Geisterjagd
Stimme aus dem Jenseits: «Ich starb mit 22 Jahren – unfreiwillig»

Mit den Geisterjägern Anita Voser und Tom Frei aus Safenwil hat die AZ im Oensinger Schloss Neu-Bechburg probiert, mit paranormalen Wesen zu kommunizieren.

Nora Güdemann
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Das Schloss Neu-Bechburg in Oensingen Die Burg wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut – im 14. Jahrhundert wurde Raubritter Kuoni im Wehrturm eingemauert und soll seither dort spuken. In einer eisigen und verschneiten Nacht traf sich die AZ zusammen mit zwei Aargauer Ghosthunters zur Geisterjagd. Das Ziel: Mit Kuoni Kontakt aufnehmen.
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Das ist Anita Voser, Geisterjägerin und Vorstandsmitglied des Vereins Ghosthunters Schweiz.
Hier ihr Kollege Tom Frei, Geisterjäger und Präsident des Vereins Ghosthunters Schweiz.
Im Wehrturm des Schlosses Nach einer kurzen Lagebesprechung machen sich die Geisterjäger zusammen mit Schlosswart Patrick Jakob auf in den Wehrturm der Burg.
Im Wehrturm des Schlosses Hinter dieser Mauer soll Raubritter Kuoni in einer kleinen Kammer zu Tode gekommen sein – historisch belegt ist das jedoch nicht.
Im Wehrturm des Schlosses Tom Frei inspiziert die Mauer. Doch genau wie seine Kollegin Anita Voser spürt der Geisterjäger keine paranormalen Energien. Da Voser aber im unteren Stockwerk etwas wahrgenommen hat, schreiben wir Kuoni ab.
Ghosthunter-Equipment Frei und Voser sind professionell ausgerüstet. In den Koffern transportieren sie allerlei Gerätschaften, mit denen die Kontaktaufnahme beziehungsweise das Aufspüren von Geistern erleichtert wird. Hier sind sie auf dem Rückweg in das zweite Geschoss der Burg – dort hat Anita Voser die Anwesenheit eines Geistwesens gespürt.
Ein junger Mann im Nachthemd Vor der Kaplanstube halten wir an. Die Geisterjägerin Anita Voser erzählt hier von einem Geist, der momentan direkt rechts neben ihr stehe. Es sei ein junger Mann mit zarter Haut, der ein Nachthemd trägt.
Tom Frei macht sich für den Einsatz parat
Ghosthunter-Equipment "In dieser Flasche ist ein Band mit einer Glocke befestigt", erklärt Frei. Die Flasche stelle man in einem Raum auf, in dem man Spuk vermutet. "Das Glöckchen hat keinen Kontakt zur Flaschenwand. Doch ein Geistwesen kann es zum Klingeln bringen", so der Geisterjäger.
Ghosthunter-Equipment Diese Kamera projiziert kleine Laserpunkte auf eine Wand und filmt gleichzeitig. Die Geisterjäger nennen das Gerät "Ghostlaser".
Ghosthunter-Equipment "Wir verwenden den Ghostlaser um eine Wand oder einen Gang damit auszuleuchten, stellen dazu noch eine Kamera auf und fertig ist eine passive Überwachung", so Geisterjäger Frei. "Geht jetzt ein Geistwesen durch das Laser-Streufeld, sieht man dies danach auf den Aufnahmen der Kamera."
Ghosthunter-Equipment Die Flasche wird auf einem Tisch in der Studierstube platziert.
Ghosthunter-Equipment Rechts neben der Flasche liegt das so genannte "Ghostmeter Pro". Dieses sei ein Gerät, das Elekromagnetfelder misst. "Es unterscheidet zwischen jungen und alten Geistern. Dazu kommt ein Kommunikationsmodus, bei dem es möglich ist, mit dem Geistwesen zu sprechen", erklärt Tom Frei.
Ghosthunter-Praxis Der Geisterjäger Tom Frei macht sich ständig Notizen und dokumentiert zum Beispiel die Temperatur in den Räumen.
Ghosthunter-Praxis Geisterjägerin Anita Frei fotografiert jeden Raum mehrmals um mögliche Spuk-Phänomene auch bildlich festzuhalten. "Ausserdem mache ich Referenzbilder", erklärt sie. «Damit wir später Veränderungen besser feststellen können.» Denn manchmal würden die Geister Gegenstände verschieben und auch an merkwürdigen Schatten könne man die Wesen aus der anderen Welt identifizieren.
Geist Gottlieb in der Kaplanstube In der Kaplanstube der Burg wollen Voser und Frei probieren, mit einem Geist zu kommunizieren.
Geist Gottlieb in der Kaplanstube Dafür stellen sie einen "Rem Pod" auf. "Ein Rem-Pod erzeugt ein eigenes Elektromagnetfeld und gibt einen Alarm aus, wenn dieses Feld gestört wird. Dadurch lässt sich feststellen, ob sich in der Umgebung des Rem-Pods Geister aufhalten", sagt Ghosthunter Frei.
Geist Gottlieb in der Kaplanstube Der Rem-Pod fällt zwischen den altertümlichen und antiken Gegenständen der Kaplanstube besonders auf.
Geist Gottlieb in der Kaplanstube Das Licht wird ausgeschaltet. Tom Frei startet jetzt den ersten Versuch, mit dem Geist Kontakt aufzunehmen.
Geist Gottlieb in der Kaplanstube Tom Frei schaltet zwei Aufnahmegeräte ein. Dann stellt er dem Geist Fragen und lässt ihm Zeit, diese zu beantworten. Beim Abhören des Bandes ist tatsächlich ein seltsames Geräusch vernehmbar – ein Stöhnen, dass die Geisterjäger aber nicht richtig einordnen können.
Auf Geisterjagd im Oensinger Schloss Neu Bechburg
Geist Gottlieb in der Kaplanstube Über die "Spirit Box" erzählt der Geist unter anderem, dass er Gottlieb heisse, 22 Jahre alt sei und starb, weil er "von den Bergen gestossen" wurde. Anita Voser hört die Worte Gottliebs durch ihre Kopfhörer und gibt diese dann weiter.
Geister haben einen freien Willen Nachdem Gottlieb keine Lust mehr hatte, mit Anita Voser zu kommunizieren, machen sich die beiden Geisterjäger auf, die anderen Räume der Burg nach paranormalen Aktivitäten zu durchsuchen. Doch auch hier läuft nicht mehr viel. "Geister haben, wie wir Menschen, einen eigenen Willen", resultiert Tom Frei.
Der Orb Tage nach unserer Geisterjagd schickte Tom Frei dieses Bild. Er habe die Fotografien ausgewertet und dabei sei ihm ein "Orb" aufgefallen. "Orbs kann man auch Geisterflecken nennen", erklärt er. "Das sind Seelen, bestehend aus gebündelter Energie. Sie reflektieren Licht, weshalb man sie fotografieren kann."

