«Talk Täglich»
Streit um Sterbehilfe: Medienrummel um Goodall-Freitod entzweit Aargauer Politiker

Der Freitod des Australiers David Goodall (†104) in der Schweiz hat der Diskussion um Palliativmedizin und assistierten Suizid neuen Schub verliehen. Über das kontroverse Thema diskutierten bei «Talk Täglich» EVP-Grossrätin Lilian Studer, Grüne-Grossrat Daniel Hölzle und Hospiz-Leiterin Anna Schütz.

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Knapp eine Woche ist es her, dass der australische Forscher David Goodall (†104) mithilfe der Sterbehilfeorganisation Eternal Spirit in Liestal freiwillig aus dem Leben schied. Der medienwirksame Entscheid des Botanikprofessors aus Melbourne, für seinen Freitod in die Schweiz zu reisen, feuerte die Diskussion um den assistierten Freitod erneut stark an.

Grund genug, das Thema in der Diskussionssendung «Talk Täglich» auf Tele M1 eingehend zu besprechen. Dafür hat Moderator Rolf Cavalli gestern Dienstag die Aargauer EVP-Grossrätin Lilian Studer, Aargauer Grüne-Präsident und Anna Schütz, Leiterin des Hospiz Aargau zum Gespräch eingeladen.

Lebenssinn bis zum letzten Moment

Lilian Studer, die erst kürzlich den grossen Medienrummel um Goodalls Freitod kritisierte, zeigte zwar Verständnis für den Entscheid des Australiers. Sie gibt aber zu Bedenken, dass der selbst gewählte Freitod anfällig für Druck von aussen sei. «Goodall war vier Tage in der Schweiz», erklärt sie und fügt an: «Die Personen, die ihn begleitet haben, können innerhalb von dieser kurzen Zeit nicht feststellen, wie es ihm wirklich geht.» Darum befürworte sie eine alternative zur Sterbehilfe, etwa die Palliativmedizin und die Hilfe von freiwilligen Unterstützern.

Dem gegenüber argumentiert Daniel Hölzle, dass Goodall seinen Entscheid sicher nach reiflicher Überlegung und im Beisein seiner Angehörigen gefällt habe. Hölzle begrüsste den Medienrummel um den Freitod des Australiers und geht gar einen Schritt weiter: Er wünscht sich, dass in der Schweiz künftig auch die aktive Sterbehilfe angewandt wird. «Wenn eine Person ganz klar den Wunsch hat, sein Leben zu beenden, dann sollte es doch auch möglich sein, dass ihm jemand dabei behilflich ist», erklärt er bestimmt.

Hospiz-Leiterin Anna Schütz begleitet von Berufes wegen Menschen während ihrer letzten Lebenstage im Sinne der Palliativmedizin. Auf den assistierten Suizid des Australiers angesprochen sagt aber auch sie: «Ich fand es schön für ihn. Er hatte bis ins hohe Alter ein Ziel im Leben. Er hat sich nochmals eine Aufgabe gestellt und diese durchgezogen, er sah bis zum letzten Moment einen Sinn in seinem Leben.»

Recht auf Selbstbestimmung ja, aber ohne Druck

Auf die Frage von Moderator Cavalli, ob denn nicht jeder Mensch das Recht auf Selbstbestimmung über Leben und Tod habe, entgegnet Studer: «Selbstbestimmung ist wichtig. Der Entscheid zum Freitod muss aber auch wirklich selbst und nicht unter Druck gefällt werden.» Mit diesem Druck meint sie unter anderem auch die hohen Pflegekosten, die etwa für die Pflege altersschwacher Menschen anfallen.

Für ihre Ausführungen erhält Studer zustimmende Worte von Hospiz-Leiterin Schütz. Sie sagt: «Wenn man in unserer Gesellschaft nicht mehr schwach und bedürftig sein darf, dann wird diese Gesellschaft brutal und hart.»

Diesem Statement stimmt auch Sterbehilfe-Befürworter Hölzle zu. Dennoch hält er fest, dass es einen Ausweg für Menschen geben muss, die ihr Leben lang selbständig waren und dies plötzlich nicht mehr sind und diesen Zustand nicht mehr ertragen möchten. (luk)

Die ganze «Talk Täglich»-Sendung können Sie hier nachschauen:

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