Straflose Selbstdeklaration

Steueramnestie fördert im Aargau 89 Millionen Franken Schwarzgeld zutage

Wer die Steuererklärung korrekt ausfüllt, muss nichts nachmelden. (Symbolbild)

Wer die Steuererklärung korrekt ausfüllt, muss nichts nachmelden. (Symbolbild)

Dank einer gesamtschweizerischen kleinen Steueramnestie wurden im Aargau letztes Jahr 89 und seit 2010 gesamthaft über 300 Millionen Franken an hinterzogenen Einkommen und Vermögen gemeldet. In zwei grösseren Fällen kamen 35 Millionen Franken zutage.

Seit 2010 gilt eine «kleine Steueramnestie». Demnach kann man in allen Kantonen unversteuerte Einkommen und Vermögen nachmelden – mit einer «straflosen Selbstdeklaration». Wer das tut, kriegt keine Busse und kein Strafverfahren. Die hinterzogenen Steuern müssen natürlich nachbezahlt werden. Diese unbefristete Amnestie, von der jeder und jede aber nur ein einziges Mal profitieren kann, wirkt. 2009, im Jahr davor, registrierte der Kanton laut Dave Siegrist, Vorsteher des kantonalen Steueramtes, 158 Selbstanzeigen. 2010 kletterte diese Zahl um 50 Prozent auf 240. Und 2011 nochmals leicht auf 254, Letztes Jahr waren es wieder etwas weniger, nämlich 231. Wie Siegrist auf Anfrage der Aargauer Zeitung sagte, kamen 2012 auf diese Weise Vermögenswerte von gesamthaft 89 Mio. Franken (Vorjahr 69 Mio.) zum Vorschein. Darunter befand sich auch ein grösserer einzelner Vermögenswert von 18 Mio. Franken. Daraus resultierten insgesamt Nachsteuern von 8,4 Mio. Franken (Vorjahr 8,9 Mio.).

Auch ein grosser Fall bei Erbenanmeldungen

2012 kamen zusätzlich 26 Meldungen von Erben über Erblasser, die Steuern hinterzogen hatten. Bei den Erblassern kamen auf diese Weise nochmals 35 Mio. Franken (Vorjahr 38 Mio.) zum Vorschein. Auch hier ragt ein Fall mit einem Vermögenswert von 17 Mio. Franken heraus. Die Erben werden nicht gebüsst, sie haben ja nicht hinterzogen. Doch der Staat fordert die hinterzogenen Steuern ein (0,8 Mio. Franken) – mit der kleinen Steueramnestie allerdings nur für maximal 3 Jahre anstatt maximal 10 Jahre zurück.

Zählt man alle seit 2010 zum Vorschein gekommenen Vermögenswerte zusammen, kommt man auf stattliche 312 Mio. Franken. Das ist zwar deutlich weniger als im Nachbarkanton Zürich (dort kamen allein 2011 rund 600 Mio. Franken Schwarzgeld zutage), aber vergleichbar mit vielen anderen Kantonen.

Kanton ist selbst auch aktiv

Das Steueramt wartet übrigens nicht einfach auf Selbstanzeigen. Siegrist: «2012 hatten wir noch 367 von der Steuerbeörde aufgedeckte Nachsteuerfälle. Wieviel Vermögen daraus resultiert, erfassen wir nicht. An Steuern ergeben die Behördenfälle (Bund, Kanton, Gemeinden) 5.4 Mio. Franken.»

Alle Staatsebenen profitieren

Die Nachsteuern gehen übrigens nicht einfach an den Kanton. Er kann rund 40 Prozent behalten, rund 40 Prozent gehen an die Gemeinden, und rund 20 Prozent an den Bund.

2012 wurden also zwei grössere Fälle gemeldet. Die anderen sind oft Beträge ab 100 000 Franken. Dave Siegrist: «Die kleinsten Selbstanzeigen sind aber typischerweise Bankkonti mit Beträgen ab 20 000 Franken.»

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