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Kanton gibt Gas beim Strassenbau: Drei Grossprojekte sind bald fertig – und hier gibt es Probleme zu lösen

Dieses Jahr startet der Kanton zahlreiche neue Strassenprojekte. Es sind Investitionen von 220 Millionen Franken geplant. Drei von sechs laufenden Grossprojekten will der Kanton 2022 abschliessen, darunter mit Zeitvorsprung die Umfahrung Mellingen. Für die Umfahrung Bad Zurzach braucht es aber mehr Geld. Eine Übersicht.

Mathias Küng
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Bald keine Visualisierung mehr, sondern Realität: Die Umfahrung Mellingen, die lange stark umstritten war, soll noch dieses Jahr fertiggestellt werden.

Bald keine Visualisierung mehr, sondern Realität: Die Umfahrung Mellingen, die lange stark umstritten war, soll noch dieses Jahr fertiggestellt werden.

zvg

Die geplanten Gesamtinvestitionen für 2022 in den Ausbau und den Unterhalt der Strasseninfrastruktur im Kanton Aargau liegen erneut auf einem hohen Niveau, wie der Kanton mitteilt. Sie sind mit 220 Millionen Franken veranschlagt. Davon entfallen 145 Millionen Franken auf den Neubau, die Umgestaltung und die Verbesserung der Verkehrssicherheit von Kantonsstrassen. Für den Werterhalt von Strassen, Brücken und Tunnel werden 62 Millionen Franken eingesetzt.

1 Million Franken pro Arbeitstag

Für gesetzlich vorgeschriebene Lärmsanierungsmassnahmen sind 9 Millionen Franken geplant. Der Ausbau des kantonalen Radroutennetzes ist mit 4 Millionen Franken veranschlagt.

220 Millionen Franken sind sehr viel Geld. Es brauche derzeit so viel, weil gleichzeitig nebst vielen kleineren auch sechs Grossprojekte im Bau sind, sagt Kantonsingenieur Rolf H. Meier. So wird derzeit faktisch pro Arbeitstag eine Million Franken verbaut. Das Geld in der Strassenkasse schwindet entsprechend schnell, allerdings sei das auch geplant, betont Meier: «Ab 2024 wird es kleinere Programme geben, dann füllt sich auch die Strassenkasse langsam wieder, damit dann genug drin ist fürs nächste geplante Grossprojekt, die Umfahrung Suhr.»

Pont Neuf: Erste Fahrspur auf der neuen Brücke wird im Herbst verlegt

So sieht’s derzeit beim Pont Neuf aus (Aufnahme vom 12. Januar 2022)

So sieht’s derzeit beim Pont Neuf aus (Aufnahme vom 12. Januar 2022)

Nadja Rohner

Wie in den letzten Jahren liegt das Schwergewicht auf sechs Grossbaustellen. Weiter laufen der Ersatz der Aarebrücke Aarau (Pont Neuf), der Bau der Ostumfahrung Zurzach und die Sanierung der Kantonsstrasse im Bereich Schadenmühle in Baden.

Beim Pont Neuf wird der Rohbau laut Meier bis im Herbst so weit fertig sein, dass auf der neuen Brücke die erste Fahrspur gelegt werden kann. Fertig sein wird die Brücke 2023, dann folgen die Umgebungsarbeiten und der Rückbau der Ersatzbrücke. Für den Pont Neuf musste ja ein Nachtragskredit gesprochen werden. Das Geld reiche jetzt, versichert Meier: «Die grossen Risiken Baugrund und Aareufer sind überwunden. Jetzt folgen aufwendige Betonierungsarbeiten, das haben wir aber im Griff.»

Rolf H. Meier, Kantonsingenieur.

Rolf H. Meier, Kantonsingenieur.

Chris Iseli

Bei der Umfahrung Mellingen dem Zeitplan weit voraus

Schon zum Abschluss gelangen sollen die Südwestumfahrung Sins, die Sanierung der Angliker-/Nutzenbacherstrasse in Villmergen/Wohlen sowie – mit rund neun Monaten Terminvorsprung – die Umfahrung Mellingen. Neu in Angriff genommen wird Mitte Jahr die erste Etappe der Neugestaltung der K242/K210 Aarau–Buchs–Suhr.

Dass man in Mellingen so rasch vorankommt, habe damit zu tun, dass man besser als erwartet mit dem feuchten Baugrund zurande kam, und dass der Bauunternehmer sehr gut organisiert sei, so der Kantonsingenieur. Wetter und Corona hätten auf den Fortgang der Arbeiten kaum Einfluss gehabt. Auch kostenmässig erwartet Meier «eine Ziellandung».

In Bad Zurzach reicht der Kredit nicht

Nicht so gut sieht es dafür bei der Umfahrung Bad Zurzach aus. Baulich sei man zwar gut unterwegs, doch auch hier zeigten sich Tücken des Baugrunds. Meier: «Wir sind hier an einem Rutschhang. Das wussten wir und kalkulierten es mit ein. Das Gelände erwies sich aber als noch schwieriger als erwartet. Deshalb müssen wir einen Nachtragskredit beantragen.» Am Montag muss er den Antrag dazu bei der grossrätlichen Baukommission (UBV) vertreten.

Bei der Baustelle der Ostumfahrung Zurzach, hier im April 2021, gibt es einige Herausforderungen mit dem Untergrund zu bewältigen.

Bei der Baustelle der Ostumfahrung Zurzach, hier im April 2021, gibt es einige Herausforderungen mit dem Untergrund zu bewältigen.

Alex Spichale

Mittlere und kleinere Projekte in allen Regionen

Mittlere und kleinere Bau- und Instandsetzungsprojekte werden wiederum in allen Regionen umgesetzt. So beginnen zum Beispiel die Bauarbeiten in Merenschwand für den Kreisel Hirschen (K 260), in Gränichen für den Knoten Oberfeld (K 242), in Schinznach-Bad (K 473) die Verstärkung und Instandsetzung der Aarebrücke und der SBB-Brücke sowie in Stein/Bad Säckingen die Instandsetzung der Rheinbrücke inklusive der dazugehörigen Personenunterführung.

Neue Radwegabschnitte und behindertengerechte Bushaltekanten

Neue Radwegabschnitte werden zwischen Niederwil (Reusspark) und Fischbach-Göslikon und in Bremgarten erstellt. Im Rahmen der Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes wird der Umbau von Bushaltestellen/-kanten an Kantonsstrassen für den barrierefreien Einstieg weiter vorangetrieben. 21 Prozent der Haltestellen aus dem definierten Grobnetz sind bereits angepasst, die restlichen befinden sich in der Projektierungsphase.

Die Herausforderungen durch Building Information Modeling (BIM) geht die Abteilung Tiefbau gemäss einer Mitteilung gezielt an. Bei dieser Methode werden alle relevanten Bauwerksdaten digital modelliert, kombiniert und erfasst. Das Bauwerk ist als virtuelles Modell auch geometrisch visualisiert. 2022 werden rund zwei Dutzend solche Projekte geplant oder ausgeführt. Ab 2025 soll BIM bei allen neu startenden Projekten standardmässig eingesetzt werden.

In der Karte des Kantons finden Sie eine aktuelle Übersicht des Bauprogramms 2022:

Informationen zu allen laufenden und geplanten Bauprojekten sind über folgenden Link im Internet abrufbar: www.ag.ch/bauprogramm

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