Arbeitslosigkeit

Steigende Arbeitslosigkeit wegen Corona: RAV schafft im Aargau 35 neue Stellen

Um die neuen Arbeitslosen zu betreuen, stellen die RAV 35 neue Mitarbeiter an.  (Archivbild)

Um die neuen Arbeitslosen zu betreuen, stellen die RAV 35 neue Mitarbeiter an. (Archivbild)

Die Arbeitslosigkeit steigt seit dem Februar monatlich. Mit ihr auch die Arbeitsbelastung der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV). Deshalb schaffen diese nun 35 neue Stellen. Dies entspricht einem Ausbau um 30 Prozent. Grosszügig berechnet ist dies nicht: Die RAV rechnen trotzdem noch mit einer Überbelastung der Angestellten und führen deswegen weniger Beratungen durch.

Die Corona-Krise treibt die Arbeitslosenquote in die Höhe: Betrug die Quote im Mai vor einem Jahr noch 2,4 Prozent im Kanton Aargau, lag sie diesen Mai bei 3,5 Prozent – einem Anstieg von über einem Prozent. Das entspricht rund 4200 Arbeitslosen mehr als im Vorjahr, davon kamen allein 3000 seit Februar dazu.

Das merken auch die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV): Statt wie normalerweise 120 Dossiers bearbeiten viele Mitarbeiter momentan rund 200 Dossiers pro Monat, arbeiten also deutlich mehr als normal. Darauf reagieren die RAV nun: 35 zusätzliche Vollzeitstellen sollen verteilt auf die sechs Aargauer RAV-Standorte geschaffen werden. Dies entspricht einem Ausbau um rund 30 Prozent. «Damit kann der bisherige Anstieg gedeckt werden», sagt Isabelle Wyss, Leiterin für Arbeitsmarktliche Integration des Kantons. Wie genau die Stellen auf die einzelnen Standorte verteilt sind, möchte Wyss nicht kommunizieren.

4200 zusätzliche Stellensuchende können betreut werden

Mit den 35 zusätzlichen Stellen können rund 4200 Stellensuchende betreut werden – dies entspricht etwa dem Anstieg an Stellensuchenden seit dem Februar. Trotz der zusätzlichen Stellen, rechnet man beim RAV mit einer Zusatzbelastung der Angestellten. «Wir gehen davon aus, dass RAV-Mitarbeitende in nächster Zeit statt 120 Dossiers 160 Dossiers pro Monat bearbeiten müssen», sagt Wyss.

Um diese zusätzliche Belastung stemmen zu können, hat das Sekretariat für Wirtschaft des Bundes (Seco) den RAV erlaubt, ihre Betreuungszyklen anzupassen: Mussten Stellensuchende bisher mindestens alle zwei Monate ein Beratungsgespräch mit dem RAV führen, müssen sie dies neu nur noch alle drei Monate tun. Ausserdem, erklärt Isabelle Wyss, komme man davon weg, alle Stellensuchenden gleich oft zu betreuen: «Wenn jemand gut unterwegs ist, kann es sein, dass er weniger Gespräche mit dem RAV hat als sonst», sagt Wyss. «Wir müssen ein bisschen jonglieren.»

35 Vollzeitstellen entsprechen einem mittleren Szenario

Die RAV gehen mit der Aufstockung um 35 Vollzeitstellen laut Wyss von einem mittleren Szenario aus. «Wenn die Arbeitslosigkeit noch stärker ansteigen würde als bisher, müssten wir uns überlegen, noch mehr Leute zu rekrutieren.» Die Stellen, die jetzt zusätzlich geschaffen wurden, sind befristet auf drei Jahre.

Dies, weil man vonseiten RAV davon ausgeht, dass die Effekte der Corona-Krise noch mindestens zwei Jahre spürbar sein werden. Detaillierte Prognosen möchte Wyss aber nicht wagen: «Wir wissen nicht, was die nächsten Monate bringen werden». Trotzdem hofft Wyss, dass die Anzahl Neuanmeldungen zumindest während der Sommerferien zurück geht. Danach rechnet die Leiterin Arbeitsmarktliche Integration aber wieder mit mehr Stellensuchenden. «Vermutlich wird der Anstieg nicht direkt nach den Ferien kommen, irgendwann im Laufe des Herbstes rechne ich aber schon mit mehr Kündigungen», sagt Wyss. Dass die RAV noch signifikant mehr aufstocken wird, schliesst Wyss aber trotz dem erwarteten Stellenabbau im Herbst aus. Im Endeffekt sei es ein Balanceakt zwischen Machbarkeit und Bedarf. Der Bedarf, das scheint klar, ist momentan hoch. Ein ebenso hoher Stellenausbau ist laut Wyss aber nicht realistisch: «Jeder Angestellte braucht bei uns etwa neun Monate, bis er voll einsatzfähig ist. Dieses Einarbeiten erfordert Ressourcen», so Wyss. Deshalb bezeichnet die Leiterin Arbeitsmarktliche Integration den Ausbau um 35 Vollzeitstellen als «vernünftiges Mittelmass».

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