Das sogenannte Publibike ist praktisch: Wer sich über die App registriert und ein Abo löst, hat an diversen Orten in der Schweiz ein Velo zur Verfügung. An mehreren Stationen lassen sich Fahrräder ausleihen und nach der Fahrt wieder abstellen. Auf der Website von Publibike, einer Tochterfirma von Postauto Schweiz, wird auch beschrieben, wie sich das Veloschloss öffnen lässt. Dazu ist kein Schlüssel notwendig, denn es handelt sich um ein elektronisches Schloss, das unter dem Sattel angebracht ist.

Die Bedienung ist denkbar einfach: «Das Smartphone mit der geöffneten App an das Display halten, schon öffnet sich das Schloss.» Auch die Rückgabe des Fahrrads an einer beliebigen Station ist simpel: «Das Veloschloss von Hand schliessen, bis der Bügel einrastet. Die Fahrt wird automatisch beendet, und das Velo ist wieder frei verfügbar.»

Entwickelt in Eglisau ...?

Das elektronische Schloss ist jedoch zum Streitobjekt geworden, und in den Konflikt ist eine Aargauer Firma involviert. Ausgangspunkt ist aber Eglisau am Rhein, wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich berichtete. Rolf Diefenbacher, der Chef der dort ansässigen DST Swiss AG, erhebt in der Zeitung schwere Vorwürfe gegen die Publibike-Verantwortlichen. Diese hätten seine Firma beauftragt, ein elektronisches Schloss für Leihvelos zu entwickeln, die Zusammenarbeit dann aber beendet, offene Rechnungen nicht beglichen – und zudem das von ihnen entwickelte Schloss kopiert.

Publibike habe keine Lizenzrechte an seinem Schloss, dennoch sei sie damit zur Antrimon AG in Muri gegangen und habe diese beauftragt, das Schloss nachzubauen. «Wahrscheinlich liefern die zu einem tieferen Preis», vermutet Diefenbacher. Das sei verständlich, schliesslich habe Antrimon keine Entwicklungskosten gehabt. Offenbar sieht das von DST entwickelte Schloss fast gleich aus wie das heute an den Velos montierte Modell. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» weist eine Postsprecherin die Vorwürfe von Diefenbacher dennoch zurück.

... oder doch in Muri?

Stefan Schimon, CEO von Antrimon, bestätigt auf Anfrage, dass seine Firma von Publibike den Auftrag zur Entwicklung und Herstellung eines elektronischen Schlosses erhalten habe. Er hält aber fest: «Wir haben keine Pläne eines bestehenden Schlosses erhalten. Vielmehr gab es eine Beschreibung dessen, was wir entwickeln mussten.» Bereits definiert waren gemäss Schimon die äusseren Abmessungen und das Design des digitalen Veloschlosses. «Die Form wurde aber von einem anderen Industriedesigner und nicht von der DST Swiss AG entwickelt.»

Antrimon habe die Schlösser komplett neu entwickelt, dies habe rund zehn Monate gedauert, sagt der Firmenchef. Kernpunkte seien elektronische Hard- und Software sowie Mechanikentwicklung gewesen, dies mit Rücksicht auf die regionalen und überregionalen Fertigungs- und Beschaffungsmöglichkeiten. Schimon ergänzt, die Antrimon Group habe Dutzende Entwicklungsbeispiele von mechatronischen Kundenanwendungen.

Serienproduktion läuft an

Inzwischen ist die Entwicklung abgeschlossen, derzeit läuft die Serienproduktion an. 500 Schlösser seien als Nullserie bereits an Publibike ausgeliefert worden, sagt Stefan Schimon. Der Antrimon-Chef betont, seine Firma sei nie von der DST Swiss AG kontaktiert worden, welche die Entwicklung des Schlosses für sich reklamiert. «Wir kannten die Firma vor dem Artikel im Tages-Anzeiger gar nicht», hält er fest.

Auch für den Auftraggeber hat Schimon nur lobende Worte: «Wir erleben Publibike als sehr faires und professionelles Unternehmer, das uns als kompetenten, ganzheitlichen Entwicklungs- und Lösungspartner schätzt.» Entgegen den Vorwürfen von Rolf Diefenbacher komme Publibike auch ihren Verpflichtungen nach, sagt der Antrimon-Chef.