Grossratswahlen

Streifzug durch den Plakatwald: Maskenträger, Minikandidaten und ein lächelnder «Mohrenkopf»

Auch vor dem AKW finden Plakate ihren Platz.

Auch vor dem AKW finden Plakate ihren Platz.

Gut eine Woche vor den Wahlen werben Kandidatinnen und Kandidaten im Aargau um die letzten Stimmen – ein Rundgang durch den Plakatwald.

Wir starten unsere Tour durch den Kanton in der Hauptstadt – und treffen schon in Suhr beim Möbel Pfister auf ein bemerkenswertes Plakat. Der junge FDP-Kandidat Yannick Berner mit Maske und der Frage «Schon gewählt?» Nur ein paar Meter weiter steht das zweite Plakat von Berner, ohne Maske und mit dem Slogan «Für einen starken Werkplatz».

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Ein paar Kilometer weiter, vor dem Schwimmbad mittleres Wynental, steht das Plakat eines Parteikollegen von Berner. «Lukas Spirig in den Grossen Rat» steht auf dem nüchternen Plakat, dazu noch «Weniger ist mehr». Wer den Kandidaten erkennen will – er steht oben rechts auf dem Plakat – braucht allerdings fast eine Lupe

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Gar keine Köpfe, dafür geballte Fäuste und eine stilisierte Blume finden sich auf auf einem Plakat der Juso im Zentrum von Unterkulm. «Büezer*innen wählen Juso» steht darüber – die Kommentare der rechtsbürgerlichen Gegner scheinen programmiert: «Warum soll ein Arbeiter die Jungsozialisten wählen, die haben ja selber noch nie gearbeitet.»

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Wie banal darf ein Wahlplakat sein? Diese Frage stellt sich unweigerlich, wenn man das Sujet der CVP am Strassenrand in Unterkulm steht: «Weniger links, weniger rechts, mehr Mitte. Deshalb wählen wir die Mitte».

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Eine sehr einfache Aussage findet sich auf dem Plakat des einzigen EDU-Grossrats, der nochmals kandidiert: «Rolf Haller, bisher». Am nächsten Kandelaber hängt übrigens das Plakat seines Bruders Thomas.

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Vor dem Gemeindehaus von Hallwil hängt ein Plakat der GLP, dahinter wirbt eine Kandidatin – nein, falsch, das Plakat mahnt Töff-Fahrer, nicht zu schnell zu fahren.

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Eine spezielle und nicht ganz legale GLP- Kombination findet sich in Niederlenz: Das Plakat mit dem Ja zu neuen Kampfflugzeugen passt zwar zur Parole der Grünliberalen für die Abstimmungen vom 27. September, müsste inzwischen aber wieder entfernt sein.

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CHRISTIAN kandidiert für die EVP für den Grossen Rat, auch der Nachname MINDER ist in Grossbuchstaben geschrieben – allerdings so mager, dass man ihn auf dem Plakat in Möriken-Wildegg von weitem kaum lesen kann.

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Die umgekehrte Strategie, wie die EVP-Kandidaten, verfolgt dieser SVP-Mann in Würenlingen. «Frei» steht gross auf dem Plakat, dass der Kandidat Patrick Philipp mit Vornamen heisst, wird erst aus der Nähe sichtbar.

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Entlang der Aaretalstrasse wirbt die SP mit ihren Slogans: «Zahlbare Gesundheit, Klimaschutz, Jetzt!» Dass es kalt ist und regnet, als die AZ vorbeifährt und das Plakat auf dem Areal eines Autohändlers steht, ist wohl Zufall.

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Die drei Fragezeichen – das war einst eine Kinderbuchserie. Die drei Freunde – das sind Miro Barp, Patrick von Niederhäusern und Daniel Zulauf, die zusammen für die SVP nach Aarau wollen. Ob sie es schaffen? Da dürften drei Fragezeichen angebracht sein…

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Robert Obrist sitzt für die Grünen bereits im Grossen Rat – das Kantonsparlament ist manchmal auch ein wenig ein Zirkus, deshalb passt der Standort seines Plakats neben dem des Circus Knie in Schinznach.

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Bisher sind die Freisinnigen im Grossen Rat nicht mit Vorstössen zu Pestiziden im Trinkwasser aufgefallen. Vielleicht würde sich das ändern, wenn Eveline Leutenegger gewählt wird, deren Plakat direkt unter dem Signal für eine Grundwasserschutzzone hängt.

