Investitionen

Sterbebegleitung: Kirchen spannen zusammen

Palliative Care unterstützt Menschen, die zu Hause sterben wollen.

Palliative Care unterstützt Menschen, die zu Hause sterben wollen.

Der Kanton Aargau wird in den nächsten Jahren kaum in Palliative Care investieren können – Landeskirchen springen ein

Auch der Kanton Aargau zählt immer mehr ältere Menschen. Damit nehmen sowohl die Todesfälle wie die chronischen Krankheiten zu. «Je länger, je mehr Menschen brauchen deshalb in ihrer letzten Lebensphase eine fachliche und persönliche Betreuung», sagt Rolf Tschannen. Der Geschäftsleiter des Vereins Hospiz Aargau hat sein Büro im stationären Brugger Hospiz.

Tschannen weiss, was Umfragen längst belegen: Die Menschen wollen am liebsten zu Hause sterben, vorausgesetzt, dass dort Schmerzen und andere Leiden wirksam – durch Palliative Care – bekämpft werden können.

Rolf Tschannen erwähnt die «Nationale Strategie Palliative Care 2010–2012», die bis 2015 verlängert worden ist. Sie verfolgt das Hauptziel: «Bund und Kantone verankern Palliative Care gemeinsam mit den wichtigsten Akteuren im Gesundheitswesen und in anderen Bereichen. Schwerkranke und sterbende Menschen in der Schweiz erhalten damit ihren Bedürfnissen angepasste Palliative Care und ihre Lebensqualität wird verbessert.»

Im Kanton Aargau ist Palliative Care im Pflegegesetz verankert. Doch wie funktionieren die ambulante Umsetzung sowie die Aus- und Weiterbildung, zumal bei einem sparenden Kanton? Und: Wer erbringt ambulante Palliative Care? Im Aargau sind dies neben Hospiz Aargau und (bisher) der Reformierten Landeskirche verschiedene lokale und regionale Gruppierungen wie etwa der Verein «Regionaler Besuchsdienst» in Reinach.

2010 wurde der Verein «palliative aargau» gegründet, in dessen Vorstand die Reformierte als auch die Römisch-katholische Landeskirche Aargau sowie Hospiz Aargau vertreten sind: Er richtet sich ebenso an Betroffene wie an Fachpersonen. Die Synode der Reformierten Landeskirche Aargau bewilligte noch im selben Jahr das Projekt «Palliative Care und Begleitung».

Dieses strebt einerseits die Weiterentwicklung und Zertifizierung der bestehenden Aus- und Weiterbildungen in Palliative Care und Begleitung sowie andererseits den Aufbau und Pilotbetrieb einer Koordinationsstelle für den Einsatz von Begleitenden an.

Die beiden Landeskirchen wollen Anbieterin von anerkannter, spiritueller Ausbildung und Begleitung sein, die interdisziplinären Qualitätsanforderungen entsprechen. Damit, unterstreichen sie, soll auch anderen ähnlich gelagerten Organisationen wie Hospiz Aargau oder «Regionaler Besuchsdienst Reinach» usw. ermöglicht werden, «dass wir in der Zusammenarbeit ein entsprechendes Ausbildungskonzept entwickeln und die Begleitung der ‹Freiwilligen› koordinieren. Somit können wichtige Ressourcen auch anderen zugänglich gemacht werden, und umgekehrt ist es möglich, davon zu profitieren.»

Deshalb erbat der Kirchenrat der Römisch-katholischen Kirche im Aargau von der Römisch-katholischen Synode dreierlei: Die Bewilligung der Zusammenarbeit der Römisch-katholischen Landeskirche in der Palliative Care Aus- und Weiterbildung und deren Begleitdienst; ein Kostendach von 75 000 Franken pro Jahr ab 2016. Die Gesamtkosten (ohne Lehrgangskosten für Fachpersonen Stufe B1) seien paritätisch zwischen der Römisch-katholischen und der Reformierten Landeskirche aufzuteilen. Schliesslich solle die Synode den Römisch-katholischen Kirchenrat mit der Ausarbeitung einer Kooperationsvereinbarung mit der Reformierten Landeskirche mit einer Laufzeit von fünf Jahren beantragen.

Nach der Zustimmung der Synode zu diesen Anträgen entschied sich die Christkatholische Landeskirche, ebenfalls in diesem Verbund mitwirken zu wollen, sodass in Zukunft «Palliative Care und Begleitung der Landeskirchen» gemeinsam auftreten kann. Die bewährte Zusammenarbeit mit Hospiz Aargau und weiteren lokalen Gruppierungen wird so geregelt, dass Palliative Care möglichst kundenfreundlich, niederschwellig, effizient und qualitativ hochstehend für alle Bewohner dieses Kantons und für alle interessierten Institutionen angeboten werden kann.

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