Die Hände des Hauseigentümers sind an Handschellen gekettet. Die Botschaft ist klar: Wer einen Liefervertrag mit einem Fernwärmeverbund unterschreibt, bindet sich langfristig. Titel des Inserats, das die Erdöl-Vereinigung in Tageszeitungen schaltet: «Bewahren Sie Ihre Wahlfreiheit». Im Begleittext wird vor den Nachteilen der Fernwärmeverbünde gewarnt. Diese seien oft mit Anschlusszwängen verbunden, Investitionen sowie Unterhaltskosten seien meist höher, die Energiepreise bei Ölheizungen hingegen lägen tiefer.

Die offensive Werbekampagne stösst dem Fernwärmeverband sauer auf. «Die abgebildeten Handschellen dienen einzig dazu, die Bevölkerung aufzuschrecken», sagt Präsident Walter Böhlen. Wer sich dafür entscheide, sein Haus einem Fernwärmeverbund anzuschliessen, sei sich der langen Vertragsdauer von 10 bis 15 Jahren bewusst. Diese sei nötig, um die Investitionen amortisieren zu können. «Dafür müssen die Nutzer den Anschluss ans Fernwärmenetz nicht selbst bezahlen und bekommen garantiert die benötigte Energie.»

Bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission stellte der Verband den Antrag, der Erdöl-Vereinigung die Veröffentlichung der Werbung zu verbieten. Begründung: Das Bild suggeriere dem Betrachter eine generelle Fesselung an die Fernwärmeanbieter. Ausserdem bestehe nur in wenigen Ausnahmefällen ein Anschlusszwang. Zusammen mit dem Bild sei dies «irreführend und geschäftsschädigend». Die Erdölvereinigung versuche, mit unlauteren Mitteln in der Werbung Konsumenten für das Produkt «Heizöl» zu überzeugen. Doch die Beschwerde fand bei der Kommission kein Gehör, sie erkannte «keine Unlauterkeit». Das Inserat mache auf real existierende Probleme bei Anschlusszwang und langfristigen Lieferverträgen aufmerksam – «unter Zuhilfenahme des Instruments der erkennbaren werberischen Überzeichnung».

Der Entscheid sei bei der Erdöl-Vereinigung mit Befriedigung zur Kenntnis genommen worden, sagt Geschäftsführer Roland Bilang. «Über negative Reaktionen unserer Kundschaft ist uns nichts bekannt.» Ansonsten hält sich die Erdöl-Vereinigung mit Äusserungen über den Inseratestreit zurück. Die Kampagne solle auf die Vorteile von Ölheizungen aufmerksam machen, die sich in erster Linie in der Unabhängigkeit des Systems äusserten. Diese Argumente schienen für die Konsumenten nach wie vor von Bedeutung zu sein, sagt Bilang. «Der Anteil der Gebäude in der Schweiz, die mit Heizöl beheizt werden, ist seit Jahren nur leicht rückläufig.»

Ein umkämpfter Markt

In eine andere Richtung zeigt der Trend bei der Fernwärme, die aus einer zentralen Anlage über ein Rohrleitungsnetz Häuser mit Energie für Heizung und Warmwasser versorgt. Allein die AEW Energie AG hat in den letzten zehn Jahren 46 Fernwärmeverbünde aufgebaut und die produzierte Energiemenge versechsfacht. Inzwischen versorgen 73 Verbunde der AEW 12 600 Haushalte mit Fernwärme. Schweizweit liegt der Anteil bei rund 8 Prozent. Der Markt ist umkämpft, das widerspiegelt sich nicht zuletzt in den Werbeauftritten.

Nachdem die Lauterkeitskommission auch den Rekurs abgelehnt habe, finde sich der Fernwärmeverband nun mit dem Inserat ab, sagt Präsident Walter Böhlen. «Wir haben aufgehört, uns dagegen zu wehren, auch weil wir finanziell nicht mit der Erdöl-Vereinigung mithalten können.» Zudem ergab eine interne Umfrage bei den Mitgliedern, eine knappe Mehrheit lehnt ein juristisches Vorgehen ab, gar eine klare Mehrheit sagt Nein zu einer Gegenkampagne.