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Eine programmatische Kombination zeigt sich auch in Brugg: Der bisherige SP-Grossrat Martin Brügger lächelt den Autofahrern vor einer Tafel entgegen, die Rechtsabbiegen verbietet.

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Mit einem farbigen Wortspiel und einer Hygienemaske versucht Doris Iten am Bahnhof Brugg, die Bevölkerung für ihre Wiederwahl zu begeistern. «Doris is it» heisst der Slogan wohl ausgeschrieben – zudem teilt Iten noch mit, in der Politik gehe es um Ziele, nicht um Sympathie.

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Konstruktiv, kompetent, konsequent – so präsentiert sich Harry Kühn. Mit dem Handy am Ohr wirkt der SVP-Kandidat, hier in Birmenstorf, ein bisschen wie ein Versicherungsberater. Oder einer, der jederzeit bereit ist, die Anliegen seiner Wähler aufzunehmen.

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Der einzige Grossrat, der bei den Sitzungen in der Umwelt Arena in Spreitenbach freiwillig eine Maske trug, präsentiert sich auf dem Plakat ohne: Lutz Fischer-Lamprecht zwischen Bahnlinie und Strasse kurz vor Baden.

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Christian Keller ist ein vehementer Gegner der Oase-Verkehrsprojekte im Siggenthal. So ist es naheliegend, dass sein Plakat bei einer Bushaltestelle steht – als VCS-Aargau-Präsident ist Keller ein Verfechter des öffentlichen Verkehrs.

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Marianne Binder, die Präsidentin der CVP Aargau, ist inzwischen Nationalrätin. Doch die «Kennedys aus Baden», wie die «NZZ» die Familie Binder einst bezeichnete, könnten bald wieder im Grossen Rat vertreten sein: Sohn Simon tritt an.

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Für die Grünliberalen wieder nach Aarau will Gian von Planta. Für unerfahrene Wähler ist das Plakat etwas verwirrlich, denn der GLP-Mann ist Grossrat, das Kantonsparlament ist der Grosse Rat – dass von Planta in den Grossrat gewählt wird, ist also unmöglich.

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Dreimal hinschauen muss man bei Plakaten im Zurzibiet: Ilona Mühlebach-Neff und David Burgherr treten zusammen auf einem Plakat auf – auf der einen Seite steht aber nur der Name der Frau, auf der anderen jener des Mannes. Und dann gibt es ein drittes Youtube-Plakat, auf dem beide Namen stehen – nach dem Slogan «Mitenand zwei Sitze».

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Vor dem AKW in Leibstadt, wo SVP-Ständerat Hansjörg Knecht herkommt, posieren nicht seine Parteikollegen. Nein, im Breitformat lächeln fünf CVP-Kandidaten den Zurzibietern entgegen.

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Für ein SVP-Gruppenbild muss man ein paar Kilometer weiter fahren – kurz vor Laufenburg präsentieren sich Christoph Riner und seine Kollegen im weissen Hemd, neben einem leicht windschiefen Schweizerfahne-Plakat.

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Ganz allein präsentiert sich hingegen Pirat Kilian Brogli – er zeigt nicht nur den Vulkanier-Gruss aus Star Trek, sondern versucht sich auch mit einem Reim: Fricktal – digital – deine Wahl.

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Daniel Urech will Schweizer Werte erhalten – dazu zählt offenbar auch das CH-Zeichen am Auto, das er in seinen Nachnamen integriert. Zu sehen ist das Plakat unter anderem in Boswil vor einem Parkplatz.

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Vor einer Baustelle und der Kirche Boswil präsentiert sich FDP-Kandidat Alexander Eigensatz mit dem Slogan «Wir brauchen Besser-Macher, keine Besser-Wisser!» Amen.

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Zwei grünliberale Strahlemänner posieren in bezirksübergreifender Einigkeit: Dominik Peter (Bezirk Bremgarten) und Hampi Budmiger (Bezirk Muri) auf einem Plakat in Waltenschwil – das liegt im Bezirk Muri, hier kann Peter nicht gewählt werden, ein paar hundert Meter weiter in Wohlen hingegen schon.

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Normalerweise hängen Wahlplakate relativ hoch oben am Kandelaber – hier grüsst SP-Kandidat Flurin Burkard die Autofahrer praktische auf Augenhöhe.

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Die wohl speziellste Kombination im Freiamt findet sich in Fischbach-Göslikon: Das Mohrenkopf-Plakat der SVP hängt über Dieter Egli, der für die SP in den Regierungsrat will. Wer am 18. Oktober wohl über einen Erfolg lacht?

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