Das Schloss Neu-Bechburg in Oensingen Die Burg wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut – im 14. Jahrhundert wurde Raubritter Kuoni im Wehrturm eingemauert und soll seither dort spuken. In einer eisigen und verschneiten Nacht traf sich die AZ zusammen mit zwei Aargauer Ghosthunters zur Geisterjagd. Das Ziel: Mit Kuoni Kontakt aufnehmen.

Hansruedi Aeschbacher

Zwischen massiven Felsen und verschneiten Wäldern thront das Schloss Neu-Bechburg in Oensingen. Die Burg besteht aus einem langen Bau mit zwei Türmen und imposanter Fassade. Die Aussicht von der Terrasse der Burg ist atemberaubend, das Interieur simpel, die Temperatur in den rund 500 Jahre alten Gewölben eisig kalt. Im Schloss fühlt man sich wie ein Burgherr im Mittelalter, stark, unbesiegbar, einflussreich. Doch ab und an läuft einem ein Schauer über den Rücken, die Nackenhaare stellen sich auf, oder einem wird mulmig zumute – als sei noch jemand im Raum, den man weder sehen, noch berühren kann.

Geister? Womöglich. Der Legende nach wurde im 14. Jahrhundert Ritter Kuoni im Wehrturm eingemauert. Kuoni war ein böser Kerl, ein Raubritter, ein «Frauenschreck». Vielleicht hatte er die Pest oder war psychisch krank und wurde deswegen mit drastischen Mitteln in Schach gehalten. Seine Ruhe hat er auf jeden Fall nicht gefunden, denn noch immer soll Kuoni im Wehrturm spuken. Bereits mehrere Male wurde probiert, mit dem toten Ritter Kontakt aufzunehmen und ihn ins Jenseits zu führen. Vergeblich. Sämtliche Kommunikationsversuche scheiterten. Entweder funktionierte das Equipment der arrangierten Geisterjäger nicht mehr oder Kameras und Aufnahmegeräte quittierten ihren Dienst.

«Nicht erschrecken!»

