Nun ging es plötzlich schnell: Am 22. März erliess die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau einen Strafbefehl gegen die Aarauer Firma Medtest. Der Vorwurf: gewerbsmässige Urheberrechtsverletzung. Der entsprechende Gesetzesartikel sieht dafür eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor.

Wie hoch die Strafe ist, die sie im vorliegenden Fall ausgesprochen hat, gibt die Staatsanwaltschaft nicht bekannt – Strafbefehle sind nicht öffentlich, solange sie noch nicht rechtskräftig sind. Fest steht lediglich, dass es sich um eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen handelt.

Dem Entscheid vorausgegangen ist ein Streit zwischen Swissuniversities, die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten, und der Aarauer Firma Medtest, die angehende Medizinstudenten auf den Eignungstest vorbereitet.

Kostenpflichtige Kurse

Da die Zahl der Teilnehmer des Numerus clausus die Zahl der Studienplätze bei weitem übersteigt, bereiten sich viele Teilnehmer mit kostenpflichtigen Kursen vor. Das Geschäft ist lukrativ – und umstritten, weil sich die Anbieter den grossen Konkurrenzdruck zunutze machen und sich der Eignungstest auch ohne Kurse bestehen lässt.

In den letzten beiden Jahren sind Originalaufgaben bereits im Vorfeld des Tests bei Vorbereitungskursen von Medtest aufgetaucht – mehrere Aufgaben konnten in der Folge nicht gewertet werden. Die Abklärungen zeigten, dass diese vor Jahren gestohlen worden waren. Swissuniversities hat daraufhin Strafanzeige gegen Medtest eingereicht, nun hat die Staatsanwaltschaft den Strafbefehl erlassen. Der Rechtsstreit dürfte damit aber nicht beigelegt sein.

Die Aarauer Firma hat innert der zehntägigen Frist Einsprache erhoben. Die Einsprache liesse sich theoretisch noch bis zum Abschluss der Parteivorträge zurückziehen. Medtest-Geschäftsführer Philip von der Mühll schliesst diese Möglichkeit allerdings aus: «Den Strafbefehl zu akzeptieren, kommt nicht infrage. Wir werden mit juristischen Mitteln für die Gerechtigkeit kämpfen.» Deshalb wird der Fall nun voraussichtlich vor das Aarauer Bezirksgericht gelangen.

Medtest rechnet mit jahrelangen Prozess

Bei Medtest stellt man sich auf einen jahrelangen Prozess ein. Philip von der Mühll: «Das Verfahren dauert nun schon zwei Jahre, deshalb wäre es naiv, keine Rückstellungen für Gerichtskosten zu machen.» Auf das Unternehmen mit sechs Mitarbeitern könnten nach einer Verurteilung hohe Schadenersatzforderungen zukommen. Swissuniversities musste als Reaktion auf die Pannen der letzten beiden Jahre reagieren und neue Fragen anfertigen lassen. Diesen Juli werden erstmals ausschliesslich neue Aufgaben gestellt, davor wurden jeweils auch alte Fragen eingebaut, die nach einigen Jahren wieder zum Einsatz kamen.


Swissuniversities teilt mit, man habe den Erlass des Strafbefehls durch die Staatsanwaltschaft gegen den Geschäftsführer von Medtest mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. «Wir sind daran, mit unseren Anwälten das weitere Vorgehen zu prüfen, und äussern uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter zu dieser Angelegenheit.»

Medtest-Geschäftsführer Philip von der Mühll blickt dem Prozess optimistisch entgegen. «Die Frage des Urheberrechts von Testfragen ist bislang nicht eindeutig geklärt.» Fahrlehrer würden ihren Schülern bei der Vorbereitung auf die Theorieprüfung auch originale Fragen zur Verfügung stellen, sagt von der Mühll. «Wo wird die Grenze gezogen?» Die Antwort auf diese Frage muss nun wohl das Aarauer Gericht geben.