Südwestumfahrung Brugg

Strassengegner im Aargau: «Wir kämpfen auch gegen künftige Projekte»

Auch bei künftigen Umfahrungs-Projekten ist mit ähnlicher Werbung der politischen Gegner zu rechnen.

Auch bei künftigen Umfahrungs-Projekten ist mit ähnlicher Werbung der politischen Gegner zu rechnen.

Auch die 68 Prozent Ja-Anteil des Aargauer Stimmvolks kann die Gegner nicht verunsichern. Die grundsätzliche Frage sei geblieben, sagen die SP Aargau und weitere Parteien. Es brauche andere Lösungen für die wachsende Mobilität.

Die Zustimmung der Aargauer zu neuen Strassen ist ungebrochen: Vor zwei Jahren sagte das Stimmvolk mit 60 Prozent Ja zu Mellingen, Anfang März mit 73 Prozent Ja zu Lenzburg, jetzt mit 68 Prozent Ja zur Südwestumfahrung Brugg.

Für die Gegner vom Komitee «Nein zur Strassen-Mogelpackung» ist das frustrierend – aber so schnell werfen sie die Flinte nicht ins Korn.

Für viele wirkt schon das schwache Ja in der Stadt Brugg mit knapp 53 Prozent ermutigend. Leute mit Ortskenntnissen hätten erkannt, dass die Umfahrung die erhoffte Wirkung nicht bringe, sagten die befragten Parteisprecher.

Im Grundsatz unverändert

«Wenn neue Strassen nicht mehr in die heutige Zeit passen, kämpfen wir dagegen», sagt SP-Grossrat und Co-Fraktionschef Dieter Egli (Windisch). Denn die grundsätzliche Frage sei geblieben, irgendwann werde die Strasseneuphorie zu Ende sein, mangels Geld und Platz oder wegen der Opposition.

In der SP gebe es sicherlich Leute, die keine neue Strassen mehr wollten. Entscheidend sei die Frage, ob der zusätzliche Verkehr verkraftbar sei.

Die kritische Haltung bleibe, einzig der Weg sei offen: «Statt des Behörden-Referendums im Parlament könnte ich mir auch ein Volksreferendum vorstellen.» Das sei zwar mühsamer, aber dafür wisse die Bevölkerung besser Bescheid.

Von ihrer kritischen Haltung will auch die GLP nicht abweichen, sagt Nationalrat Beat Flach (Auenstein). «Am Grundproblem hat sich nichts geändert, neue Strassen bringen keine Lösung, der Verkehr wird nur verlagert», meint Flach.

Es gehe doch darum, den «Landverschleiss zu bremsen und mit kreativen Lösungen die vorhandenen Systeme besser auszunützen», ist der GLP-Mann felsenfest überzeugt.

Grossrat Samuel Richner (Auenstein) erklärt, die EVP entscheide grundsätzlich projektbezogen, aber in Brugg habe der Ausbau des Knotens Neumarkt und das Verkehrs-Management auch aus Sicht des Bundes eine viel höhere Priorität.

Die Brugger hätten erkannt, «wie wenig das Projekt bringt». Gleicher Meinung ist BDP-Grossrat Roland Basler (Oftringen): «Wir sind nicht grundsätzlich gegen neue Strassen, sagen aber nicht um jeden Preis Ja», lautet das Credo der BDP. Im Kanton der Regionen habe das Motto gespielt, «gibst Du mir eine Umfahrung, gebe ich Dir auch eine».

Kritik an Verhinderungs-Politik

Die Aargauische Verkehrs-Konferenz freut sich am klaren Ja und kritisiert gleichzeitig den VCS Aargau und ähnliche Organisationen, «weil sie die Umfahrung Mellingen mit Beschwerden blockieren».

Das geschehe deshalb, weil sich die Rodungen an der Reuss in einer schützenswerten Landschaft befänden. «Diese Grundsatzfrage wollen wir klären, ein Weiterzug ist offen», versichert VCS-Präsident und SP-Grossrat Jürg Caflisch (Baden). Aber in Brugg «wird der VCS nicht mit Einsprachen kommen», verspricht der Präsident.

Viel Geduld brauchen die Bewohner der Region Brugg-Windisch so oder so: Im Frühjahr 2014 will der Kanton das Projekt öffentlich auflegen.

Falls sich die Einsprachen in Grenzen halten, «folgt im Jahr 2015 der Landerwerb und dann der Baubeginn 2016/17», rechnet Kantonsingenieur Rolf H. Meier vor. Die Bauzeit beträgt wie in Mellingen auch um die zweieinhalb Jahre. Das Ziel könnte 2019 erreicht sein.

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