Die Strombranche macht seit Jahren eine enorme Berg-und- Tal-Fahrt durch. Zwischenzeitlich ist der Strom-Grosshandelspreis an der Börse in Leipzig vorab aufgrund eines Überangebots, billigen Kohlestroms sowie enormer Subventionen in Deutschland ins Bodenlose gefallen. Selbst Wasserkraftwerke – die ihren Eignern zuvor jahrzehntelang solide Gewinne garantiert hatten – rutschten in die roten Zahlen. Energieunternehmen verloren massiv an Wert. Anderseits profitierten die Konsumentinnen und Konsumenten vom tieferen Strompreis.

Der Preis pro Kilowattstunde für die reine Energielieferung sank bei einem durchschnittlichen AEW-Kundenhaushalt zwischen 2013 und 2017 um fast drei Rappen. Weil gleichzeitig die Netznutzungskosten und staatlichen Abgaben stiegen, spürten die Konsumentinnen und Konsumenten im Portemonnaie allerdings nur eine leichte Entlastung.

Anstieg durchschnittlich um 6,5 Prozent

Seit 2018 müssen die Kundinnen und Kunden der AEW Energie AG (und auch bei den meisten anderen Lieferanten) wieder tiefer in die Tasche langen. 2018, 2019 und jetzt auch per 2020 steigt der Preis. Per 2020 hebt ihn die AEW Energie AG laut CEO Hubert Zimmermann um durchschnittlich 6,5 Prozent an. Dies sagten er und Marc Ritter, Leiter des Geschäftsbereichs Energie, gestern in Aarau an einer Medienorientierung. Hauptgrund sind der seit 2016 wieder kräftig angestiegene Grosshandelspreis und ein Sondereffekt aus der Nachkalkulation.

Statt knapp 3 Rappen kostet die Energie an der Strombörse in Leipzig heute rund 6 Rappen pro Kilowattstunde. Ein Grund für den dortigen Anstieg sind laut Ritter die heute deutlich höher gehandelten CO2-Zertifikate, was den Kohlestrom verteuert. Dieser setzt auch das Preissignal für den Schweizer Strommarkt.

Für einen 5-Zimmer-Haushalt mit Elektroherd und Tumbler und einem Verbrauch von rund 4500 kWh/Jahr bedeutet dies konkret einen Preisanstieg um 60 auf neu 971 Franken jährlich bzw. um 5 Franken pro Monat. Bei einem 5-Zimmer-Einfamilienhaus mit Elektroherd, Elektroboiler, Tumbler und Wärmepumpe sowie einem Verbrauch von 13 000 kWh/Jahr macht es allerdings deutlich mehr aus: Da steigen die Stromkosten um 173 auf 2452 Franken pro Jahr oder um 14.40 Franken monatlich.

Marc Ritter: Spitze ist vorläufig erreicht

Geht es jetzt jedes Jahr so weiter? Marc Ritter verneint. Er erwartet in den nächsten Jahren eine Preisstabilisierung und im Jahr 2021 sogar leicht sinkende Kosten.

Für die Energiefirmen bedeutet der steigende Preis allerdings auch eine Entlastung. Ältere Wasserkraftwerke «sind wieder im Geld», bestätigt CEO Zimmermann. Bei erneuerten oder neuen Kraftwerken wie etwa beim Wasserkraftwerk Klingnau sei dieser Punkt allerdings noch nicht erreicht.

Eine gute Nachricht sind die steigenden Preise für Leute, die zum Beispiel mit einer Photovoltaikanlage selbst Strom produzieren und überschüssigen Strom ins Netz einspeisen. Das Entgelt dafür ist in den letzten Jahren gesunken, per 2019 und per 2020 geht es wieder hinauf. Pro eingespeiste kWh gibt es künftig bei der AEW AG tagsüber 7,20 Rappen (Hochtarif), nachts 5,60 Rappen, also je rund einen Rappen mehr als bisher.