Projekt

Streit um Stromleitung in Niederwil dauert schon jahrelang — der Ersatz der Leitung sollte seit langem realisiert sein

Das Bundesamt für Energie hat einen Vorschlag für die mögliche Linienführung der neuen 380-Kilovolt-Leitung erarbeitet.

Das Bundesamt für Energie hat einen Vorschlag für die mögliche Linienführung der neuen 380-Kilovolt-Leitung erarbeitet.

Ende November präsentiert das Bundesamt für Energie die mögliche Linienführung der neuen 380-Kilovolt-Leitung. Im Rahmen eines Mitwirkungsverfahrens hat die Bevölkerung die Möglichkeit, sich zum Vorschlag zu äussern.

Die Hochspannungsleitung, die über das Haus des Ehepaars in Niederwil führt, soll seit Jahren ausgebaut werden. Der Ausbau zwischen Niederwil und Obfelden ist Teil des Leitungsbauvorhabens Beznau–Mettlen, das vom Bundesrat 2009 als Teil des strategischen nationalen Übertragungsnetzes festgelegt wurde. Zudem gehört der Leitungszug auch zu den neun prioritären Leitungsbauvorhaben der nationalen Stromnetzgesellschaft Swissgrid für das «Strategische Netz 2025». Sie müssen unabhängig von der Energiestrategie 2050 dringend realisiert werden, um bestehende Netzengpässe zu entschärfen.

Der Ersatz der Leitung sollte seit langem realisiert sein. Schon 1992 war das Vorverfahren für die Umweltverträglichkeitsprüfung gestartet worden, fünf Jahre später hatten sich Kanton und Gemeinden auch über die Trasseeführung geeinigt. Die Rechnung hatten sie aber ohne die Bevölkerung im Reusstal gemacht worden.

Verein kämpft gegen Verkabelung im Boden

Gegen das Vorhaben gab es insbesondere aus Landwirtschaftskreisen starken Widerstand. Kanalisiert wurde dieser vom Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR). Dieser wurde 2009 gegründet und kämpft für eine umweltverträglichere Linienführung und – vor allem – für eine Verkabelung im Boden.

2012 ging es zurück auf Feld 1. Die Planung begann von vorne. Das Bundesamt für Energie setzte eine aus Vertreterinnen und Vertretern von Behörden und Umweltverbänden zusammengesetzte Begleitgruppe ein. Sie hatte den Auftrag, im neuen Sachplanverfahren mit Kantonen, Behörden, Verbänden und Interessengruppen nach einem gangbaren Weg zu suchen.

Ende August 2016 setzte der Bundesrat dann das Planungsgebiet für die neue 380-Kilovolt-Leitung von Niederwil nach Obfelden fest. Das Projekt sieht den Ersatz der bestehenden, rund 17 Kilometer langen 220-Kilovolt-Leitung zwischen dem Unterwerk Niederwil und dem Unterwerk Obfelden vor. Swissgrid hat im Anschluss an die Festsetzung mögliche Planungskorridore innerhalb des Planungsgebietes für die verschiedenen Leitungstechnologien erarbeitet.

Diese Vorschläge, die entweder Freileitungen, oder unterirdische Kabelführungen vorsehen, wurden in einer Begleitgruppe mit Vertretern der Fachbehörden von Bund und Kanton sowie von Umweltorganisationen diskutiert. Für jede einzelne Technologie und Korridorvariante wurden laut Bundesamt für Energie «die Auswirkungen auf Raum und Umwelt geprüft».

Bevölkerung wird in Projekt miteinbezogen

Das Bundesamt hat nach diesen Diskussionen eine Empfehlung für die Festsetzung eines Planungskorridors zu Handen des Bundesrates erarbeitet. Diese soll im Rahmen des Anhörungs- und Mitwirkungsverfahrens in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

Die öffentliche Auflage dieses Vorschlages findet vom 2. Dezember bis zum 29. Februar statt. Privatpersonen, Vereine und Verbände, Gemeinden und Regionalplanungsverbände erhalten im Rahmen dieses Mitwirkungsverfahrens die Möglichkeit, sich zum Vorschlag des Bundesamtes für Energie zu äussern. Schon kurz vorher, am Donnerstag, 28. November, wird dieser Vorschlag den Behörden und der Öffentlichkeit an einer Informationsveranstaltung vorgestellt.

Die Veranstaltung findet im Reussbrückesaal in Bremgarten statt und wird in zwei Teilen durchgeführt. Am Nachmittag findet eine Veranstaltung mit Referaten statt, die sich an die Vertreter der zuständigen Regionalplanungsverbände, der Behörden der betroffenen Gemeinden, der beschwerdeberechtigten Organisationen sowie von Interessengruppen richtet. Ab 18 Uhr kann sich dann die Bevölkerung nach einer Einführung durch die Referenten an Ständen über das Projekt informieren, wie es in der Einladung des Bundesamts für Energie heisst.

Hans Kneubühler, Präsident des Vereins Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR), wünscht sich eine vollständig unterirdische Führung der Hochspannungsleitung. «Ich habe bisher noch keine Informationen, welche Varianten das Bundesamt an der Veranstaltung präsentieren wird», sagt Kneubühler auf Anfrage. Er sei allerdings eher pessimistisch, dass die Forderung des Vereins erfüllt werde, sagt er.

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