Sommerserie Schulreform

Strenger Start mit Mut zur Lücke

Die beiden angehenden Sechstklässler Cesco Chiew und Lemuel Odermatt helfen ihrer Lehrerin Eliane Estrada beim Einrichten des neuen Schulzimmers.Chris Iseli

Die beiden angehenden Sechstklässler Cesco Chiew und Lemuel Odermatt helfen ihrer Lehrerin Eliane Estrada beim Einrichten des neuen Schulzimmers.Chris Iseli

Am 11. August nimmt eine neue Gruppe von Lehrpersonen ihre Arbeit auf: die Sechstklasslehrer. Eliane Estrada aus Berikon gehört zu dieser Gruppe. Sie erzählt, wie sie sich auf die neue Aufgabe vorbereitet und warum sie sich darauf freut.

Dienstagmorgen, Primarschulhaus Linde Berikon. Obwohl die Kinder noch Ferien haben, ist das Schulhaus belebt. Handwerker gehen ein und aus, Lehrpersonen bereiten das neue Schuljahr vor; sogar einzelne Schüler sind anzutreffen. 

Im Untergeschoss richtet Eliane Estrada ihr neues Schulzimmer ein. Vor den Ferien war das noch die Schulküche; ab nächster Woche unterrichtet die erfahrene Lehrerin hier ihre 18 Sechstklässler.

Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun. Am Nachmittag werden die neuen Schulbänke geliefert; die Bauabnahme steht heute ebenfalls auf dem Programm, dann erst kann fertig eingeräumt werden.

Umbau und Züglete waren notwendig, damit die drei neuen 6. Klassen im Schulhaus Linde Platz haben.

Mit interaktiver Wandtafel

«Nein», sagt Eliane Estrada und lacht, Ferien habe sie diesen Sommer keine gemacht; das wäre nicht dringelegen. Zwei Wochen hat sie gebraucht, um ihr altes Zimmer zu räumen. Seit elf Jahren unterrichtet sie in Berikon. Da sammelt sich schon einiges an. Jetzt ist sie am Einrichten des neuen Schulzimmers. Sie schätzt das neue Mobiliar, das auf neue Unterrichtsformen reagiert. So gibt es für die Schülerinnen und Schüler jetzt Drehstühle und die Wandtafel ist interaktiv. Die Zeiten des Frontalunterrichtes sind definitiv vorbei.

Lemuel Odermatt, einer der beiden Schüler, die an diesem Morgen freiwillig mithelfen, erklärt stolz, dass die Klasse bei der Wahl der neuen Pulte mitentscheiden durfte.
Eliane Estrada hat ihre Schülerinnen und Schüler per Mail informiert, dass sie froh um gelegentliche Mithilfe wäre. Die Klasse hat die Einladung gerne angenommen, und praktisch täglich trudeln angehende Sechstklässler ein, die sich nützlich machen möchten. So wie an diesem Morgen Lemuel und Cesco.

«Ich habe eine tolle Klasse»

Eliane Estrada ist seit 28 Jahren Lehrerin. Sie unterrichtete an der Schweizerschule in Mexiko, in Würenlos, Wettingen und wirkt seit 2003 in Berikon. Sie begrüsst die neue Schulstruktur 6/3. «Es ist Zeit, dass wir endlich mit dem Kantönligeist abfahren und für alle Kinder die gleichen schulischen Voraussetzungen schaffen», sagt Estrada und verweist auf die Übertrittsschwierigkeiten, die sie oft bei Kindern erlebt hat, die aus andern Kantonen in den Aargau in die 5. Klasse kamen. Zudem findet sie es sinnvoll, dass der Zeitpunkt der Selektion bei 6/3 um ein Jahr verschoben wird: «Manche Kinder brauchen einfach etwas mehr Zeit. Sie machen häufig schulisch und persönlich in der 6. Klasse einen grossen Entwicklungsschritt.»

Die Herausforderung, etwas ganz Neues zu machen, habe sie gereizt, den Aufwand nimmt sie gerne in Kauf. «Ich habe eine tolle Klasse», sagt Eliane Estrada, «und die Möglichkeit, meine Schülerinnen und Schüler noch ein weiteres Jahr unterrichten und begleiten zu können, war eine zusätzliche Motivation.»
Aber sie kann auch gut verstehen, dass die Bereitschaft, eine 6. Klasse zu übernehmen, nicht bei allen Lehrpersonen vorhanden ist. «Es ist vieles neu, es gibt erst einen provisorischen Lehrplan; man weiss nicht recht, was da auf einen zukommt. Und schliesslich können die Sechstklässler schon ziemlich pubertär tun, was auch nicht immer einfach auszuhalten ist», erklärt sie.

Mut zur Lücke

Auf die neue Aufgabe ist sie gut vorbereitet. Sie hat bereits im letzten Herbst die entsprechende Weiterbildung an der Pädagogischen Hochschule besucht; die Zusammenarbeit mit den anderen 6.-Klass-Lehrpersonen im Schulhaus ist aufgegleist; die Jahresplanung steht und die ersten Themen in den Realien sind aufbereitet. Eliane Estrada wird ausser Französisch und Englisch alle Fächer unterrichten. Sobald das Schulzimmer fertig eingerichtet ist, entsteht auch der erste Wochenplan, den die Schülerinnen und Schüler am ersten Schultag erhalten werden.

Ferien – vielleicht im Herbst

Das Unterrichtsniveau wird ungefähr demjenigen der früheren 1. Sek entsprechen. Wobei nach oben und nach unten individualisiert wird.

Schlaflose Nächte kenne sie nicht – aber manchmal frage sie sich schon, ob die Zeit reiche, um bis zum 11. August mit allem fertig zu werden. Es brauche dann allenfalls halt auch den berühmten Mut zur Lücke.

Da kommt ein Handwerker vorbei und erklärt, der Boden müsse am Nachmittag zwischen Bauabnahme und Mobiliarlieferung nochmals gereinigt werden, Lemuel und Cesco, die beiden freiwilligen Helfer, möchten neue Aufträge, dann tritt auch noch der Fotograf ins neue Zimmer und Eliane Estrada lacht wieder und sagt, ja, wahrscheinlich mache sie dann im Herbst schon ein paar Tage Ferien.

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