien: Beim Strom bis im Jahr 2035, für Heizungen und Warmwasser in den Häusern bis im Jahr 2050. Das soll ins Energiegesetz geschrieben werden.

Bei der Energiewende soll der Aargau die Nase vorne haben und vom Atomkanton zum Umweltpionier werden. Das ist das erklärte Ziel der Linksparteien SP, Grüne und GLP sowie der Umweltverbände WWF, VCS, NWA und SSES. Sie sammeln ab sofort Unterschriften für eine Volksinitiative mit dem Titel «Aargau effizient und erneuerbar». Ihre Ziele sind zwar weit entfernt, aber sehr hoch gesteckt: Der Stromverbrauch darf 2035 das Niveau von 2011 nicht überschreiten und muss dann zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Heizung und Warmwasser in den Gebäuden müssen ab 2050 zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Ausnahmen sind nur dort zulässig, wo der Stand der Technik die Erfüllung nicht ermöglicht. Mit diesen Vorgaben soll das Aargauer Energiegesetz geändert und verschärft werden.

Breite Allianz für Initiative

Eine fast identisch zusammen gesetzte Polit- und Umweltallianz hat vor genau zwei Jahren für ein fortschrittliches Aargauer Energiegesetz gekämpft – vergeblich. Jetzt will man den Schwung der Energiewende nicht nur ausnützen. «Wir können nicht bis 2015 auf den Bund warten, der Aargau muss rascher zum Energievorbild werden», sagt Regula Bachmann (CVP, Magden), Präsidentin des WWF Aargau. Der Aargau soll seinen Ruf als Energiekanton grün einfärben. «Technisch und wirtschaftlich ist das schon möglich, jetzt braucht es den politischen Willen dazu, mit guten Anreizen und gesetzlichen Vorgaben», fordert Bachmann. Den Stromverbrauch beschränken und ab 2035 nur noch mit Wind, Wasser, Geothermie und Solar erzeugen, sei machbar und zwar ohne Gaskraftwerke, so der Grüne Grossrat Hansjörg Wittwer (Aarau). Grossrätin Astrid Andermatt (SP, Lengnau) wies darauf hin, der Aargau könnte schon heute zwei Drittel des Strombedarfs aus seinen Wasserkraftwerken decken. Für die Geothermie wünscht sie kürzere Verfahren.

Politik soll klare Ziele setzen

Wenn man die Reise nicht kenne, sei es schwierig, sich auf den richtigen Weg zu begeben, meinte GLP-Nationalrat Beat Flach (Auenstein) bei der Präsentation der Initiative im Hotel Aarauerhof in Aarau. «Der breite Wille zur Energiewende braucht klare Ziele», ist Flach überzeugt. Denn die Wirtschaft, das Gewerbe und die Hausbesitzer müssten die Voraussetzungen kennen, um für die Zukunft planen zu können. Mit der Initiative entstehe die nötige Sicherheit für Investoren.

Für die Initianten bringt die Volksinitiative wirtschaftlich keine Nachteile, trotz zweifellos hoher Kosten. Sie sind aber überzeugt, dass viel Arbeit, Wertschöpfung und damit neue Steuern generiert werden. Mit Solaranlagen auf den Bauernhöfen könne man 75000 Wohnungen beliefern, mit Energie aus Holz 175000 Wohnungen heizen, erklärt Geschäftsführer Theo Kern von Pro Holz Aargau. Der VCS unterstützt die Initiative, «denn wir sind auch ein Umweltverband», sagt Geschäftsführer Micha Siegrist. «Zur Sonnenergie gehören Holz und Pflanzen», erklärt Paul Müri von der Schweizerischen Energiestiftung. Und für die Geschäftsführerin von Nie-Wieder-Atom (NWA) «gibt es keinen ernsthaften Grund, dagegen zu sein».

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