Der Hund ist des Menschen bester Freund, heisst es. Auch wenn sie «Amicus» (Freund) heisst: Von der neuen Datenbank, in der seit diesem Jahr sämtliche Hunde in der ganzen Schweiz erfasst werden, lässt sich das nicht sagen. Das finden jedenfalls die Verantwortlichen der Einwohnerämter der Gemeinden, die sich um die Hundekontrolle zu kümmern haben.

Gemäss eidgenössischer Tierseuchengesetzgebung haben die Kantone eine zentrale, nationale Hundedatenbank zu betreiben. Handelnd durch die Vereinigung der Kantonstierärzte haben die Kantone die Identitas AG, nach eigener Darstellung «führender Schweizer Dienstleister für Daten rund um das Tier», mit Entwicklung und Betrieb dieser Datenbank beauftragt. Wiederholt intervenierten deswegen der Schweizerische Gemeindeverband und der Verband Schweizerischer Einwohnerdienste.

Schon vor der Einführung des «Amicus»-Systems kritisierte man in einem Brief an die Kantonstierärzte, dass man nicht in das Projekt einbezogen worden sei. Im Juni folgte ein weiteres Protestschreiben. «Äusserst unglücklich und unprofessionell» sei die Einführung von «Amicus» verlaufen, heisst es darin.

Das Urteil ist einigermassen vernichtend: Kurzfristig stelle die Hundedatenbank Amicus für Städte und Gemeinden bestenfalls eine Zwischenlösung dar, mittel- und langfristig gebe es für die Software «in der jetzigen Form keinen Verwendungszweck».

«Zum Teil uralte Daten»

Ein Lied von den Problemen mit «Amicus» kann Walter Allemann singen. Er ist Leiter der Einwohnerdienste in Wettingen und Vorstandsmitglied beim Verband der Schweizerischen Einwohnerdienste. Das Problem: Obwohl die Herstellerfirma die beklagten Schnittstellenprobleme in einem Bericht des «Tages-Anzeigers» unlängst relativierte, scheint es mit dem Datentransfer nicht zu klappen.

Die Gemeinden führen zur Erhebung der Hundetaxe, im Aargau 120 Franken pro Jahr, eigene Register. In Wettingen mit 20 000 Einwohnern und rund 700 Hunden entsteht da schnell ein beträchtlicher Mehraufwand, wenn der Datentransfer nicht einwandfrei klappt und die Hundedatenbank Amicus separat nachgeführt werden muss.

Die Folgen kann man sich denken: Die Disziplin, die Hundedatenbank regelmässig korrekt nachzuführen, hält sich in Grenzen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Hundehalter, aus verständlichen Gründen, häufig vergessen, die von ihnen geforderten Änderungen in «Amicus» vorzunehmen. «Wir sind zum Teil mit uralten Daten konfrontiert», sagt Allemann. Im Aargau leben um die 40 000 Hunde, also fast zweimal so viele wie die Hauptstadt Aarau Einwohner hat. Dass es da mit der «lückenlosen Rückverfolgbarkeit zum besseren Schutz unserer Hunde und der Bevölkerung» vielleicht doch nicht ganz so weit her sein könnte, wie bei der Einführung der neuen Datenbank versprochen, dürfte auf der Hand liegen.

Das sei das Ärgerlichste, meint Walter Allemann: «Hätte man die Sache vor anderthalb Jahren mit den Gemeinden gemeinsam angepackt, wäre etwas beispiellos Gutes daraus geworden.» Nun fordern der Schweizerische Gemeindeverband und der Verband Schweizerischer Einwohnerdienste stattdessen, «rasch ein nationales E-Government-Projekt aufzugleisen, in das die Gemeinden, Softwareanbieter, aber auch die Tierärzte und weitere betroffene Organisationen von Anfang an einbezogen werden». Die bis Ende Juni eingeforderte Auskunft, wie man die monierten Probleme kurzfristig zu lösen gedenkt, ist bis jetzt nicht eingetroffen. Die Vereinigung der Kantonstierärzte hat aber zu einem Treffen am kommenden Mittwoch in Bern eingeladen, um zum aktuellen Stand in technischer, operativer und gesetzgeberischer Hinsicht zu informieren.

Es sei durchaus im Interesse der Gemeinden, mit einer funktionierenden, zentralen Hundedatenbank arbeiten zu können, sagt Walter Allemann. Sind dort sämtliche Hunde registriert und die Datenhaltung aktuell, besteht zum Beispiel auch Gewähr, dass keine Einnahmen aus der Hundetaxe verloren gehen. Dies ist der Fall, wenn ein Hundehalter zuzieht oder sich jemand einen Hund neu zulegt und das bei der Gemeinde nicht ordnungsgemäss meldet. Dass man es nun aber einfach den Gemeinden überlässt, notabene ohne klare bundesrechtliche Grundlage, die nationale Datenbank ohne standardisierte Schnittstellen doppelt zu führen und ihre eigene Software auf eigene Kosten darauf anzupassen, das findet man nicht in Ordnung.

Steuern für tote Tiere

Und dann gibt es da auch noch weitere Probleme in der Handhabung. So sei zum Beispiel völlig falsch, so Allemann, dass die Gemeinden den Tod eines Tieres nicht in «Amicus» eintragen können. Das kann unter Umständen dann dazu führen, dass Hundehalter eine Taxen-Rechnung für bereits verstorbene Tiere erhalten. Einer 80-jährigen Dame, die ihren Hund einschläfern musste und am Gemeindeschalter den Tod ihres Lieblings mitteilt, zu erklären, sie müsse sich in der «Amicus»Datenbank einloggen und den Hund selber austragen, sei schon sehr unangenehm, meint Allemann: «Sicher nicht das, was man unter Kundenfreundlichkeit versteht.»