Für die Säule 3a kann man pro Jahr 6768 Franken einzahlen und abziehen. Das tue ich bis zum Alter 70, weil ich bis dann erwerbstätig bin. Wie ist es mit dem Bezug? Kann ich dann mein Pensionsvermögens als Kapital beziehen?

Kevin Gloor: Ja, wenn Ihre Pensionskasse das erlaubt, können Sie es, wenn der Bezug rechtzeitig angemeldet wurde (Anmeldefristen der Pensionskasse beachten). Achten Sie bei der Pensionskasse aber darauf, dass Sie in den drei Jahren davor keine freiwillige Einzahlung gemacht haben. Sonst würde die Steuerverwaltung Ihnen den abgezogenen Einkauf nachträglich nicht zum Abzug zulassen. Ich empfehle Ihnen zudem, den Bezug aus der zweiten und dritten Säule nicht im selben Jahr zu machen – dies zur Milderung der Steuerprogression beim Kapitalbezug.

Mein Bruder und ich haben je eine Hälfte des Hauses unserer Mutter in einem osteuropäischen Land geerbt. Jetzt «besetzt» mein Bruder das Haus, wohnt dort, lässt mich nicht hinein, spricht nicht mit mir, zahlt nichts. Ich habe ihm schliesslich für meine Hälfte einen Mietvertrag geschickt. Der kam mit einem sehr unfreundlichen Brief zurück. Was soll ich tun?

Kevin Gloor: Sie müssen nochmals versuchen, mit Ihrem Bruder zu reden. Notfalls müssen Sie am Schluss rechtliche Schritte einleiten. In der Schweiz müssen Sie diese Erbschaft deklarieren. Sie ist in Ihrem Vermögen anzuführen. Der Steuerbehörde gegenüber müssen Sie aber auch Ihre Situation schildern und darlegen, warum Sie daraus derzeit keinerlei Einkünfte beziehen.

Ich habe von meiner verstorbenen Tante ein Legat bekommen. Wie muss ich es deklarieren?

Lukas Kretz: Das erhaltene Legat ist in der Steuererklärung als Erbanfall zu deklarieren. Zudem muss damit gerechnet werden, dass der Erbanfall von der Tante noch der Erbschaftssteuer unterliegt.

Frage: Unsere Tochter hat ein Haus gekauft. Ich gab ihr ein zinsfreies Darlehen von 40 000 Franken. Die Familie und ihre Schwester wissen das, und sind einverstanden. Wäre es klüger gewesen, ihr das Geld zu schenken? Sie braucht es ja.

Lukas Kretz: Ob Sie Ihrer Tochter ein Darlehen geben oder das Geld schenken, liegt in ihrem freien Ermessen. Wenn sie es ihr schenken, löst dies im Aargau keine Schenkungssteuer aus. Sie können es aber nicht mehr zurückfordern. Wenn Sie ein Darlehen geben, müssen sie dies im Wertschriftenverzeichnis als Guthaben deklarieren – auch wenn Sie keine Zinsen verlangen. Ihre Tochter kann den geschuldeten Betrag in ihrem Schuldenverzeichnis in Abzug bringen.

Kevin Gloor: Generell ist es sehr sinnvoll, darauf zu achten, dass alle Geschwister möglichst gleich behandelt werden. Das gilt nicht nur für die Summe, sondern idealerweise auch für den Zeitpunkt der Ausrichtung eines zinslosen Darlehens bzw. eines Erbvorbezugs. Zudem soll gut überlegt werden, ob ein derartiger Mittelabfluss an alle Kinder finanziell langfristig überhaupt verkraftbar ist.