Aargau
Stewardess war gestern: Heute wollen Frauen Betreibungsbeamtin werden

Das Betreibungswesen Aargau durchlebt derzeit grosse Veränderungen. Immer mehr Frauen wollen Schuldnern an den Kragen und lassen sich zur Betreibungsbeamtin ausbilden. Hans Rhyner, der abtretende Verbandspräsident, weiss, warum dies so ist.

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Traumberuf: Was früher die Stewardess war, ist heute die Betreibungsbeamtin

Traumberuf: Was früher die Stewardess war, ist heute die Betreibungsbeamtin

Keystone

Stewardess, Tierärztin oder Kindergärtnerin: Traumjobs, die sich Frauen vor mehr als 20 Jahren wünschten. Heute sieht es anders aus: Immer mehr Frauen wollen Betreibungsbeamtin werden. Das hat der Aargauische Betreibungsbeamtenverband an der Generalversammlung festgehalten.

Währenddem vor etlichen Jahren mehrheitlich Männer Schuldnerinnen und Schuldnern aufspürten, sterben die männlichen Mitarbeitenden im Betreibungswesen beinahe komplett aus.

«Dieser Trend lässt sich tatsächlich feststellen», weiss Verbandspräsident Hans Rhyner. Diese Tendenz verdeutliche eine imposante Zahl: 9 von 11 Personen, welche sich für die letztjährige Abschlussprüfung zur Betreibungsfachperson angemeldet haben, sind Frauen, so Rhyner.

Er glaubt die Gründe des Berufwandels zu kennen: «Früher war man oft bei den Schuldnern zu Hause am Pfänden. Heute ist es praktisch ein Job am Schalter - ein Bürojob.» In den früheren Jahren hätte man auch teilweise gegenüber dem Schuldner physische Stärke beweisen müssen, sagt Rhyner weiter.

«Ein anderer wichtiger Grund sehe ich darin, dass sich als Betreibungsbeamtin gut in Teilzeiten arbeiten lässt. Ausserdem hat man gute Möglichkeiten, nach einer familiären Auszeit wieder auf dem gleichen Beruf einzusteigen.»

Weniger Respekt gegenüber Beamtinnen

Rhyner betont, dass er die Entwicklung in der Branche nicht als negativ betrachtet. «Wir machen sehr gute Erfahrungen mit Betreibungsbeamtinnen. Sie pflegen einen guten Umgang mit Schuldnerinnen und Schuldnern, auch wenn es bei ausländischen Schuldnern schon zu Fällen gekommen ist, bei denen einer Beamtin keinen Respekt entgegengebracht wurde», so Rhyner.

Rhyner war 14 Jahre lang im Vorstand des Betreibungsbeamtenverbandes aktiv und hielt fünf Jahre davon das Präsidentenamt inne. Nun hat er aus gesundheitlichen Gründen den Rücktritt erklärt. Zur Nachfolge wurde - wie kann es anders sein - mit Manuela Louro eine Frau zur Präsidentin erkoren.

Auch im Vorstand hält der Trend an: Mit Brigitte Frey, Betreibungsbeamtin von Würenlingen sowie Andrea Schmalz vom Betreibungsamt Unterkulm wurden zwei Frauen neu in den Vorstand gewählt. (sha)

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