TalkTäglich
Streit um Ammann-Lohn: Wieviel Andreas Glarner wirklich verdient

Andreas Glarner verdient als Ammann von Oberwil-Lieli 24'000 Franken und bekämpft generell höhere Löhne für Gemeindeammänner im Aargau. Im TalkTäglich stiess er auf Kontrahent Peter Weber, Gemeindeammann von Mettauertal. Er kämpft für höhere Entschädigungen. In der Sendung offenbarten beide, über wieviel Einkommen sie insgesamt verfügen.

Mathias Küng
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Werden Miliz-Gemeinderäte und Gemeindeammänner fair entschädigt, oder muss vielerorts nachgebessert werden? Diese Frage wird derzeit heiss diskutiert. Ausgelöst hat die Debatte die Gemeindeammänner-Vereinigung (GAV) mit Erhöhungsempfehlungen. Andreas Glarner, SVP-Nationalrat und Gemeindeammann von Oberwil-Lieli, kritisiert diese als «jenseits».

Damit gefährde man den Milizgedanken, so Glarner im TalkTäglich von Tele M1. Er selber kommt im Teilamt als Gemeindeammann auf 24 000 Franken jährlich. Das genüge vollauf, er wolle dem Land schliesslich auch etwas zurückgeben, sagte er auf die Frage des stellvertretenden az-Chefredaktors und Moderators Rolf Cavalli, ob das nicht falsche Bescheidenheit sei.

Anders sieht dies Peter Weber, Gemeindeammann der jungen Fusionsgemeinde Mettauertal. Er erhält jährlich 40 000 Franken, doppelt so viel wie noch 2011. Nein, das sei nicht unverschämt, so Weber auf einen entsprechenden Vorhalt von Cavalli. Weber, Vorstandsmitglied der GAV, findet, dass die Entschädigungen vieler Gemeindeammänner erhöht werden müssen.

Er hatte 2011 in Mettauertal 20 000 Franken, habe aber erkennen müssen, dass die Diskrepanz zum Zeitaufwand zu gross sei. Er beantragte eine Erhöhung auf 40 000 Franken, die vom Souverän bewilligt wurde. Er arbeite auch jetzt 300 bis 400 Stunden jährlich ehrenamtlich. Das gehöre zum Milizprinzip. Zu diesem bekannte sich Weber genauso wie Glarner.

Verzichtet Glarner auf Nationalrats-Entschädigung?

Im Vergleich zur Entschädigung von Gemeindeammännern sind die Zulagen für Nationalräte üppig. Ein Nationalrat bekommt bei Ausnutzung aller Spesen, Entschädigungen etc. bis zu rund 140'000 Franken jährlich vom Staat. Darauf angesprochen, meinte SVP-Nationalrat Andreas Glarner im TalkTäglich, auch er fände das übertrieben und sagte: "50'000 Franken sind genug in Bern!" Moderator Rolf Cavalli darauf: "Verzichten Sie freiwillig!" Glarner: "Darüber können wir reden."

Es sollten die besten Gemeindeammann werden, so Weber weiter. Solche Leute hätten in der Privatwirtschaft oft Kaderjobs. Wenn sie für das Milizamt ihr Pensum reduzieren, sei dies ansprechend zu entschädigen. Er sei überzeugt, so Weber, dass er sich dank einem höheren Pensum besser kundig machen und vernetzen könne und so für seine Gemeinde mehr machen könne.

Demgegenüber wehrte sich Glarner dagegen, Teilpensen zu fixieren, immer mehr zu bezahlen und damit das Milizsystem «schleichend ad absurdum zu führen». Das locke nämlich auch Leute an, die bloss Geld machen wollten. Die Gemeindeammänner-Vereinigung – der seine Gemeinde mit dem Austritt droht – würde viel besser in Aarau kräftig auf den Tisch klopfen, «und Aarau stoppen, damit sie uns nicht immer noch mehr aufs Auge drücken».

Solcher ziviler Widerstand bringe den Gemeinden viel mehr. Er versuche dasselbe in Bern. Dass Aargauer Gemeinderäte weniger verdienen als in anderen Kantonen, imponiert Glarner überhaupt nicht: «Gott sei Dank haben wir im Aargau weniger und machen wir es günstiger», so sein Credo. Es bringe nichts, «in Aarau zu revoluzzen», man brauche einfach bessere Argumente, erwiderte Weber. Dafür müsse man sich Kompetenz erarbeiten, dann erreiche man auch etwas.

Wieviel verdienen Weber und Glarner total?

Die beiden kamen sich nicht näher. So wollte Moderator Cavalli schliesslich wissen, was sie mit ihren Milizfunktionen und als Unternehmer insgesamt verdienen. Für einmal herrschte Transparenz beim Schweizer Tabu-Thema Lohn. Die Antworten kamen wie aus der Pistole geschossen: Weber sagte vor laufender TV-Kamera, er komme vor Abzügen auf rund 150 000 Franken Einkommen. Glarner gab im TalkTäglich an, er verdiene rund 210 000 Franken. Er nehme zur Zeit aber kein Geld aus seiner Firma.

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