Es sind kleinste Partikel mit grossen Auswirkungen: Mikroverunreinigungen im Wasser, die aus Medikamenten, Reinigungsmitteln, Kosmetika, Pflanzenschutzmitteln und industriellen Erzeugnissen stammen. Um diese aus dem Abwasser zu holen, wurde bei der Kläranlage Reinach im oberen Wynental im letzten Herbst eine zusätzliche Reinigungsstufe eingebaut.

Diese versetzt das Abwasser mit Ozon und sorgt so dafür, dass die Mikroverunreinigungen entfernt werden. Reinach ist aber nicht die einzige Kläranlage im Aargau, die aufgerüstet werden muss. «Handlungsbedarf gibt es bei sechs weiteren Anlagen, nämlich Aarau, Baden, Brugg-Windisch, Lenzburg, Muri und Oberes Surbtal-Ehrendingen», sagt Reto Bannier, Fachspezialist Abwasserreinigung beim Kanton. Die ursprünglich ebenfalls vorgesehene Anlage in Bad Zurzach brauche nach neuen Erkenntnissen keine zusätzliche Reinigungsstufe.

In der Mitteilung des Kantons ist die Rede von 19 betroffenen Kläranlagen. Es muss aber nicht jede Anlage nachgerüstet werden. Anstelle eines Ausbaus können Massnahmen gegen Mikroverunreinigungen auch über Verbindungsleitungen in eine entsprechend ausgestattete Kläranlage erfolgen, oder das Abwasser kann in ein grosses, weniger sensibles Gewässer eingeleitet werden. Tatsächlich können rund zwei Drittel der Kläranlagen im Aargau das Problem mit den Mikroverunreinigungen durch einen Anschluss an eine grössere Anlage lösen. Die Investitionen für die Reinigungsstufe gegen Mikroverunreinigungen werden vom Bund zu 75 Prozent mitfinanziert. Ein entsprechender Fonds wird über eine Abwasserabgabe von 9 Franken pro Person und Jahr gespeist.

Widerstand von einer Anlage

In der Vernehmlassung des Kantons haben sich zehn der betroffenen Anlagebetreiber positiv zur Planung geäussert. «Drei Anlagen machen die Zustimmung von der Mitfinanzierung durch den Bund abhängig, eine Anlage ist mit den Massnahmen nicht einverstanden», heisst es in der Mitteilung. Reto Bannier gibt nicht bekannt, welcher Abwasserverband sich gegen die Aufrüstung wehrt. Er sagt aber, der Betreiber sträube sich nicht gegen die zusätzliche Reinigungsstufe, sondern stelle infrage, ob die Kriterien für den Einbau bis 2035 erfüllt seien.

Im konkreten Fall geht es um die Einwohnerzahl des Einzugsgebiets. Liegt diese über 80 000, schreibt der Bund vor, dass Mikroverunreinigungen aus dem Abwasser entfernt werden müssen. Wird diese Zahl bis 2035 überschritten, würde der kritische Anlagebetreiber die Verpflichtung akzeptieren und Bundesgeld erhalten, führt Bannier aus. Je nach Bevölkerungsprognose, mit der man rechne, werde dies eintreffen oder nicht. Bannier erklärt weiter: «Wir informieren den Anlagebetreiber schon heute vorsorglich, damit rechtzeitig Vorbereitungen getroffen werden können.»