Bezirksgericht Zofingen

Stiftin im Altersheim vergewaltigt? Kochlehrling wird einstimmig freigesprochen

Im Lehrbetrieb ging zudem das Gerücht um, die beiden seien ein Paar. (Symbolbild)

Im Lehrbetrieb ging zudem das Gerücht um, die beiden seien ein Paar. (Symbolbild)

Am 8. November stand ein 29-Jähriger wegen mehrfacher Vergewaltigung und sexueller Nötigung vor dem Bezirksgericht Zofingen. Er wurde beschuldigt, sich während seiner Lehre zum Koch an seiner Unterstiftin vergangen zu haben. 

Die heute 26-jährige Schweizerin sagte vor Gericht aus, der Mann habe sie während der Arbeit unsittlich berührt und später mehrere Male vergewaltigt. «Er fasste mir an die Brüste, an den Po oder zwischen die Beine», sagte die junge Frau. Dabei habe er ihr gedroht, wenn sie jemandem etwas sagen würde, würde er ihren Eltern etwas antun. Die beiden absolvierten im selben Betrieb, einem Altersheim in der Region Zofingen, ihre Ausbildung als Koch.

Der Beschuldigte wies die Vorwürfe von sich. «Wir hatten Oralsex und Petting», gab der Mann an. «Aber es geschah alles in gegenseitigem Einvernehmen.»

Sie beide hätten ein gutes Verhältnis gehabt, seien Freunde gewesen. Er sei ausserdem in seine Unterstiftin verliebt gewesen, was diese auch gewusst habe. «Sie war sich aber unsicher, ob sie eine Beziehung mit mir wollte», erinnerte sich der Beschuldigte. Zu keinem Zeitpunkt habe sie ihm gesagt, dass sie keinen sexuellen Kontakt mit ihm wolle. Vielmehr habe sie mit ihm geflirtet, ihm ebenfalls eindeutige Avancen gemacht.

Den Eltern vorgestellt

Die Version des Beschuldigten wird von Aussagen des Lehrmeisters gestützt. Dieser sagte gegenüber der Polizei aus, die junge Frau sei oft in ihrer Freizeit im Lehrbetrieb vorbeigekommen, um mit ihrem vermeintlichen Peiniger einen Kaffee zu trinken. Im Lehrbetrieb ging zudem das Gerücht um, die beiden seien ein Paar. Ausserdem nahm die junge Frau ihren Oberstift auch mit zu sich nach Hause, wo sie ihn ihren Eltern vorstellte.

Das Verfahren war mangels Beweisen bereits vor einiger Zeit eingestellt worden. Die Frau legte Beschwerde beim Aargauer Obergericht ein, das die Einstellung schliesslich aufhob und verfügte, dass Anklage erhoben werden muss. Somit gelangte der Fall ans Zofinger Bezirksgericht.

Jetzt steht das Urteil fest: Der Beschuldigte wird einstimmig freigesprochen; die Genugtuungsforderung von 35'000 Franken wird abgewiesen. Für die vier Tage in Untersuchungshaft erhält er eine Entschädigung von 800 Franken. (cwi/cki/az)

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