Wettermässig war das Jahr 2012 wirklich nicht berauschend, aber schlechtes Wetter ist gutes Wetter für die Nutzung der Wasserkraft im Aargau. Jetzt liegt der Beweis auf dem Tisch, mit eindrücklichen Zahlen: Erstmals haben die 26 Kraftwerke plus Dotierturbinen an den vier grossen Flüssen 5948 Gigawattstunden (Millionen Kilowattstunden) Strom produziert. Damit übertraf die erzeugte elektrische Energie das langjährige Mittel um 18,7 Prozent.

Im Normaljahr reicht der Strom für eine Million Haushalte, im letzten Jahr konnten 200 000 Haushalte zusätzlich mit der grünen Energie versorgt werden. Noch viel krasser fällt der Vergleich mit dem viel zu trockenen Vorjahr 2011 aus, als Aare und Rhein nur 69 und 77 Prozent der üblichen Wassermengen mit sich führten. Damals sind 900 Gigawattstunden weniger Strom aus den Strömen geerntet worden, 2012 waren es 900 GWh zusätzlich.

Rund 10 Prozent mehr Wasser

«Die Wasserführung an Aare und Rhein lag um rund 10 Prozent über dem langjährigen Mittel, bei Limmat und Reuss waren es sogar 17 und 13 Prozent», sagt Patrick Rötheli, Leiter der Sektion Gewässernutzung im Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Ähnlich hoch war in aller Regel die Stromproduktion zwischen 110 und 115 Prozent, allerdings mit vielen Ausnahmen.

Zu den Sonderfällen im positiven Bereich gehört das Kraftwerk Rheinfelden mit 236 Prozent. «Das Kanalkraftwerk ist komplett neu als Flusskraftwerk gebaut worden, mit 1500 Kubikmetern wird jetzt massiv mehr Wasser genutzt, plus 30 Kubikmeter in der Dotierturbine», begründet Rötheli die Zunahme. Die gleiche Ursache nennt der Fachmann für das Limmat-Kraftwerk Kappelerhof.

In Zukunft nur Optimierungen

Quantensprünge mit einer dreifachen Energiemenge wie in Rheinfelden wird es künftig nicht mehr geben. Viele Flusskraftwerke sind schon erneuert worden, bei den weiteren Ausbauten sind nur Optimierungen möglich. Bei dem im Juli abgestellten Kraftwerk Rüchlig in Aarau rechnet Patrick Rötheli mit rund 15 Prozent mehr Strom, wenn der Neubau 2015 den Betrieb aufnimmt. Beznau und Klingnau, die beiden untersten Kraftwerke an der Aare, stehen ebenfalls vor grossen Erneuerungen – aber auch hier wird sich die zusätzliche Energie-Ausbeute in Grenzen halten.

Absolut am meisten Strom machen die grossen Rhein-Kraftwerke, allen voran Ryburg-Schwörstadt mit 781 GWh, Laufenburg mit 728 GWh, Albbruck-Dogern mit 695 GWh und Rheinfelden mit 646 GWh. Die Unterschiede entstehen durch die Fallhöhen des Wassers. Am Grenzfluss Rhein beträgt der Aargauer Anteil in der Regel 50 Prozent. An Aare, Limmat und Reuss 100 Prozent, nahe an den Kantonsgrenzen partizipieren die Nachbarkantone.

So oder so bleibt die Wasserkraft mit 60 Prozent Anteil das Fundament der Schweizer Stromproduktion. Die 26 Flusskraftwerke im Aargau liefern einen wichtigen Beitrag zur Versorgung. Der Energiekanton stützt seinen Ruf nicht allein auf die Atomkraftwerke Beznau und Leibstadt.

Kaum Nachteile durch das Klima

Schmelzende Gletscher könnten der Wasserkraft dereinst zusetzen, befürchtet die Axpo für die Speicher-Kraftwerke im Alpenraum. «Im Mittelland gehen wir nicht von einem Rückgang der Pegel in den Flüssen aus», betont Rötheli. Die Prognosen rechneten eher mit etwas mehr Wasser im Winter und tieferen Pegeln im Sommer, präzisiert er. Ein positives Szenario für die Kraftwerke, denn die Schweiz importiert vor allem in der kalten Jahreszeit viel Strom.