14-Millionen-Projekt
Streit um Wildtier-Brücke: «Jeder Frosch, der über die A1 hüpft, kostet 100'000 Franken»

Wie teuer darf eine Wildtier-Überführung über die A1 sein? SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner findet die geplanten 14 Millionen Franken überrissen, Grünen-Nationalrat Jonas Fricker vertraut darauf, dass das Bundesamt für Strassen keine unnötigen Ausgaben tätigt.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Die A1 bei Suhr - hier soll für 14 Millionen die Wildtierüberführung Rynetel gebaut werden.

Die A1 bei Suhr - hier soll für 14 Millionen die Wildtierüberführung Rynetel gebaut werden.

Sandra Ardizzone

Vor einem Jahr waren 7,4 Millionen Franken vorgesehen, nun soll die Wildtierüberführung über die A1 zwischen Suhr und Gränichen ganze 13,9 Millionen Franken kosten. Das Bundesamt für Strassen (Astra) begründete die massive Verteuerung damit, dass die Kosten bei der Projektidee zu niedrig veranschlagt gewesen seien.

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner genügt diese Erklärung nicht. «Es kann doch nicht sein, dass ein solches Bauwerk innerhalb eines Jahres fast doppelt so teuer wird», sagt der Transportunternehmer. Giezendanner will die teure Wildtierüberführung in Bundesbern thematisieren. «Wenn ich vom Astra keine befriedigende Erklärung erhalte, werde ich eine Interpellation einreichen oder die Kosten in der Fragestunde des Bundesrates zur Sprache bringen», kündigt er an.

Kritik an der «Luxuslösung»

Giezendanner kritisiert nicht nur die Kostensteigerung, sondern auch die Ausgaben für das Bauwerk an sich. «Das ist aus meiner Sicht eine absolute Luxuslösung, da kostet jeder Frosch, der über die Brücke hüpft, schon 100 000 Franken», nervt er sich. Für den SVP-Nationalrat, dessen Partei sich auf kantonaler Ebene gegen neue Wildtierüberführungen wehrt, ist klar: «Das lässt sich auch billiger realisieren, eine Röhre unter der Autobahn reicht, eine 50 Meter breite begrünte Brücke ist massiv übertrieben.» Giezendanner weist darauf hin, dass sämtliche Kosten für die Überführung aus der Strassenkasse beglichen werden müssten.

Thierry Burkart, FDP-Nationalrat und Präsident des TCS Aargau, ist grundsätzlich für Wildtierkorridore. «Wir müssen uns aber schon die Frage stellen, ob hier die Mittel haushälterisch eingesetzt werden.» Burkart sagt, das Bundesparlament genehmige keine Einzelprojekte wie die teure Wildtierüberführung bei Suhr, sondern einen Rahmenkredit. Dieser liege für Unterhalt und Entwicklung – in diese Kategorie fällt die Überführung – bei rund 400 Millionen Franken. «Insofern kenne ich das Projekt nicht im Detail, aber die Kostensteigerung innerhalb eines Jahres wirft schon Fragen auf.»

Lebensräume wieder vernetzen

Jonas Fricker, Nationalrat der Grünen, sagt zur rechtsbürgerlichen Kritik: «Auch in der Schweiz sinkt die Biodiversität. Wildtierüberführungen wirken diesem Trend entgegen, indem sie das Ökosystem stabilisieren.» In den letzten Jahren und Jahrzehnten seien durch Strassen und Bahnlinien viele Lebensräume einheimischer Wildtiere zerschnitten worden. Fricker macht klar: «Es ist unsere Pflicht, diese nach Möglichkeit wieder zu vernetzen.»

Der Grünen-Nationalrat sagt, er kenne das Projekt nicht im Detail und könne sich deshalb nicht zu den Kosten äussern. «Ich vertraue aber darauf, dass die Verantwortlichen beim Bundesamt für Strassen keine unnötigen Ausgaben tätigen.» Für ihn darf eine Billiglösung keine Option sein, da eine Wildtierüberführung eine langfristige Investition ist. Aus finanzpolitischer Sicht sei es vor allem wichtig, dass die vom Verkehr verursachten externen Kosten, zu denen Fricker die Vernetzung der von Autobahnen zerschnittenen Lebensräume zählt, aus Strassengeldern bezahlt werden.

«Schon lange versprochen»

Regula Bachmann, CVP-Grossrätin und Präsidentin des WWF Aargau, hält fest: «An dieser wichtigen Stelle ist schon lange eine Wildtierüberführung versprochen, es ist höchste Zeit, dass sie jetzt endlich realisiert wird.» Die hohen Kosten dürfe man sicher hinterfragen, aber dass die Überführung nötig ist, steht für Bachmann aber fest.

Wohl würde für die Kleintiere eine einfache Röhre unter der Autobahn reichen, aber grössere Arten brauchten die Brücke. «Dass die Kosten aus der Strassenkasse bezahlt werden, ist völlig richtig, es sind schliesslich die Strassen, welche die Lebensräume der Tiere zerschneiden.» Bachmann hat kein Verständnis dafür, dass die SVP kantonale Projekte für Wildtierüberführungen streichen will.

«Es ist gesetzlich festgelegt, dass der Kantonsanteil aus der Schwerverkehrsabgabe für solche Bauten verwendet werden muss, die Finanzierung ist also kein Problem», sagt sie. Zudem seien die Wildtierkorridore im Richtplan festgesetzt und der Grosse Rat habe grundsätzlich Ja gesagt zur besseren Vernetzung.