Stiftung Reusstal
Stiftung Reusstal: Hüterin der schönsten Flusslandschaft

An ihrer Jahresversammlung in Bremgarten unter der Leitung von CVP-Grossrätin Alexandra Abbt, Islisberg, feierte die Stiftung Reusstal das 50-jährige Bestehen. Eine Jubiläumsfeier für ein Pionierwerk des Natur- und Landschaftsschutzes.

Hans-Peter Widmer
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Das Reussufer in Rottenschwil hat einiges für die Naturbeobachtung zu bieen. (Archiv)

Das Reussufer in Rottenschwil hat einiges für die Naturbeobachtung zu bieen. (Archiv)

Sie wurde für ihr Wirken von Grossratspräsidentin Kathrin Scholl-Debrunner und Regierungsrat Peter C. Beyeler sowie von Stadtammann Raymond Tellenbach, Bremgarten, und Gemeindeammann Romuald Brem, Rottenschwil, gelobt. Bau- und Umweltdirektor Beyeler bekam Applaus auf die Bemerkung, für ihn gebe es keine Diskussion über weitere Kraftwerke an der Reuss im Aargau.

Dass die Reussebene zwischen Sins und Bremgarten eine weiträumige Kulturlandschaft mit einer für das Schweizer Mittelland einmaligen Dichte an Schutzgebieten und Lebensräumen blieb und dass die Reuss von Bremgarten bis Windisch ihren natürlichen Lauf bewahrte, ist wesentlich das Verdienst der Stiftung Reusstal. Ihre Gründung im Herbst 1962 war eine Reaktion auf damals aktuelle Konzepte, die gravierende Auswirkungen auf diese Flusslandschaft gehabt hätten.

«Freie Reuss» – vom Volk gewollt

Die durch einen Dammbruch bei Merenschwand bewirkte Hochwasserkatastrophe am 2. Juni 1953 löste ein Projekt zur Sanierung der Reussebene mit einem technokratischen Ansatz – einer Totalausräumung der Landschaft – sowie einen Wasserwirtschaftsplan aus, der 15 Kraftwerkstufen zwischen Luzern und Brugg-Windisch samt der Schiffbarmachung der Reuss vorsah. Das wollte die neue Stiftung Reusstal verhindern.

Sie lancierte 1963 die Volksinitiative «Freie Reuss», die vom Aargauervolk 1965 angenommen wurde und zum Reusstalgesetz führte. Es regelte den Hochwasserschutz, die Melioration und den Natur- und Landschaftsschutz in der Reussebene. Darin wurden 250 Hektaren Naturschutzzonen und Reservate rechtlich verankert; in den ursprünglichen Sanierungsplänen waren nur 77 Hektaren vorgesehen.

Ausgewogener Prozess

Mittlerweile sind es durch kontinuierliche Landkäufe und Renaturierungsprojekte der Stiftung Reusstal rund 300 Hektaren geworden. Ohne bauliche Eingriffe – Hochwasserdämme, Entwässserungskanäle, Pumpanlagen – ging es freilich nicht, als man sich 1971 zur Reusstalmelioration anschickte, um die Überschwemmungsgefahr zu bannen und die Landwirtschaftsflächen zu arrondieren. Aber das geschah in einem ausgewogeneren Prozess, der die Interessen des Wasserbaus, der Elektrizitätswirtschaft, der Landwirtschaft und des Natur- und Landschaftsschutzes berücksichtigte.

So blieb der 57 Kilometer lange Lauf der Reuss im Aargau eine der besterhaltenen Flusslandschaften des Mittellandes und ein Hotspot für Feuchtbiotope. Artenreiche Pfeifengraswiesen, Kleinseggen- und Hochstaudenriede, die Reste der ehemaligen Reussauen und Altwasser sind Rückzugsgebiete für bedrohte Pflanzen und Tiere und Refugien von eindrücklicher Schönheit und Vielfalt.

Die Reusstaler Typlandschaft gehörte zu den ersten 65 Objekten, die 1977 ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen wurden. Der Perimeter erstreckt sich über 31 Gemeinden in den Kantonen Aargau, Zug und Zürich.

Lösungsorientierte Haltung

Anders als in einem Nationalpark, der sich durch ein Nichteingreifen des Menschen auszeichnet, wird in der Kulturlandschaft Reusstal ein gelenkter Naturschutz praktiziert. Das ist für kompromisslose Natur- und Landschaftsschützer nicht unbedenklich. Aber die Reusstalsanierung ist und bleibt ein Werk des Kompromisses – einer nicht reibungslosen, aber letztlich nutzbringenden Zusammenarbeit zwischen vielen Partnern.

Die Stiftung Reusstal hat sich dabei durch eine konstruktive, lösungsorientierte Haltung Respekt verschafft und an der Jubiläumsfeier Grund genug gehabt, Pioniere zu würdigen wie Jakob Zimmerli, Erich Kessler, Hans-Ulrich Staufer, Richard Maurer, Walter Leuthard, Elisabeth Sailer – und Josef Fischer, Geschäftsführer und Seele der Institution.

Der Stiftungsrat erfuhr von einem neuen Legat aus Immobilien und Geld im Wert von 1,4 Millionen Franken, das der Stiftung ein verstorbener Bewohner des Reusstals vermacht hat.