Die Gegner der Initiative «Für euse Wald» waren am Dienstagabend im Zentrum Lee in Riniken klar in der Minderheit. Vielleicht gab es neben den Vertretern der Gegenseite beim Podiumsgespräch, der FDP-Grossrätin Jeanine Glarner und dem parteilosen Grossrat Hans-Ruedi Hottiger, überhaupt keine Nein-Stimmer im gut gefüllten Saal. Und falls doch, hielten sie sich im Hintergrund.

Umso lauter äusserten sich die Befürworter und spendeten auch hie und da Szenenapplaus, wenn ein ihrer Meinung nach besonders starkes Votum vom Podium kam. Die Pro-Seite vertraten SVP-Grossrätin Vreni Friker und Försterverbands-Präsident Oliver Frey, beide sind Mitglieder des Initiativkomitees. Sie hatten ein klares Heimspiel, denn eingeladen hatte mit dem Aargauer Ortsbürgerverband ein Befürworter der Initiative.

Das Podiumsgespräch fand im Rahmen des alljährlichen Feierabendgesprächs statt — und diesmal konnte der Verband mit einem speziell aktuellen Thema aufwarten, von dem zudem die Ortsbürgergemeinden als Waldbesitzer direkt betroffen sind.

Das zeigte sich besonders in der anschliessenden Plenums-Diskussion, als anstatt Fragen, wie es der Podiumsleiter Mathias Küng (Politikchef Aargau der Aargauer Zeitung) angeregt hatte, ein flammendes Votum nach dem anderen für die Initiative kam. Es meldeten sich hauptsächlich Förster zu Wort.

Nicht Kantons-Aufgabe

Dabei waren sich die Diskussionsteilnehmer nach dem Einführungsreferat von Urs Gsell, Vorsteher des Initiativkomitees, zunächst durchaus einig: Der Wald müsse geschützt werden, Sanierungen von Waldstrassen seien nötig und die Erhaltung dieses Erholungs- und Freizeitraums fraglos zu unterstützen. Das sei aber nicht die Aufgabe des Kantons und solle nicht mit dieser Initiative umgesetzt werden, fanden die Gegner.

Bei Annahme wird im Gesetz festgeschrieben, dass pro Kantons-Einwohner 25 Franken im Jahr für den Wald aufgewendet werden müssen. «Einen Frankenbetrag im Gesetz zu verankern ist ein absoluter Sündenfall», sagte Jeanine Glarner. Zudem werde es immer teurer: Die anfänglichen 16 Millionen, welche laut Vreni Friker auf Berechnungen von Fachpersonen beruhen, werden mit steigender Einwohnerzahl mehr. Und das während die Waldfläche die gleiche bleibe. Unter anderem wegen dieses Frankenbetrags sei das Gesetz sehr starr, sagte Hans-Ruedi Hottiger. Eine Gemeinde könne viel flexibler als der Kanton reagieren und den benötigten Betrag nach Bedarf anpassen. Wegen dieser Flexibilität und der Nähe zum Wald und seinen Nutzern sollte es Aufgabe der Gemeinden sein, für den Wald aufzukommen, «das ist der bessere Weg», so Hottiger.

Die Ortsbürgergemeinden hätten lange viel Geld mit dem Wald verdient, warf Gesprächsleiter Küng ein. Warum also sollten nicht diese den Unterhalt übernehmen, anstatt des Kantons, der ein grosses Defizit hat? Durch steigende Einwohnerzahlen würden die Steuereinnahmen anwachsen und die Ausgaben neutralisiert, erklärte Oliver Frey. Die Reserven der Gemeinden seien hingegen eigentliches Betriebskapital, dieses werde für Investitionen gebraucht, damit die Forstbetriebe ihre Arbeit machen könnten, «das läuft wie in der Wirtschaft auch», fand Frey.

Gar nicht mit dem Wirtschaftsvergleich einverstanden waren die Initianten aber kurze Zeit später, als Jeanine Glarner sagte, die Exportindustrie könne auch nicht die hohle Hand machen, wenn die Einnahmen wegen des starken Frankens ausbleiben. Die Exportindustrie habe dann immer noch die Möglichkeit, die Arbeit ins billigere Ausland auszulagern, entgegnete Vreni Friker, für die Bewirtschaftung des Waldes könnte man aber höchstens Dumping-Arbeiter aus dem Ausland einstellen. Und das wolle man sicher nicht tun wollen. Nicht einig waren sich Pro und Kontra auch darin, welche Aufgaben und Beträge bereits im Lastenausgleich vorgesehen sind. Über die Verteilung bei Annahme der Initiative herrschte zudem kurz Verwirrung.

Es geht nicht nur ums Geld

Für das Publikum hatte das allerdings kaum Relevanz. «Angstmacherei» sei es, wenn jetzt behauptet werde, die Gemeinden würden die Hälfte dieser Mehreinnahmen zahlen müssen, war etwa ein Votum. Man müsse eben den Lastenausgleich neu anpassen. Der Kanton könne sich nicht verhalten, als ginge ihn der Wald nichts an, meinte ein anderer Zuhörer. Der Wald bedecke schliesslich 35 Prozent der gesamten Kantonsfläche.

Dass sich diese Diskussion nur ums Geld drehe, sei störend, sagte Oliver Frey abschliessend. «Wir stimmen über unseren Wald ab, der ist lebenswichtig.»