Tom Frei und Anita Voser sind Vorstandsmitglieder des Vereins «Ghosthunters Schweiz». Die Safenwiler gehen paranormalen Aktivitäten in Häusern und Burgen nach und sind Protagonisten einer eigenen TV-Serie. Zusammen mit Frei und Voser macht sich die AZ-Journalistin auf den Weg zum Schloss Neu-Bechburg in Oensingen– fest entschlossen, den dortigen paranormalen Begebenheiten auf den Grund zu gehen. Schon vor unserer Geisterjagd freuten sich die Ghosthunters auf den Einsatz: «Da geht geistertechnisch sicher viel», war Tom Frei überzeugt.

In einer eiskalten Nacht treffen wir uns im Schloss. Draussen ist es stockdunkel, es schneit. In der Küche, dem Herzstück der Burg, wärmen wir uns mit Kaffee auf. Lagebesprechung. Die Geisterjäger, ausgerüstet mit grauen Koffern und roten «Ghosthunters»-Gilets, sind einsatzbereit. Schlosswart Patrick Jakob hält sich etwas skeptisch zurück. Er wolle nicht, dass etwas durcheinandergebracht wird. Das habe man auch nicht vor, versichert Geisterjäger Tom Frei. «Wir wollen nur Kontakt mit den Geistwesen aufnehmen.» Plural? Frei ist sich sicher, dass nicht nur Kuonis Seele noch immer unter uns weilt, sondern auch andere Geister.

Der Schlosswart führt uns in den Wehrturm, wo der mutmassliche Raubritter in einem Kämmerchen ausserhalb der Mauern seinen Tod gefunden haben soll. Auf dem Weg gibt Geisterjägerin Anita Voser Anweisungen: «Nicht erschrecken, wenn euch plötzlich an den Haaren gezogen wird oder ihr geschubst werdet. Das sind die Geistwesen. Sie wollen nichts Böses, aber das kann passieren. Ihr braucht keine Angst zu haben.»

Der Satz hallt nach, erinnert an vermeintlich harmlose Szenen in Horrorfilmen, die dann zu Massakern eskalieren. Doch auf das ausgestossene Adrenalin folgt die grosse Ernüchterung. Wir stehen vor besagter Mauer, quasi vor dem Leichnam Kuonis, doch die beiden Geisterjäger machen keine Anstalten, ihre Arbeit zu beginnen. «Ich spüre hier gar nichts», sagt Tom Frei. Kollegin Voser nickt. «Nein, hier ist niemand. Aber unten, da war was.» Konkret meint Voser Energien. Geister brauchen Energie und diese entziehen sie ihrer Umwelt. Deswegen würde es bei ihrer Anwesenheit auch kälter werden, erklärt sie. Und diese Veränderung habe sie gespürt. Kuoni wird also abgeschrieben.

Ein junger Mann mit zarter Haut

Ein Stockwerk tiefer haben wir mehr Glück. Voser stösst auf paranormale Aktivitäten: «Hier. Ich habe einen Namen im Kopf», sagt sie, als wir vor der Studierstube der Burg stehen. Geisterjäger Tom Frei erklärt: «Anita spürt die Anwesenheit von Geistwesen und sieht ihre Gestalten.» Ich spüre, ausser meinen tauben Fingern, nichts.

Voser fängt an, von einem jungen Mann im Nachthemd zu erzählen. Er sei klein, habe zarte Haut und stehe direkt neben ihr. Die zwei Geisterjäger machen sich einsatzbereit. Aus den Koffern holen sie allerlei Apparaturen: Ein rundliches Gerät mit Antenne stellen sie in der Mitte der Stube auf. Es misst Magnetfelder und sollte ein Geist in der Nähe sein, schlägt es Alarm. Kaum eingeschaltet, fängt es an zu piepsen. «So schnell gings noch nie», meint Geisterjäger Frei. Ein gutes Zeichen. Anita Voser fängt an, den Raum zu fotografieren: «Damit wir später Veränderungen besser feststellen können.»

Denn manchmal würden die Geister Gegenstände verschieben und auch an merkwürdigen Schatten könne man die Wesen identifizieren. Damit sie die Resultate selbst nicht verfälschen, sind die Geisterjäger mit Körperkameras ausgerüstet. «Später werden wir das gesamte Material sichten und auswerten», erklärt Tom Frei. Als sich die Ghosthunters eingerichtet haben, nehmen wir auf dem Boden des Raums Platz. Das Licht wird ausgemacht, Schlosswart Jakob steht im Türrahmen und schaut zu. Er hat schon einige Geisterjäger im Schloss empfangen und auch selbst paranormale Erfahrungen gemacht (siehe Artikel unten). In der Dunkelheit fängt die Fantasie an, Streiche zu spielen: Man sieht verdächtige Schatten, die Gesichter porträtierter Personen an den Wänden verwandeln sich in Fratzen – und dann gilt es ernst.

