Schafisheim
Steiner-Schule passt Kita-Reglement an – wegen Frau ohne Ausbildung

Die Kindertagesstätte der Rudolf-Steiner-Schule in Schafisheim hatte eine Betreuerin ohne pädagogische Ausbildung angestellt – obwohl dies laut Reglement nötig wäre. Das Reglement wurde angepasst. Das passte hingegen den Eltern nicht.

Fabian Hägler
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Die Steiner-Schule hat eine Kita-Betreuerin eingestellt, die entgegen des Reglements gar keine Ausbildung hatte.

Die Steiner-Schule hat eine Kita-Betreuerin eingestellt, die entgegen des Reglements gar keine Ausbildung hatte.

Annika Bütschi

In den letzten Wochen sah sich die Rudolf-Steiner-Schule in Schafisheim zahlreichen Vorwürfen ausgesetzt. Der Auslöser für den Konflikt zwischen Schulführung und mehreren Eltern liegt indes länger zurück. Kurz vor den Sommerferien 2013 stellte die Schule für die Kinderkrippe Farfallina eine Betreuerin an, die keine pädagogische Ausbildung hatte. Dies führte zu Protesten von Eltern, die sich auf das damalige Farfallina-Reglement stützten. Darin heisst es über die Krippe: «Sie wird von ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen geleitet.»

Offene Fragen: Anwalt der Eltern bleibt hartnäckig

Vor einem Monat reichte Willy Bolliger, der mehrere Eltern vertritt, einen Fragekatalog zu den Vorgängen an der Steiner-Schule ein. Bisher hat Bolliger keine Antworten erhalten. Guido Fischer, der Anwalt der Schule, bezweifelt gar, dass die Eltern Anspruch auf Auskünfte haben. Bolligers Klienten seien aus dem Schulverein ausgetreten, eine Auskunftspflicht des Vorstands bestehe nur gegenüber Vereinsmitgliedern. Bolliger kontert: «Meine Klienten haben für Leistungen der Schule bezahlt, die möglicherweise nicht in der vereinbarten Qualität erbracht worden sind», sagt er. Der Anwalt der Eltern erwartet deshalb weiterhin Antworten und behält sich zudem rechtliche Schritte vor. (fh)

Wer heute auf die Website der Schule geht, findet dort eine andere Version des Reglements. «Sie wird von ausgebildeten oder in Ausbildung befindlichen Pädagoginnen und Pädagogen geleitet», heisst es darin. Dass die Schule das Reglement geändert hat, löste Elternproteste aus. Weiter kritisierten die Eltern, die Gemeinde Schafisheim habe die Kinderkrippe zehn Jahre lang nicht kontrolliert. Eine Mutter fragt: «Warum darf diese Kita weiterhin mit unqualifiziertem Personal arbeiten?»

Wenig qualifiziertes Personal

Auf Anfrage der az nimmt Lucio Carlucci, Präsident des Rudolf Steiner Schulvereins Aargau, Stellung zu den Vorwürfen. Im Sommer 2013 habe die Schule neue Mitarbeiterinnen gesucht, und zwar «bevorzugt solche mit pädagogischer und anthroposophischer Ausbildung», sagt er. Solche Bewerberinnen waren offenbar nicht zu finden.

So legte die Schule fest, «dass die Ausbildung unmittelbar nach Stellenantritt starten würde». Carlucci bestätigt, dass derzeit «eine erfahrene Mutter als Betreuerin in der Farfallina arbeitet, die berufsbegleitend die Ausbildung an der Akademie für anthroposophische Pädagogik absolviert».

Er ergänzt, es gehöre zur gängigen Praxis von Kindertagesstätten, «dass geeignete Mitarbeiterinnen ohne abgeschlossene Ausbildung angestellt werden, so lange sie von erfahrenen und ausgebildeten Pädagoginnen begleitet werden und eine eigene Ausbildung machen». Die Rudolf- Steiner-Schule Aargau sei hier keine Ausnahme.

«Wir legen Wert auf pädagogisch und menschlich qualifizierte Betreuung in der Krippe Farfallina», sagt Carlucci und hält weiter fest: «Dies ist heute und war auch in der Vergangenheit gewährleistet.»

Schule hat Reglement geändert

Dass im alten Reglement der Passus «ausgebildete Pädagogen» stand, ist aus Carluccis Sicht richtig, «weil dies ja auch stets angestrebt wird». Er sagt, das Reglement sei nach Elternreklamationen im Sommer 2013 geändert worden. «Eine 100-prozentige Abdeckung durch Pädagogen mit abgeschlossener Ausbildung ist in der Kindertagesstätte, aufgrund der Personalsituation, nicht immer erfüllbar», begründet Carlucci.

Die Änderung des Reglements bezeichnet er als formellen Nachvollzug, «ohne dass dabei Qualitätsansprüche verändert wurden». Inhaltlich habe zu keinem Zeitpunkt ein Problem bestanden.

Aufsichtsbericht für Gemeinde

Lucio Carlucci hält ausserdem fest, die Gemeinde Schafisheim habe den Farfallina-Betrieb bewilligt. In einer Stellungnahme vom 17. Dezember, welche der az vorliegt, verweist die Gemeinde auf einen aktuellen Aufsichtsbericht. Dieser bestätigt laut der Gemeinde, dass sich keine sofortigen Massnahmen aufdrängen.

Wie die ganze Steiner-Schule Schafisheim unterliegt auch die Kinderkrippe Farfallina den Audits der externen Qualitätsbewertungsstelle Confidentia. Lucio Carlucci erklärt auf eine entsprechende Anfrage der az hin, die Confidentia habe «keine spezifischen Empfehlungen zur Kindertagesstätte ausgesprochen».