Christine Egerszegi ist keine Parteisoldatin. Das spürte man jeweils spätestens dann, wenn sie bei gewichtigen Geschäften zu einem anderen Schluss kam als ihre Partei und dies auch beherzt vertrat. Am Dienstagabend wurde sie in Wohlen am FDP-Parteitag als Ständerätin verabschiedet. Die frühere Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer dankte ihr für ihren grossen Einsatz.

Egerszegi habe in 30 Jahren Politik, wovon 20 Jahre in Bern, wahrhaft Spuren hinterlassen. Zentral sei für Egerszegi die soziale Sicherheit und das Gesundheitswesen. Nebst der Sachpolitik habe sie aber noch andere Interessen, etwa ihr kabarettistisches Talent.

Eine alt Parlamentarierin beweist Humor: Best-of Christine Egerszegi bei Giacobbo/Müller.

Natürlich erinnerte Mörikofer an die Musikinitiative, ein besonders erfolgreiches «Kind» Egerszegis. Zudem war diese führend in der Schweizer OSZE-Delegation. Ein Engagement, das zu Egerszegis Leidwesen – wie sie anschliessend sagte – von den Medien kaum beachtet wurde. Auch nicht, als sie in Kasachstan das schweizerische Ja zur Minarettinitiative vertrat. Eine sehr schwierige Mission, die Mut verlangte, und für die sich kein Bundesrat hergeben wollte.

Hans Killer, Geri Müller und Christine Egerszegi sagen Tschüss.

Präsident Matthias Jauslin schenkte ihr nebst einem Reisegutschein ein Puzzlespiel mit Kampfflugzeugen drauf. Dies natürlich in Anspielung auf das seinerzeitige Nein Egerszegis zur Gripen-Kampfflugzeug-Beschaffung, mit der sie im Gegensatz zur eigenen Partei stand – nicht aber zur Volksmehrheit. Die über 80 Anwesenden dankten Egerszegi schliesslich mit einer lang anhaltenden stehenden Ovation.

Nein zur Durchsetzungsinitiative

Die erste Umfrage zur Abstimmung über die SVP-Durchsetzungsinitiative zeigt: Eine knappe Mehrheit der Befragten sagen derzeit Ja dazu. Und die Aargauer Freisinnigen, wo stehen sie? Diese Frage klärte sich rasch. In einem engagierten Rededuell zwischen SVP-Nationalrat Gregor Rutz (ZH, pro) und Christine Egerszegi (AG, kontra) überzeugte sie offenkundig mehr. Nach wenigen, vorab deutlich gegen die Initiative gerichteten Voten aus der Basis liess Jauslin abstimmen. Der ebenfalls anwesende nationale FDP-Präsident und Ständerat Philipp Müller – ein vehementer Gegner der SVP-Initiative – brauchte nicht einzugreifen. Der Parteitag empfiehlt das Begehren mit 81 Nein bei zwei Enthaltungen zur Ablehnung.

Mit 76 Nein : 5 Ja lehnt die FDP auch die CVP-Heiratsstrafe-Initiative ab. Mit 80 Ja unterstützt sie die kantonale Initiative «Weg mit dem Tanzverbot». Das einstimmige Ja zur zweiten Gotthard-röhre hat die Partei schon früher beschlossen. Ein Nein gibt es auch zur Nahrungsmittelinitiative.

Attiger tritt wieder an

FDP-Präsident Matthias Jauslin gab in Anwesenheit von Baudirektor Stephan Attiger (FDP) bekannt, dass dieser wieder zu den Wahlen antreten wird. Attiger fühle sich im Baudepartement wohl und beabsichtige nicht, es zu wechseln, machte Jauslin klar. Die Ziele der Partei bei den Grossratswahlen sind ehrgeizig: Laut Jauslin will sie in allen Bezirken zulegen, 17 Prozent Wähleranteil erreichen, zur zweitgrössten Partei werden und die Grossratsdelegation von 22 auf 24 Mitglieder steigern. Richtung SVP-Präsident Thomas Burgherr schoss Jauslin noch einen kleinen Pfeil ab: Es sei einfach, den Kopf der grünen Regierungsrätin Susanne Hochuli zu fordern, so Jauslin, aber scheinbar schwierig, geeignete Kandidatinnen zu präsentieren.