«Von den Bergen gestossen»

Tom Frei schaltet zwei Aufnahmegeräte ein und stellt sich den Geistern vor: «Hallo. Wir wollen Kontakt mit dir aufnehmen. Wie heisst du? Wie lange bist du schon hier? Melde dich doch bitte.» Im Raum ist es mucksmäuschenstill. Ein paar Minuten führt der Geisterjäger einen Monolog, danach hört er das Band ab. Ein seltsames Stöhnen ist darauf zu hören. Ein Geist? Wir wissen es nicht – noch nicht. Anita Voser soll Aufschluss bringen. Kollege Frei verbindet der Geisterjägerin die Augen und setzt ihr Kopfhörer auf, die mit einer Art Radio verbunden sind. «Sie hört jetzt nur weisses Rauschen. Das Geistwesen kann aber über das Gerät kommunizieren und Anita gibt die Wörter weiter», erklärt er.

Wir warten. Die Spannung droht abzufallen, bis Voser plötzlich anfängt zu sprechen: «Sieben, Gottlieb, Gödu, Mann, Grabstelle.» Die ersten Worte aus dem Jenseits. Tom Frei unterhält sich via Voser mit einem Geist, der Gottlieb genannt wurde. Es ist der Mann im Nachthemd, den die Voser vorher gesehen hat. «Gödu» erzählt, dass er 22 Jahre alt gewesen sei, als er starb. Sein Tod war nicht freiwillig. Er wurde von den «Bergen gestossen». Früher habe Gottlieb in Aarau gearbeitet und mit Ordnern zu tun gehabt. Frei fragt weiter, wo er begraben und wie lange er schon tot sei, doch «Gödu» hat keine Lust mehr, über sich zu reden. Viel lieber zieht er über einen anderen Geist her – Louise, eine Haushälterin: «Sie esch breit und blöd!».

Gottlieb teilt uns noch ein paar Worte mit, die keinen Sinn ergeben. Dann herrscht Funkstille. Voser nimmt Augenbinde und Kopfhörer ab. «Er hatte eine feine Stimme», sagt sie. Tom Frei macht das Licht wieder an. Die beiden scheinen nicht beeindruckt zu sein, gerade mit einem Toten gesprochen zu haben. Ihr Vorgehen wirkt so technisch und professionell – als wäre ein Plausch mit einem Geist das normalste der Welt.

Wir probieren, im restlichen Schloss weitere Wesen aufzuspüren, doch mit uns will niemand kommunizieren: «Es ist ruhig», stellt Geisterjäger Frei fest. «Zu ruhig.» Wieder so ein Horrorfilm-Satz. «Wie wir Menschen haben auch Geister einen eigenen Willen. Wenn sie nicht wollen, zeigen sie sich nicht.» Nach der Tour sitzen wir wieder in der Küche der Burg. Und vielleicht hat Gottlieb neben uns Platz genommen und Haushälterin Louise steht am Herd.

Nachgefragt beim Spukforscher: «Auf diesem Gebiet gibt es viele Scharlatane» Hans Peter Roth, denken Sie, dass es Geister gibt?

Ja, davon bin ich überzeugt. Bei meiner Arbeit habe ich von Spukphänomenen gehört, die man physikalisch nicht erklären kann. Jedoch spielt die Fantasie bei der Wahrnehmung solcher Begebenheiten auch eine grosse Rolle.

 Hans Peter Roth ist Spukforscher und Autor der Bücher «Das Geheimnis der Kornkreise» und «Orte des Grauens in der Schweiz».  

Hans Peter Roth ist Spukforscher und Autor der Bücher «Das Geheimnis der Kornkreise» und «Orte des Grauens in der Schweiz».  

ZVG

Kann man der Arbeit von Geisterjägern trauen?

Grundsätzlich halte ich es für möglich, dass man mit Geistern Kontakt aufnehmen kann. Einige Menschen verfügen auch über entsprechende Fähigkeiten. Doch man muss aufpassen, denn in diesem Gebiet gibt es viele Scharlatane. Das Problem ist, dass man nicht nachprüfen kann, ob die Informationen authentisch wiedergegeben werden.

Was tun, wenn es daheim spukt?

Es bringt viel, sich mit der Geschichte des Hauses auseinanderzusetzen. Das kann sehr aufschlussreich sein und erklärt viele Phänomene.