Die Mobilität wächst in einem fast unvorstellbaren Ausmass, der Run auf das meistbesuchte Aargauer Amt nimmt ständig zu. Das zeigten Redner, Rundgang und teilweise unglaubliche Zahlen im erneuerten Strassenverkehrsamt Schafisheim.

«Im Mittel kommen täglich 1000 Lenker mit ihren Fahrzeugen, an Spitzentagen sind es bis 2500», sagt Johannes-Michael Baer, Leiter des Strassenverkehrsamtes.

Und das Telefon schrillt während der Öffnungszeiten von 7.30 bis 16 Uhr pausenlos. «Allein für die Zulassung der Fahrzeuge kommen 280 000 Anrufe pro Jahr», schiebt Baer nach.

Trotz ausgezeichneter Organisation im zweckmässig erneuerten Bau könne es Wartezeiten geben. Im Normalfall dauere ein Besuch nur 8 bis 10 Minuten, aber daraus könnten 30 bis 35 Minuten werden.

Vor allem am Vormittag von 9.30 bis 10.30 Uhr und am Nachmittag von 14.45 bis 15.30, wenn fast alle gleichzeitig kommen.

Freudentränen und Wutanfälle

So trocken der Name Strassenverkehrsamt auch tönt, mit der Fahrprüfung, dem Führerausweis und dem neuen Auto sind Emotionen verbunden, wie kaum irgendwo.

Das ist der Hauptgrund für den riesigen Ansturm, denn viel liesse sich bequem per Internet erledigen.

Aber die Leute wollen nicht einen Tag warten, bis die Autonummer per Post eintrifft, sie wollen sofort losfahren. Für Freudentränen sorgt die gelungene Fahrprüfung, die erste Fahrt, der neue Wagen, das glitzernde Motorrad.

Das Gegenteil geschieht beim Vollzug von jährlich 16 000 Massnahmen, die Hälfte davon Führerausweis-Entzüge. Manche Leute reagieren bis zum Gewaltausbruch, der Massnahmenschalter wurde deshalb durch schlagsicheres Glas verstärkt.

Glückliche oder unglückliche Kunden hin oder her, das Aargauer Strassenverkehrsamt hat allen Grund zum Feiern.

In nur zwei Jahren und unter Vollbelastung ist der vier Jahrzehnte alte Bau fast neuwertig saniert worden. Trotz der Kosten von 22,6 Millionen Franken zeigt der Rundgang, dass das Steuergeld sparsam eingesetzt wurde. Die 40 Jahre alten USM-Möbel hat man neu lackiert, die langen Gänge in fröhlich-warmem Gelb neu gestrichen.

Minergie und Solaranlage

Stark investiert hat der Kanton in die jetzt vorbildliche Gebäudetechnik. «Alles neu macht der Mai», meinte Landammann Roland Brogli vor den Einweihungsgästen aus Auto-Wirtschaft und Politik.

Die Hälfte der Heizenergie wird eingespart, die noch nötige Wärme wird mit Holzschnitzeln erzeugt. Der auf 280 Quadratmetern produzierte Solarstrom wird zu 95 Prozent ins Netz geliefert.

Die erhofften 52 250 Kilowattstunden pro Jahr könnten den Bedarf von 13 Einfamilienhäusern abdecken. «Damit übernimmt der Aargau eine Vorbildfunktion mit sauberer Energie», betonte Brogli an der Einweihung.

Symbolisch übergab er den Bau wieder ans Nutzerdepartement und in die Hände von Landstatthalter Urs Hofmann. Das Geschenk «Raum schaffen» des Künstlers Beat Hofer aus Rothrist übergab Brogli im Kleinformat, angepasst ans Sparpaket.

Wachstum von 200 Prozent

Der motorisierte Verkehr ist weiter auf Wachstumskurs, 2012 und 2013 stieg die Zahl der Fahrzeuge um 2,5 und 2,1 Prozent. Es läuft auch 2014 im gleichen Stil weiter.

«In 40 Jahren hat die Aargauer Bevölkerung um 40 Prozent zugelegt, die Motorisierung stieg jedoch um sage und schreibe 200 Prozent», betonte Landstatthalter Urs Hofmann.

Die Zahl der Fahrzeuge ist von 167 000 auf rund 513 000 gestiegen. 579 Fahrzeuge kommen jetzt auf 1000 Aargauerinnen und Aargauer. Jedes Jahr werden in Schafisheim 100 000 Fahrzeuge geprüft und 279 000 Lern-, Führer- und Fahrzeugausweise ausgestellt.

Den 190 Angestellten des Strassenverkehrsamtes geht die Arbeit wahrlich nicht aus. Dank guter Organisation können sie den Verkehr bewältigen.

Dies im Gegensatz zu vielen Strassen, wo die Staus immer länger werden. Für heute Samstag ist die Bevölkerung zum Tag der offenen Tür in Schafisheim eingeladen, Besichtigungen von 12 bis 17 Uhr.