Naturschutz

Kanton lässt Biberdamm in Kleindöttingen entfernen – das Tier hat danach aufgegeben

Nicht von allen gerne gesehen: Biber und seine Bauten.

Nicht von allen gerne gesehen: Biber und seine Bauten.

Eines von vier Gesuchen zur Entfernung von Biberdämmen hat der Kanton bewilligt, drei sind hängig. Der Streit zwischen Naturschützern und Behörden geht weiter.

In den letzten Jahren hat sich der Biber im Aargau auch an kleineren Gewässern angesiedelt. Dies kann zu Konflikten führen, zum Beispiel dann, wenn das geschützte Nagetier Wege untergräbt, Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen verursacht oder mit seinen Dämmen für Überflutungen sorgt. An vier Orten wurden beim Kanton daher Gesuche eingereicht, um Biberdämme zu entfernen.

Doch nur in einem Fall ist der Biber-Konflikt gelöst. In Kleindöttingen im Zurzibiet hat ein Damm dazu geführt, dass Felder und eine Windhunde-Rennbahn unter Wasser standen. Dort hat der Kanton eine Bewilligung zur Dammentfernung erteilt, diese wurde nicht angefochten und ist rechtskräftig. «Der Damm wurde einmalig entfernt und vom Biber nicht wieder erstellt», sagt Christian Tesini, Biberspezialist beim kantonalen Baudepartement.

Widerstand gegen zwei Gesuche

Einsprachen gibt es gegen zwei weitere Gesuche: In Wohlenschwil möchte der Gemeinderat die Biberdämme im Schwarzgraben entfernen, in Aarau Rohr sorgt das Tier mit seinen Bauten dafür, dass neben einem Grundwasserpumpwerk ein Teich entstanden ist, was die Wasserqualität gefährden könnte.

Dass sich Pro Natura gegen die Dammentfernungen wehrt, ist schon bekannt, doch laut Christian Tesini sind weitere Einsprachen eingegangen. Ob bereits Verhandlungen stattgefunden haben und wann mit einem Entscheid des Kantons zu den Gesuchen zu rechnen ist, kann Tesini wegen des laufenden Verfahrens nicht sagen.

Nun wurde im Amtsblatt ein weiteres Gesuch publiziert: Der Gemeinderat Rottenschwil beantragt eine Bewilligung «für die Entfernung von Biberdämmen aus dem Werdhölzlikanal».

Das entsprechende Gesuch liegt bis zum 29. Februar bei der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons öffentlich auf – doch es dürfte einen schweren Stand haben. Denn das Gebiet gehört zu den Auen von nationaler Bedeutung und ist umgeben von Naturschutzflächen. «Mit dem neuen Gesuch hat die Gemeinde kaum eine Chance, wenn man den Schutzstatus berücksichtigt», sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. «Wie letztes Jahr wird dieses Gesuch mit Sicherheit abgelehnt», prophezeit er.

Statt den Damm zu entferne, schlug der Kanton damals eine andere Lösung vor. Eine Fläche von rund zwölf Hektaren im Werderhölzli sollte zum Biberreservat werden. 50 Jahre lang sollte die Ortsbürgergemeinde Rottenschwil dort auf die Holznutzung verzichten und im Gegenzug vom Kanton dafür finanziell entschädigt werden. Doch bei einer Konsultativ-Abstimmung an der Ortsbürgerversammlung scheiterte die Idee sehr deutlich, mit 15 Nein gegen 1 Ja.

Deutliche Spuren: Am Längibach ist der Biber am Werk.

Biber in Aktion

Biber-Reservat bleibt ein Thema

Dennoch ist das Biber-Reservat in Rottenschwil nicht definitiv vom Tisch. «Die Möglichkeit für einen solchen Vertrag bleibt bestehen», sagt Christian Tesini. Und auch Johannes Jenny gibt sich gesprächsbereit. «Wir werden eine Einwendung machen, wollen aber mit den Ortsbürgern eine konstruktive Lösung finden.» Wer in der Gegend von privat Wald verkaufen möchte, solle sich an Pro Natura wenden. «Vielleicht gibt es eine sinnvolle Abtauschlösung, mit der alle nur gewinnen können.» Aus seiner Sicht wären der Kanton, Pro Natura oder die Stiftung Reusstal der richtige Eigentümer für dieses Gebiet.

Die Stiftung hat bereits 1963 in der Reussebene eine erste Fläche von 3,6 Hektaren erworben. Ob eine Einsprache gegen die Dammentfernung eingereicht wird, ist noch offen. «Wir wussten bis letzte Woche noch nichts von diesem Gesuch des Gemeinderates», sagt Geschäftsführer Josef Fischer. Für ihn ist aber klar: «Eine Biber-Umsiedlung ist nicht möglich und auch gar nicht praktikabel.» Das Werderhölzli werde für die Tiere immer attraktiv sein. «Es liegt in einer langen Kontakt-linie zur Reuss, wo es ein Biberrevier hat.»

Gleich schätzt Jenny die Situation ein: «Ob die Dämme entfernt werden oder versucht wird, die Biber zu vertreiben oder umzusiedeln – in einem derart guten Lebensraum wird Meister Bockert immer wieder auftauchen.»

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